: John L. Ransom
: Heiko Anbauer
: Andersonville-Tagebuch Ein Überlebenskampf im tödlichsten Gefangenenlager des amerikanischen Bürgerkriegs (Camp Sumter)
: Books on Demand
: 9783695795208
: 1
: CHF 8.80
:
: Neuzeit bis 1918
: German
: 216
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Andersonville - Der Name steht bis heute für das unvorstellbare Grauen, das Kriegsgefangene im amerikanischen Bürgerkrieg erdulden mußten. Ursprünglich für 10.000 Gefangene geplant, zwang der Krieg die Konföderation, bis zu 33.000 Unionssoldaten in das Lager zu pferchen. Im Jahr 1864 herrschte überall bitterer Mangel - an Nahrung, an Medizin, an allem Lebensnotwendigen. Das Lager wurde im Februar 1864 eröffnet. Die Gefangenen kampierten unter freiem Himmel, ohne ausreichend Brennholz, ohne sauberes Wasser und bei katastrophaler Versorgung. Bis zur Auflösung im Mai 1865 starben dort rund 13.000 Männer unter entsetzlichen Bedingungen. Der Autor dieses Buches, John L. Ransom, erlebte diese Hölle am eigenen Leib. Dies ist sein authentischer Bericht - ein erschütterndes Zeugnis aus der Mitte des Infernos.

1. Kapitel.


Die Gefangennahme.


Eine List der Rebellen, um Unionstruppen in einen Hinterhalt zu locken – Völlige Überrumpelung – Nachlässige Offiziere – Heldenhafte Verteidigung – Beginn einer langen Gefangenschaft.

BELLE ISLAND, Richmond, Va., 22. November 1863: In den Morgenstunden des 6. November dieses Jahres wurde ich nahe Rogersville, im Osten Tennessees, gefangen genommen, während ich als Brigade-Quartiermeister-Sergeant diente. Die Brigade war aufgesplittert, zwei Regimenter jeweils 20 Meilen1 entfernt, während das Brigade-Hauptquartier mit der 7. Ohio und der 1. Tennessee berittenen Infanterie in Rogersville verblieb. Der Brigade-Qartiermeister hatte eine große Menge Kleidung vorrätig, die wir sobald wie möglich an die Brigade auszugeben gedachten. Die Bürger des Ortes, die es mit den Rebellen hielten, veranstalteten einen Tanz in einem der Wirtshäuser und luden alle Unionsoffiziere ein. Dies geschah am Abend des 5. November. Nahezu alle Offiziere nahmen teil und waren die ganze Nacht, einige gar bis zum Morgen, abwesend. Unser Lager befand sich in einer Biegung des Holston-Flusses. Es war eine finstere, regnerische Nacht, und der Fluß schwoll vor Tagesanbruch stark an. Der Tanz war ein listiger Plan, um unsere Offiziere von ihren Truppen zu trennen.

Beim ersten Tageslicht trieb die Kavallerie der Rebellen unser