Afrika
2Im November 2022 sorgte ein Bild weltweit für Aufsehen: Drei Männer saßen auf dem Ruder eines riesigen Öltankers, nur wenige Meter über der Wasseroberfläche, vollkommen schutzlos dem unbändigen Atlantik ausgeliefert. Es war ein Anblick, der wie aus einem Albtraum wirkte: Menschen, die sich an einem beweglichen Metallblatt festklammerten, das eigentlich nur der Steuerung des Schiffs diente. Diese Männer waren als blinde Passagiere von Westafrika, vermutlich aus der Gegend um Lagos in Nigeria, an Bord gegangen. Ob sie vielleicht in einer verzweifelten Flucht vor Armut und Hoffnungslosigkeit sich unter das Heck des Schiffs geschlichen, und auf das Ruder begeben hatten?
Von dort aus begannen sie eine der gefährlichsten Reisen, die man sich vorstellen kann, eine elftägige Überfahrt über den offenen Ozean in Richtung der Kanarischen Inseln, ein erster Zugangspunkt nach Europa für viele Migranten.
Die Strapazen, denen sie während dieser Reise ausgesetzt waren, lassen sich kaum in Worte fassen. Wind, Gischt und die klirrende Kälte der Nächte sowie die unerbittliche Hitze der Tage waren ihre ständigen Begleiter. Das Ruder hatte keinen Platz zum Ausruhen oder Bewegen; es war hart, glatt und ständig in der Nähe der unruhigen See. Ein falscher Griff oder ein Moment der Erschöpfung hätte sie ins tiefblaue Nichts stürzen können. Die Anzeichen deuten darauf hin, dass sie kaum bis gar keine Vorräte dabeihatten. Als der Tanker schließlich im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria ankam, waren sie stark dehydriert, vollkommen erschöpft und am Rande der Unterkühlung, ein deutliches Zeichen für die extremen Bedingungen, die sie durchlebt hatten.
Bereits nach wenigen Tagen ohne Wasser gerät der menschliche Körper in