KAPITEL 1
DER AUKTIONSBLOCK
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Sera hatte vergessen, wie es sich anfühlte, warm zu sein.
Drei Monate im Kriegsgefängnis des Königs hatten ihr alles genommen – Hoffnung, Würde, die Namen ihrer gefallenen Kameraden. Doch die Kälte blieb ihr ständiger Begleiter, sie drang durch Steinmauern und dünne Lumpen und kroch in die Knochen, die sich gegen jede Bewegung sträubten.
Der Wartebereich unterhalb des Auktionspodests war noch schlimmer. Kälter. Dunkler. Zusammengepfercht mit zwei Dutzend anderen Gefangenen, die alle dasselbe Schicksal erwarteten: Wie Vieh an Adlige verkauft zu werden, die auf ihre Körper, ihre Arbeitskraft, ihre vollkommene Unterwerfung boten.
Sera saß mit dem Rücken an feuchten Stein gelehnt, die silbernen Ketten schwer an ihren Handgelenken. Die Fesseln hinderten jede Bewegung – eine Flucht war unmöglich, selbst wenn sie die Kraft dazu gehabt hätte. Die sie aber nicht hatte. Der Hunger hatte tiefe Höhlen in ihre Wangen gegraben, ihre Schlüsselbeine spitz zulaufen lassen unter der Haut, die sich zu straff über ihre Rippen spannte.
Sie sah aus wie ein wandelnder Toter. Und so fühlte sie sich auch.
„Man sagt, der Schattenprinz könnte heute anwesend sein.” Das Flüstern kam von einer älteren Frau, die in der Nähe kauerte, ihre Stimme zitterte. „Prinz Darius. Wenn er dich kauft – besser vorher sterben.”
Sera sagte nichts. Sie hatte die Geschichten gehört. Jeder hatte sie gehört. Der zweite Sohn des Königs, Kommandant der Schattengarde – der persönlichen Attentäter der Krone. Man sagte, er folterte Rebellen, um an Informationen zu gelangen, und dass es ihm gefiel. Man sagte, seine Festung sei auf den Knochen derer erbaut, die ihn verärgert hatten.
Es hieß, er sei ein Monster.
„Lieber er als manch anderer”, murmelte ein anderer Gefangener. „Der Prinz tötet wenigstens schnell. Manche Adlige – die lassen es ewig dauern.”
„Thorne!”, durchbrach der bellende Ruf eines Wächters das Gemurmel. „Du bist der Nächste.”
Sera spürte ein flaues Gefühl im Magen, doch sie stand ruhig da und weigerte sich, Angst zu zeigen. Drei Monate Verhör, Hunger und Erniedrigung hatten sie noch nicht gebrochen. Sie würde es auch jetzt nicht tun.
Der Wächter packte ihre Kette und riss sie vorwärts. Sie stolperte – ihre Beine waren von der Unterernährung schwach –, konnte sich aber fangen. Sie hielt den Kopf hoch, während er sie die Treppe hinauf zum Podest zerrte.
Das Sonnenlicht traf sie wie ein Schlag nach monatelanger Dunkelheit. Sera blinzelte dagegen an, kurzzeitig geblendet, als Hände sie auf den Auktionsblock stießen. Raues, splitteriges Holz unter ihren nackten Füßen. Der Lärm der Menge umspülte sie – Hunderte von Stimmen, Lachen, Rufen und Schätzen.
Sie zwang ihre Augen, sich an das Licht zu gewöhnen, zu fokussieren. Der Platz war überfüllt. Adlige in prächtigen Gewändern saßen in den vorderen Reihen, Diener und einfache Leute drängten sich hinten. Alle waren wegen des Spektakels hier, zur Unterhaltung, besiegte Feinde wie Schlachtvieh verkauft zu sehen.
Der Auktionator packte sie an der Schulter und drehte sie herum, sodass sie der Menge gegenüberstand. „Hier haben wir Los siebzehn – Sera Thorne, dreiundzwanzig Jahre alt, ehemals Teilnehmerin der Thornwood-Rebellion.” Seine Stimme hallte über den Platz, geübt und jovial. „Ausgebildete Kämpferin, trotz ihrer jüngsten Gefangenschaft stark. Von bürgerlichem Geblüt, keine bedeutende Abstammung. Jungfrau, heute Morgen bestätigt –”
Sera wurde heiß im Gesicht. Die Untersuchung war unbeschreiblich demütigend gewesen, raue Hände hatten ihren „Wert” bestätigt, während sie sich die Zunge blutig gebissen hatte, um nicht zu schreien.
„Wollen wir ihnen mal zeigen, worauf sie bieten?”
Bevor sie reagieren konnte, riss der Auktionator ihr dünnes Hemd vorne auf. Der Stoff riss ab und gab sie Hunderten von starrenden Blicken preis. Sera keuchte auf, instinktiv versuchte sie, sich zu bedecken. Die Ketten hinderten sie daran.
Gelächter ging durch die Menge. Kommentare über ihren Körper, ihre Narben, ihren Wert als Besitz. Sie stand wie erstarrt da, nackt bis auf einen Fetzen Stoff an ihren Hüften, und spürte, wie sich in ihr etwas zu purem, kaltem Hass verhärtete.
„Dreh dich!”, bef