In den ersten Mai Tagen hatte die Sonne schon richtig Kraft. Die hellgelb-grüne Schicht des Frühlings lag schon auf allem, klebte an Fenstern, auf dem Gehweg und ärgerte die Niesenden. Die Tische ihres neuen Büros standen dicht beieinander, die Stühle waren ein bisschen durcheinander gewürfelt, Ria musste einen langen Gang entlang, dann zwei Mal links, ganz hinten im zweiten Stock, das war ihre neue Insel, ihr neuer Job, ein geordneter Alltag. Morgens musste man zeitig raus, Zähne putzen, was frisch Gewaschenes anziehen, an schüchternen Tagen, oder besonders wichtigen, brauchte es auch noch ein bisschen von der Maske aus Tusche und Duft, an mutigen Tagen reichten saubere Schuhe. Die rote Lampe an ihrem neuen Laptop blinkerte schon erwartungsvoll, sie posierte unbeholfen für ein Ausweisfoto, bekam die Zutrittskarte, wichtige Namen, die sie sich nicht merken konnte, Passwörter, einen Block, einen Kugelschreiber mit Logo und wiederholte am ersten Tag ständig: »Hallo ich bin Ria - die Neue.«
Das Verlagsgebäude war riesig. Eine Institution, die so aus der Zeit gefallen schien und doch immer noch so viel Raum einnahm. Maja hatte sie am ersten Tag bis vor den Eingang begleitet, ihr wie eine stolze Mutter noch schnell eine Banane in die Hand gedrückt – für den nervösen Hunger zwischendurch – und sie dann in die große Welt entlassen. Die Welt, die einen irgendwann einfach ausspuckte, unvorbereitet und