: Andreas Wagner
: Tannbacher Totentanz Der erste Fall von Hauptkommissar Korbinian Gschwendtner und Polizeiobermeisterin Jette Hansen
: Books on Demand
: 9783695794348
: Ein Fall für Gschwendtner und Hansen
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 350
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hauptkommissar Korbinian Korbi Gschwendtner (45) ist eine imposante Erscheinung: 1,95 Meter groß, attraktiv und fanatischer Hüter seines Dienstwagens, eines BMW X5 mit Sonderausstattung, den er mehr liebt als manche Menschen und penibel sauber hält. Er wurde von München in seine Heimat Tannbach-Öd strafversetzt. Das spart Miete, denn Korbi wohnt noch immer bequem im Hotel Mama auf dem prächtigen, bestens gepflegten Gschwendtner-Hof. Während seine Mutter Maria (75) ihn als beste Köchin des Landkreises verwöhnt, liegt ihm sein Vater Georg (77) ständig in den Ohren, wann er endlich sein Polizei-Hobby aufgibt und den Hof übernimmt. In diese familiäre Idylle platzt die Realität in Form von Polizeiobermeisterin Jette Hansen (29). Die kühle, strukturierte Ermittlerin wurde von Rügen nach Niederbayern versetzt und muss nun mit dem eigenwilligen Kommissar zusammenarbeiten und darf nur in den heiligen Dienstwagen steigen, wenn ihre Schuhe sauber sind. Ihr erster Fall hat es in sich: Der verhasste Großbauer Holz-Hias liegt tot unter der Gamskogel-Wand. Was wie ein Alkoholunfall aussieht, entpuppt sich als Mord. Zwischen den Ermittlungen muss Korbi nicht nur einen Mörder finden, sondern auch Jette vor den Verkupplungsversuchen seiner Mutter und den bäuerlichen Bekehrungsversuchen seines Vaters retten.

Andreas Wagner ist ein Kind des Bayerischen Waldes. Er kennt die nebligen Täler Niederbayerns ebenso gut wie die sturen, aber herzlichen Charaktere, die dort leben. Seine Liebe zur Heimat und sein feines Gespür für die unfreiwillige Komik des Alltags fließen direkt in seine Kriminalromane ein. Wenn er nicht gerade an neuen Fällen für seinen eigenwilligen Kommissar Korbinian Gschwendtner tüftelt, findet man Andreas Wagner meistens auf Wanderungen abseits der Touristenpfade, immer auf der Suche nach dem nächsten perfekten Tatort. Tannbacher Totentanz ist der Auftakt zu seiner neuen Niederbayern-Krimi-Reihe.

Kapitel 1


Ort: Gschwendtner-Hof, Tannbach-Öd

Zeit: Dienstag, 11. November, 07:30 Uhr

Der Nebel hing wie nasse, graue Watte im Tal von Tannbach-Öd, schwer und unbeweglich, als hätte jemand die Zeit angehalten und vergessen, sie wieder zu starten. Er kroch die Hänge hinauf, umschlang die knorrigen, aber akkurat geschnittenen Apfelbäume auf den Streuobstwiesen wie kalte Finger und verschluckte die dunklen Wipfel der Tannen, die wie stumme Wächter den Talkessel säumten. Es herrschte eine Stille, die so tief und allumfassend war, dass man das eigene Blut in den Ohren rauschen hören konnte – oder das sanfte, rhythmische Swish-Swish eines sündhaft teuren Mikrofasertuches auf frisch poliertem Lack.

Hauptkommissar Korbinian „Korbi“ Gschwendtner stand unter dem ausladenden Vordach der Scheune, deren Gebälk so massiv und gut erhalten war, dass es vermutlich noch drei Generationen überdauern würde. Korbi war fünfundvierzig Jahre alt, ein Meter fünfundneunzig groß und eine Erscheinung, nach der sich in München auf der Leopoldstraße die Frauen umgedreht hatten – und es wohl immer noch tun würden, wenn er sich dort blicken ließe. Er trug keine Gummistiefel, wie es hier oben üblich war, sondern halbhohe, rahmengenähte Lederboots, die keinen Fleck aufwiesen. Dazu eine perfekt sitzende dunkle Jeans und einen grauen Wollpullover mit V-Ausschnitt, der den kräftigen Hals betonte. Sein dunkelblondes Haar war akkurat kurz geschnitten, die Schläfen frisch rasiert – Korbi legte Wert auf Äußerlichkeiten, vielleicht als unbewusster Protest gegen die ländliche Hemdsärmeligkeit, die ihn umgab.

Er trat zwei Schritte zurück, neigte den Kopf leicht zur Seite und betrachtete sein Werk mit der kritischen Miene eines Kunstexperten im Louvre: Ein BMW X5, schwarz wie die Nacht, sauberer als ein Operationssaal in einer Privatklinik.

Es war nicht irgendein Auto. Es war sein Dienstwagen. Ein „Sonderleasing für den alpinen Bereich mit erhöhter Geländegängigkeit“, das Korbi mit einer bürokratischen Hartnäckigkeit und seitenlangen Begründungen über „unzumutbare Zufahrtswe