Nicht die Auswirkungen der Revolutionsjahre von 1848 und (Sachsen) 1849, nämlich Wegfall der Zensur, Freigabe der Konzessionen, Zusammenbruch der belletristisch ausgerichteten Zeitungen und Zeitschriften, um die für die Publizistik wichtigsten zu nennen, bringen die einschneidendsten Veränderungen im Musikzeitschriftenwesen des ganzen Jahrhunderts, sondern das Jahr 1843, als der Leipziger Buchhändler Bartholf Senff (1815 bis 1900) im Januar dieses historischen Jahres die erste Nummer seines neuen Musikjournals unter dem Titel „Signale für die musikalische Welt“ erscheinen (und Johann Jacob Weber am 1. Juli mit der Gründung der ‚Illustrirten Zeitung‘ nach ausländischem Vorbild die als sensationell empfundene deutsche Bildberichterstattung beginnen) lässt.
Bis dahin einte alle auf dem Markt befindlichen Organe dasselbe Merkmal, nämlich Unterrichtungsblätter für die musikgebildeten Schichten der sogenannten Ken- ner und Liebhaber zu sein. So typologisch unterschied- lich und, wie im nach und nach feindlichen Gegenein- ander von Gottfried Wilhelm Finks ‚Allgemeiner musika- lischer Zeitung‘ und Robert Schumanns ;Neuer Zeit- schrift für Musik‘ offensichtlich, die bis dahin gegründe- ten Musikzeitungen auch sein mochten – sie waren se- riös angedacht, musikwissenschaftlich sowohl histo- risch wie systematisch bemüht, und versuchten mit den philosophischen Gedanken ihrer Zeit Erkenntnisse zu vermitteln. Französische, italienische, lateinische und sogar griechische Zitate werden in der Regel nicht übersetzt. Die verantwortlichen Schriftleiter sprechen mit einer teils gebildeten, teils verschrobenen, teils aufgelockerten Sprache eine Bildungsschicht an, für die das Wissen um die klassische Literatur selbstverständlich ist. Dementsprechend sind die Auflagenzahlen nicht hoch.
Alle diese Blätter (die ‚Neue Zeitschrift für Musik‘ nach der Übernahme durch Franz Brendel ausgenommen) verlieren mit ihrer Gerichtetheit auf einen ausgesuchten Kreis die maßgebende Kundschaft von morgen aus dem Auge und glauben, durch eine Demokratisierung der öffentlichen Musikzustände den allgemeinen Bildungsstand heben und die Bevölkerung für die klassisch-romantische Musik öffnen zu können. Zu einem kleinen Teil gelingt das; die Mehrheit entscheidet sich anders. Oper und Konzert sind keine für in d