Teil I – Die Entdeckung
Kapitel 1
Er hatte es sich nie so vorgestellt. Nicht den Durchbruch. Nicht den Moment danach. Und ganz sicher nicht sich selbst mittendrin. Prof. Dr. Niklas Lindner war 45, aber er wirkte älter. Nicht äußerlich, eher in der Art, wie er den Raum betrat, wie er in Gesprächen innehielt, als würde er vor jedem Satz ein inneres Gegenargument abwarten. Er war groß, fast hager, mit schmalen Schultern und einem Körper, dem jede Geste der Selbstverständlichkeit fehlte. Seine Bewegungen waren effizient, aber nie beiläufig. Das Gesicht schmal, die Wangen eingefallen, der Blick hell und manchmal leer zugleich – wie bei jemandem, der sich das Sehen abgewöhnt hatte, um besser zu denken. Er trug dunkle Kleidung, meist Hemden ohne Muster, Hosen ohne Aufschlag, Jacken ohne Aussage. Kein bewusster Stil, eher ein Verzicht auf jede Ablenkung. Wer ihn nicht kannte,