: Edward von Schlesinger
: Drei Jahre des dreitägigen Spezialeinsatzes mit Zukunftsperspektive Perspektive des Konfliktes auf dem Weg zum dritten Weltkrieg oder zur Entspannung und Halbierung der atomaren Bedrohung
: Books on Demand
: 9783695137800
: StudIaS Sonderausgaben
: 1
: CHF 18.60
:
: Vergleichende und internationale Politikwissenschaft
: German
: 212
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Derzeitige Situation in der Ukraine zeichnet sich durch allseitige Fehleinschätzung. Beginnend mit einer ganz einfach dilettantischen Angriffsplanung gefolgt von fehlerhafter Einschätzung der Gegenseite bis zur Vereinnahmung eines ganzen Volkes für einseitige Interessen. Die ganze Beschimpfung von Vladimir Putin bringt nicht nichts, da es gänzlich Putins Position verkennt. Putins Linie zeichnet sich durch viele Analogien zu dem Verhalten der Sowjetunion. Als wichtigstes ist anzusehen, dass Putin, zwar durch seine Spracheigenart verklärt, jedoch Klartext redet. Beginnend mit seinen Reden vor der Münchener Sicherheitskonferenz und dem Bundestag vor Jahrzehnten. Man hörte zwar aufmerksam zu, aber man hat nichts verstanden oder wollte nicht verstehen. Besonders in Deutschland wird Trump nicht verstanden und gar belächelt. Genauso wie bei Trumps Ausfall beim Zelenski´s Besuch im Weißen Haus und seinem berechtigten Vorwurf, dass Zelenski den Dritten Weltkrieg heraufbeschwören will. Wenn man bedenkt, dass in einem knappen Halbjahr der letzte Rüstungsbeschänkungsvertrag auslaufen und wir vor einem erneuten Rüstungswettlauf und Kalten Krieg stehen, sieht man, dass es 5 vor 12 ist, Nägel mit Köpfen zu machen und sich ernsthaften Verhandlungen zur Rüstungsbegrenzung zuzuwenden. Und da im Fall des Falles Deutschland Battlefield sein wird, muss es Deutschlands Staatsräson sein, in dieser Richtung zu arbeiten.

Über den Autor: Dr. Edward von Schlesinger ist seit mehr als 40. Jahren als aktiver Forscher auf dem Gebiet der Angewandten Sozialgeschichte tätig. Er legt dabei seinen Forschungsschwerpunkt auf die Analyse von Bevölkerungswanderungen und deren Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Interessensphären im zivilen und militärischen Kontext und setzt hierbei als Arbeitsmethode vor allem auf die Anwendung der historischen Grundwissenshaften. Als ausgebildeter Historiker und Politologe mit der Spezialisierung auf Konversion der Systeme liegt sein Hauptaugenmerk auf den Entwicklungen in Osteuropa. Durch seine vielfältigen Sprachkenntnisse in dieser Region besitzt er den unvergleichlichen Vorteil, direkt mit originalen Quellen arbeiten zu können, ohne auf fremde Übersetzungen angewiesen zu sein. In den letzten Jahrzehnten publiziert er im Rahmen der StudIaS-Schriftenreihe der R. v. S. Stiftung, die sich seit 1978 der Völkerverständigung in Ländern Osteuropas widmet. Hierzu bestanden Sektionen der Stiftung auch in der Ukraine und in Weißrussland, die jedoch im Herbst 2021 in Erwartung des Kriegsausbruchs aufgelöst worden sind. Der erklärte Leitsatz der Stiftung frei von staatlichen Einflüssen zu arbeiten, ermöglicht es Schlesinger eine von Interessenseinflüssen neutrale Position bei seinen Analysen einzunehmen.

Die Aggression gegen die Ukraine hat die russische Armee bis zur Unkenntlichkeit verändert

Nach drei Jahren des Kampfes verlässt sich die russische Armee auf Taktiken und Waffen, die sie zu Beginn nicht einsetzte. Der Krieg in der Ukraine begann mit einem riesigen Stau, bei dem ein Großteil der damals funktionierenden Ausrüstung der russischen Armee liegen blieb.

Nach drei Jahren Kampf sieht das Schlachtfeld in vielerlei Hinsicht ganz anders aus: viel leerer, berechenbarer und übersichtlicher. Wie sehen die Kämpfe heute tatsächlich aus? Welche Waffen setzen beide Seiten ein und wie?

Russische Armee – sobald sie sich den ukrainischen Schützengräben nähert, geht sie zum direkten Angriff über, Foto: Shutterstock.com

Stellen wir uns zunächst die Taktik und die Ausrüstung der Seite vor, die den Krieg führt, d. h. die Russische Föderation. Bis zum letzten Herbst haben die russischen Streitkräfte eine langsame und praktisch konstante Offensive auf ausgewählten Abschnitten der Front durchgeführt. Sie zielt offensichtlich darauf ab, sowohl Gebiete zu erobern, die Moskau an sich reißen will, als auch die ukrainischen Verteidigungskräfte durch ständige Kämpfe zu erschöpfen.

Die Angriffe beginnen subtil und orientieren sich an den von Wagners Söldnergruppe entwickelten Taktiken. Das russische Kommando schickt kleine Gruppen von Infanteristen - in der Regel acht bis zehn Soldaten - zum Auskundschaften in Richtung der ukrainischen Linien. Diese Einheiten sollen herausfinden, wo genau sich die ukrainischen Stellungen befinden.

Sie bewegen sich oft entlang der Grenze zwischen den ukrainischen Einheiten, um Schwachstellen aufzuspüren, z. B. schlecht bewachte Abschnitte oder Bereiche, in denen die Koordination zwischen den Verteidigern schlecht ist. Um feindliche Stellungen ausfindig zu machen, provozieren sie manchmal absichtlich Feuer - wenn die Ukrainer darauf reagieren, verraten sie ihren Standort.

Dieser Prozess ist langsam und methodisch. Es kann mehrere Tage, in manchen Fällen sogar Wochen dauern, in denen die russischen Streitkräfte kleine Einsätze wiederholen und Informationen sammeln. In der Zwischenzeit analysieren die Kommandeure das Gelände, kartieren die Linien und suchen nach idealen Punkten für den nächsten Angriff. Die Infanterie riskiert in dieser Phase keine größeren Gefechte, sondern testet vielmehr die Widerstandsfähigkeit und die Reaktionen des Gegners, so dass Russland die Voraussetzungen für die entscheidende Phase der Operation schaffen kann.

Sobald die ukrainischen Stellungen kartiert und Schwachstellen aufgedeckt sind, gehen die Russen zu intensivem Druck über. Drohnen kommen ins Spiel und übernehmen mehrere Aufgaben: Sie verfolgen die Bewegungen des Gegners, lenken das Feuer präzise und greifen wichtige Ziele wie Gefechtsstände, Munitionsdepots oder schwere Ausrüstung direkt an.

Ukrainisches Militär bei einer Winterübung, Foto: Generalstab der Ukrainischen Armee (Facebook)

Gleichzeitig kommen die sogenannten Gleitbomben zum Einsatz - Waffen, die in der russischen Taktik eine Schlüsselrolle spielen. Die unabhängige ukrainische Analystengruppe Deep State bezeichnete sie vor einiger Zeit als „Wunderwaffe“, die den Invasionstruppen hilft, selbst zuvor unlösbare Situationen zu bewältigen.

In der Anfangsphase des Konflikts spielte die russische Luftwaffe aufgrund der starken ukrainischen Luftabwehr nur eine begrenzte Rolle. Die Gleitbomben ändert