Dunkelheit und allerlei fremdartige Geräusche umgeben ihn. Er horcht immer noch nach den schnellen Füßen des Kindes – obwohl es eine kleine Ewigkeit her sein muss, seitdem er es getroffen hatte.
Zunächst ist er wie ein Wahnsinniger der Richtung des kleinen Unbekannten gefolgt und wäre beinahe mit einem Baum zusammengestoßen. Der Klang der Kinderschritte verlor sich im Dickicht des Waldes und mit ihm seine Zuversicht. All seine Hoffnungen hat er auf das Kind projiziert, das ihm möglicherweise sagen kann, wo er ist und was er eigentlich hier macht.
Nun ist er allein.
Eine Situation, die ihm durchaus nicht ungewohnt ist. Und dennoch stimmt es nicht ganz. Wirklich allein ist er nicht. Aus jeder Ecke zirpt, summt, raschelt, piepst oder tönt es in einer Sprache, die er nicht versteht. Ein wildes Naturorchester der besonderen Art, allein für ihn zusammengestellt. Zu gerne würde er nun an einem Lagerfeuer sitzen, daneben ein schutzbietendes Zelt und mit einem guten Whiskey in der Hand. Er liebt zuweilen die Einsamkeit und weiß, sich dorthin zurückzuziehen, wenn ihm die Frauen in seinem Leben zu sehr auf die Nerven gehen. Er denkt an seine Mutter Dorothea. Eine kleine runde Person. Doch täuschen ihre geringe Größe und ihre weichen Rundungen über ihr wahres Naturell hinweg. In ihr brodelt ein Vulkan und sie hat zu allem eine Meinung. Meist ist diese entgegen der ihres Sohnes. Niemals kann er es ihr recht machen.
Und dann gibt es noch Melandra, seine Ehefrau. Er seufzt bei dem Gedanken an sie. Außer dem Ehebett teilen sie kaum etwas miteinander. Melandra liebt den Luxus und das Geld, was er ihr durchaus bieten kann. Jedoch hat er sich schon lange von der Vorstellung verabschiedet, die Liebe zwischen ihnen zu suchen. Es stört ihn nicht einmal groß, dass seine Ehe zu einer reinen Zweckgemeinschaft verkommen ist. Sie ist die strahlende Ehefrau, ein Zwilling von Heidi Klum, um die ihn jeder Mann beneidet und zugleich hat er seine Ruhe vor den ständigen Nörgeleien seiner Mutter, die ihren Sohn in perfekter Ehe und Job wissen will. Er schüttelt den Kopf, als könne es helfen, Ehefrau und Mutter aus seiner Gedankenwelt zu verbannen.
Es will ihm sogar gelingen, denn sein Geist schweift zu etwas weitaus Verlockenderem ab. Zu Maja. Ein Name wie goldener Honig, der süß auf der Zunge zergeht. Ganz zu schweigen von Majas kurzen Röcken und den schwindelerregenden langen Beinen, die darunter zum Vorschein kommen und gar kein Ende nehmen wollen. Zuweilen bildet er sich ein, sie zu lieben. Zumindest tut er das gelegentlich auf seinem Bürotisch.
Zu gern wäre er jetzt dort. Nicht um zu arbeiten, sondern um Majas lange Beine zu spüren, die sich um seinen Körper schlingen. Mit der täglichen Arbeit ist es ähnlich wie mit seiner Ehe. Es muss erledigt werden und zwar auf höchstem Niveau. Sehr akribisch in seinem Handeln scheut er keine Überstunden, scheffelt eine Menge Geld und lässt sich an den Wochenenden auf exklusiven Dinnerpartys als liebevoller Ehemann von seiner Gat