1. Vorindustrielles Manchester
Ausschlaggebend für die Entstehung Manchesters im Zuge der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als erste Industriestadt der Welt war seine Rolle als Zentrum der Baumwollindustrie der Grafschaft Lancashire. Vor diesem Hintergrund gilt es zunächst, einen Blick auf die neuzeitliche Entwicklung der Textilindustrie sowohl in Lancashire als auch in Manchester selbst zu werfen, um die Voraussetzungen für die anschließende Geburt der Industriestadt Manchester besser zu verstehen. Der letzte Teil dieses Kapitels versucht im Anschluss, einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die Stadt selbst am Vorabend der industriellen Revolution wohl ausgesehen haben mag.
Die Entstehung der Textilindustrie in Lancashire
Topographisch durchkreuzt den östlichen Teil Lancashires vom Norden nach Süden eine Hügelkette, die eine natürliche Grenze zur benachbarten Grafschaft Yorkshire bildet: Die sogenannten „Pennines“. Es handelt sich hierbei um ein hochgelegenes Moorgebiet mit einem feuchten Klima, hohen Niederschlagsmengen und schnell fließenden Bächen hinunter bis ins Flachland. Landwirtschaftlich ist in dieser wilden und entlegenen Landschaft die Schafzucht weit verbreitet, so dass schon ab dem 13. Jahrhundert eine wachsende Zahl von Bauern als Nebentätigkeit Wollstoff webten, um ihr Einkommen zu ergänzen. So begann bereits 500 Jahre vor der industriellen Revolution die Geschichte der Textilindustrie Lancashires.
In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich der Südosten Lancashires zum Schwerpunkt der entstehenden Textilindustrie – zuerst Wolle und ab Mitte des 16. Jahrhunderts auch Leinen. Die Region besaß einige natürliche Vorteile, die die Textil-verarbeitung begünstigten: Neben der Versorgung mit Rohstoffen für die Wollverarbeitung aus den nahegelegenen Pennines boten die zahlreichen von den Hügeln schnell herabströmenden Bäche eine natürliche Quelle zur Erzeugung von Wasserkraft. So entstanden viele Textilverarbeitungszentren wie Oldham, Rochdale und Bol-ton nördlich und östlich von Manchester am Fuß der Hügel dort, wo das Wasser herunterfließt. Hinzu kamen breite Flüsse wie die Ribble und die Mersey, die die Region mit dem Meer verbanden und somit als wichtige Handelswege dienten. Was die
Die Pennines zwischen Manchester und Sheffield
Bedeutung von Wasserkraft anbelangt, soll darauf hingewiesen werden, dass nach seiner Verarbeitung Wollstoff anschließend appretiert (veredelt) werden musste: Hierfür entstanden schon ganz früh wasserbetriebene Walkmühlen.
Zu einer bedeutenden Industrie hatte sich bis Mitte des 16. Jahrhunderts das Lein-engewerbe in der Region in und um Manchester entwickelt. Aufgrund hoher Abgaben für Importe vom europäischen Festland blühte die Industrie im späten 17. Jahrhundert; gleichzeitig wuchs die Nachfrage aufgrund des Bedarfs des Barchentgewerbes und Manchester diente als Haupthandelsplatz. Es wird davon ausgegangen, dass Bar-chent (eine Mischung aus Leinen und Baumwolle) ab Anfang des 17. Jahrhunderts in Lancashire verarbeitet wurde, mit den Hauptproduktionsstandorten neben Manchester in den umliegenden Städten Bolton, Blackburn und Oldham. Der Lein wurde aus Irland, Schottland und Russland importiert und die Baumwolle aus dem östlichen Mittelmeerraum. Entstanden ist ein grobes und billiges Tuch. Ebenfalls im 17. Jahrhundert ist in Manchester und den umliegenden Städten das Seidengewerbe entstanden, das sich allerdings anschließend schwerpunktmäßig weiter südlich in der Grafschaft Cheshire entwickelte.
Die Anfänge der Baumwollindustrie Lancashires, die später die Verarbeitung aller vorgenannten Textilien in der Region in den Schatten stellen sollte, gehen auf