: Marie-L. Lautenschläger
: beziehungsweise.
: Books on Demand
: 9783695138463
: 1
: CHF 8.80
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: German
: 306
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
beziehungsweise. ist ein leiser Roman über das, was bleibt - und das, was sich nicht halten lässt. Zwischen Obstbäumen, Wein auf Küchentischen und durchgetanzten Nächten begleitet der Roman Ria durch sechs Jahre ihres Erwachsenwerdens. Im Zentrum steht ihre Verbindung zu Maja: eine Liebe die größer ist als Worte. Als Ria sich in Nick verliebt, beginnt ein inneres Ringen: um Nähe, um Grenzen, um das, was Freundschaft aushält - und was Liebe nicht verzeiht. In Momentaufnahmen und leisen Dialogen erzählt der Roman von Veränderung und Erinnerung, Nähe und Rückzug, Großer Liebe und Schweigen - und von der Suche nach sich selbst.

Marie schreibt, wenn Reden zu viel wäre. Sie ist waschechte Wahlhamburgerin, liebt Kaffee, ihre Freunde und Geschichten, die zwischen den Zeilen passieren. beziehungsweise. ist ihr neuer Roman.

Mai 2016, Hannover


In den ersten Mai Tagen hatte die Sonne schon richtig Kraft. Die hellgelb-grüne Schicht des Frühlings lag schon auf allem, klebte an Fenstern, auf dem Gehweg und ärgerte die Niesenden. Die Tische ihres neuen Büros standen dicht beieinander, die Stühle waren ein bisschen durcheinander gewürfelt, Ria musste einen langen Gang entlang, dann zwei Mal links, ganz hinten im zweiten Stock, das war ihre neue Insel, ihr neuer Job, ein geordneter Alltag. Morgens musste man zeitig raus, Zähne putzen, was frisch Gewaschenes anziehen, an schüchternen Tagen, oder besonders wichtigen, brauchte es auch noch ein bisschen von der Maske aus Tusche und Duft, an mutigen Tagen reichten saubere Schuhe. Die rote Lampe an ihrem neuen Laptop blinkerte schon erwartungsvoll, sie posierte unbeholfen für ein Ausweisfoto, bekam die Zutrittskarte, wichtige Namen, die sie sich nicht merken konnte, Passwörter, einen Block, einen Kugelschreiber mit Logo und wiederholte am ersten Tag ständig: »Hallo ich bin Ria - die Neue.«

Das Verlagsgebäude war riesig. Eine Institution, die so aus der Zeit gefallen schien und doch immer noch so viel Raum einnahm. Maja hatte sie am ersten Tag bis vor den Eingang begleitet, ihr wie eine stolze Mutter noch schnell eine Banane in die Hand gedrückt – für den nervösen Hunger zwischendurch – und sie dann in die große Welt entlassen. Die Welt, die einen irgendwann einfach ausspuckte, unvorbereitet und