: Matthias Pfister
: Jörn Littkemann
: Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor der Arbeitgeberattraktivität mittelständischer Unternehmen Eine empirische Analyse
: Books on Demand
: 9783695776771
: Unternehmensrechnung und Controlling
: 1
: CHF 8.80
:
: Betriebswirtschaft
: German
: 510
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das vorliegende Buch untersucht die Rolle von Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor der Arbeitgeberattraktivität mittelständischer Unternehmen. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und eines veränderten Werteverständnisses potenzieller Bewerberinnen und Bewerber gewinnen ökologische, soziale und ökonomische Aspekte unternehmerischen Handelns zunehmend an Bedeutung. Ziel der Arbeit ist es, systematisch zu analysieren, wie diese drei Nachhaltigkeitsdimensionen die Bewerbungsabsicht von Studierenden als zentralen Indikator der Arbeitgeberattraktivität beeinflussen. Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Fragen: Welche relative Bedeutung kommt ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten im Vergleich zueinander zu? Wie lassen sich die Wirkungszusammenhänge theoretisch erklären? Inwiefern variieren die Effekte in Abhängigkeit von individuellen Merkmalen wie Studienfach, Lebensphase oder beruflichem Hintergrund? Auf Basis einer umfassenden systematischen Literaturanalyse wird ein theoretischer Bezugsrahmen entwickelt, der anschließend im Rahmen einer empirischen Untersuchung mit Studierenden überprüft wird. Die Studie verbindet theoretische Fundierung mit empirischer Analyse und leitet daraus praxisrelevante Implikationen für die strategische Positionierung mittelständischer Unternehmen als nachhaltige Arbeitgeber ab. Damit leistet das Buch einen Beitrag an der Schnittstelle von Nachhaltigkeitsmanagement, Personalmanagement und Mittelstandsforschung.

Dr. Matthias Pfister ist Wissenschaftler im Bereich Unternehmensrechnung und Controlling mit einem besonderen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeits- und Personalcontrolling. Von 2018 bis 2025 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Unternehmensrechnung und Controlling der FernUniversität in Hagen tätig. In diesem Rahmen entstand seine Dissertation. Im Zuge seiner Forschung veröffentlichte er mehrere wissenschaftliche Beiträge und stellte seine Arbeiten auf nationalen wie internationalen Konferenzen vor. Darüber hinaus war er in der akademischen Lehre und in der Betreuung von Studierenden aktiv. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Controlling, Finance und Accounting absolvierte er an der Universität Bamberg (B.Sc., M.Sc.). Ein Auslandssemester am Institute of International Studies in Bangkok ergänzte seine akademische Ausbildung. Praktische Erfahrungen sammelte er unter anderem bei der Volkswagen AG sowie im Wealth Management der Baden-Württembergischen Bank.

B Theoretische Grundlagen


1 Nachhaltigkeit

1.1 Einführung


Die Welt existierte lange ohne die Begriffe „nachhaltig“ und „Nachhaltigkeit“. Heute hingegen sind diese Ausdrücke nahezu allgegenwärtig und prägen den öffentlichen Diskurs in vielfältiger Weise. Beim Einkauf im Supermarkt erwerben wir Produkte, die als nachhaltige Lebensmittel gelten und aus Praktiken der nachhaltigen Landwirtschaft stammen. Regierungen erweitern vorhandene oder erschaffen neue Ministerien für Umwelt, Naturschutz, natürliche Ressourcen, grüne Landwirtschaft oder vergleichbarer thematischer Ausrichtung. Die United Nations (UN) befürworten seit geraumer Zeit die nachhaltige Entwicklung als Strategie zur globalen Stabilität, während Verbraucher zunehmend Wert auf einen nachhaltigen Lebensstil legen.31 Der Ursprung für den neuen Begriff ist jedoch ein Konzept, welches geschichtlich tief verwurzelt ist. Dieser liegt in der Fachterminologie der Forstwirtschaft. Nachhaltigkeit ist eine semantische Modifikation, Erweiterung und Übertragung des Begriffs nachhaltiger Ertrag.32 In seiner ursprünglichen Fassung wurde das Konzept erstmals 1713 veröffentlicht. Die „Sylvicultura oeconomica“ ist das früheste umfassende Handbuch der Forstwirtschaft und wurde vom deutschen Adligen Hanns Carl von Carlowitz verfasst. Der Verfasser griff auf zwei wichtige Quellen und Modelle zurück: Das Buch „Sylva“ von John Evelyn, welches im Jahr 1664 veröffentlicht wurde, und Jean Baptiste Colberts „Ordonnance“ von 1669 über die königlichen Wälder Frankreichs. Carlowitz (1713) beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Erhaltung und Bewirtschaftung von Holz erreicht werden kann, sodass es eine kontinuierliche ständige und nachhaltende Nutzung gebe.

Das Problem beschäftigte Ökonomen und Staatsmänner in ganz Europa: ein vorhergesagter Mangel an Holz, das damals eine der wichtigsten Ressourcen war. Agrarwirtschaftliche Praktiken, Schiffsbau und der steigende Bedarf in Berg- und Hüttenwerken führten in zahlreichen Regionen zu einer Übernutzung der Waldressourcen. Angesichts der zunehmenden Ressourcenknappheit wurde im Rahmen des Konzepts der nachhaltigen Forstwirtschaft eine Bewirtschaftungsstrategie entwickelt, die darauf abzielte, einen möglichst hohen und zugleich langfristig gesicherten Ertrag aus den Wäldern zu erzielen. Dabei durfte die jährliche Entnahme die natürliche Regenerationsrate des Baumbestands nicht überschreiten. In ökonomischer Hinsicht lässt sich dieses Prinzip als die Nutzung der Zinsen des Kapitals verstehen, ohne dabei das Kapital selbst zu erschöpfen.33 Dieses ressourcenökonomische Paradigma in der Forstwirtschaft integriert das ökonomische Ziel der maximalen und langfristigen Nutzung der Wälder mit dem Erhalt der ökologischen Bedingungen für das Nachwachsen des Holzbestands. Es diente als wegweisendes Modell für spätere Überlegungen im Kontext der Nachhaltigkeit.34

Im Laufe des 18., 19. und 20. Jahrhunderts verbreitete sich dieses Gedankengut innerhalb der Forstwirtschaft über den Globus und wurde auch in andere Bereiche adaptiert.35 Grundlegende Ähnlichkeiten finden sich in der Naturwissenschaft, Religion oder auch den Gei