Der Morgen tat, was Morgen tun: Er tat so, als wüsste er nichts. Die Glocke von Sankt Nikolai fuhr ihre Schläge durch die Gassen, die Krähen saßen wie immer auf den Balkenköpfen, und über dem Hafen brannte das dünne Blau, das ein klarer Tag sich leistet, wenn der Wind nach Osten steht. Die Stadt nahm ihre Ordnungen auf, als hätte niemand vom Wasser her mit erhobenen Augen gestanden: Fässer wurden gerollt, Luken verschraubt, Türen aufgestoßen, Besen ins Pflaster gerieben, bis der Staub kurz dunkler wurde.
Der schwedische Posten vor dem Tor wechselte die Männer, die Stiefel polterten in derselben Strenge wie gestern. Weit hinten klirrte ein Harnisch, mehr Metall als Mann, und in den Höfen redeten Frauen mit den Eimern in der Hand die erreichten Preise herbei, die der Markt noch nicht beschlossen hatte. Man sah die Dinge, die man immer sah: die Tücher, die über Seile geworfen wurden, um Salz und Schweiß aus der Nacht zu ziehen; die Pferde, die ihre Köpfe schüttelten, als wollten sie die Fliegen davon überzeugen, die Fliegen zu lassen; den Bäckerjungen, der schon beim dritten Korb aus dem Gleichgewicht kam.
Und doch lag in dieser Geschäftigkeit ein anderes Gewicht. Man sprach leiser, und wenn man lachte, brach das Lachen zu früh ab. Die Männer, die hinter den Tresen der Brauhäuser standen, polierten Krüge, als könnte man in blankem Zinn erkennen, was einem entgangen ist. Die Händler, die mit Tüchern handelten, ließen die Finger etwas länger als nötig über die Stoffe hinken, als prüften sie nicht nur die Ware, sondern die Welt. Als die ersten Wagen aus dem Umland auf den Markt rollten, traten Köpfe in den Toren nach, um zu sehen, ob von dort dieselben Gesichter kämen wie immer, oder ob die Nacht andere geschickt hätte.
In einer Werkstatt am Wasser stand ein junger Mann, den die Stadt nur im Vorübergehen kannte, so wie sie al