Er beobachtete sie nun schon eine ganze Zeit lang, während sie mit ihrer Freundin telefonierte. Sie hatte ihre Kopfhörer im Ohr und fuchtelte beim Reden mit den Händen. Henry kannte das. Jeder Satz wurde gestisch untermalt, sie ließ sich ganz auf ihr Gegenüber ein und „fühlte“ sozusagen das Gespräch. Egal ob am Telefon oder persönlich. Er bewunderte diese Eigenschaft an ihr sehr. So wie noch so vieles mehr. Und während er ihr versonnen und mit einem kleinen Lächeln dabei zusah, wie sie ihrer Freundin am anderen Ende der Leitung zu erklären versuchte, dass deren Freund ja wohl ein absoluter Versager sein musste dachte er daran, wie sie sich vor gut einem Jahr kennengelernt hatten. Er war mit seinem Geschäftspartner in einer edlen Bar in Frankfurt gesessen, sie feierten dort den gelungenen Abschluss eines großen Projektes. Sie hatten sich gerade die dritte Flasche Champagner bringen lassen als Kathleen die Bar betrat. Sie war in Begleitung drei junger Frauen, allesamt unumstritten optische Hingucker. Aber sie stach aus der Menge heraus, wie ein Eisvogel unter einer Schar Raben. Henry bemerkte nicht, dass ihm der Mund offenstand, seit sie zur Tür hereingekommen war. Ihr graziler Ganz betonte ihre schlanke Gestalt, ihre braunen langen Haare wippten bei jedem Schritt auf ihrem Rücken und ihre blaugrauen, leicht schrägstehenden Augen blickten wach, strahlend und interessiert durch die Menge. Als sie lachend ihren Kopf zurückwarf und ihren herrlichen Mund öffnete blitzten zwei Reihen glänzend weißer Zähne hervor. Das rote Kleid, das sie trug lag eng an ihrem verführerischen Körper und Henry nahm einen süßlichen, sehr aufreizenden Duft wahr, als die drei an der Bar an ihnen vorbeiliefen. Er zog diesen Geruch tief in seine Nase und schloss kurz die Augen. Dann sah er ihnen nach, bis sie in einer der Sitzgruppen Platz genommen hatten. Henry konnte seinen Blick kaum von dieser herrlichen Frau abwenden. Thomas, sein Geschäftspartner beobachtete ihn amüsiert.
„Geile Schnitten, was? Da würde ich auch nicht nein sagen. Welche von den Bräuten hat dich denn gerade so aus dem Konzept gebracht, mein Freund? Du siehst aus, als würdest du am liebsten eine von denen hier über den Tresen werfen und rannehmen wollen.“
Er lachte anzüglich. Henry verzog leicht angewidert das Gesicht. Thomas war schon immer vulgär und hatte einen eher unangenehmen Hang zu Anzüglichkeiten. Zudem wechselte er seine Partnerinnen wie andere ihre Unterwäsche. Selbst Henry wusste manchmal nicht, welche der vielen Frauen gerade „aktuell“ bei seinem Geschäftspartner war. Thomas war schnell gelangweilt, brauchte ständig Abwechslung im Bett und war daher auch fast schon zwangsläufig immer auf der J