: Teresa von Avila
: Conrad Eibisch
: Das Buch des Lebens Das Leben der heiligen Teresa von Avila von ihr selbst beschrieben
: Books on Demand
: 9783695180752
: Schätze der christlichen Literatur
: 1
: CHF 8.80
:
: Spiritualität
: German
: 364
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Aufgefordert von ihren Oberen verfaßte die heilige Teresa von Avila zwischen 1562 und 1565 eine Beschreibung ihres Lebens. Sie schildert darin ausführlich ihren Werdegang von frühester Kindheit an, ihre Bekehrung, den Eintritt ins Kloster und schließlich der Spendung göttlicher Gnadengaben, derer sie sich zeitlebens für unwert hielt. Ein weiterer Teil ihres Buches ist der Kontemplation gewidmet und dem Bericht über die Gründung des Klosters St. Joseph zu Avila. Dieses Werk der großen Heiligen wurde von vielen Gelehrten den berühmten"Bekenntnissen& uot; des heiligen Augustinus gleichgesetzt und ist von seinem spirituellen Wert ein unübertroffenes Zeugnis christlicher Mystik."Man hat mir befohlen, die Gebetsweise und die Gnaden, die mir der Herr verliehen, zu beschreiben, und es wurde mir dazu eine große Freiheit eingeräumt. (...) Er, der so lange meiner geharrt, sei in Ewigkeit gepriesen! Es ist, wie ich weiß, schon seit langer Zeit sein Wille, daß ich mein Leben beschreibe, doch habe ich bisher nicht den Mut dazu gehabt. Jetzt aber, nachdem mir auch meine Beichtväter den Auftrag dazu gegeben, bitte ich von ganzem Herzen den Herrn, er wolle mir die Gnade verleihen, diesen Bericht mit aller Klarheit und Wahrheit zu verfassen. Möge er zu seinem Ruhme und Lobe gereichen und dazu dienen, daß meine Beichtväter, die mich daraus besser kennenlernen, fortan meiner Schwachheit aufhelfen, damit ich so dem Herrn durch Eifer in seinem Dienste wenigstens etwas von dem abtragen kann, was ich ihm schulde! Ihn sollen alle Geschöpfe preisen in Ewigkeit! Amen." Teresa von Avila - Aus dem Vorwort zum"Leben".

2. Hauptstück.

Wie sie die erwähnten Tugenden allmählich wieder verlor und
wieviel daran gelegen ist, daß man in der Jugend
nur mit tugendhaften Personen umgehe.

1. Folgendes scheint für mich der Anfang großen Schadens gewesen zu sein. Ich denke öfters darüber nach wie übel die Eltern handeln, wenn sie nicht dafür sorgen, daß ihre Kinder immer und überall nur Tugendbeispiele vor Augen haben. Meine Mutter war, wie gesagt, sehr tugendhaft, und doch habe ich, nachdem ich den Gebrauch der Vernunft erlangt, von dem Guten, das ich an ihr wahrgenommen, nicht sonderlich viel, ja fast gar nichts angenommen; das Fehlerhafteste aber, das sie an sich hatte, schadete mir sehr. Sie las nämlich gern Rittergeschichten, machte jedoch von diesem Zeitvertreib keinen so üblen Gebrauch wie ich, weil sie dadurch ihre Geschäfte nicht vernachlässigte. Wir Kinder aber trachteten nur mit unseren Arbeiten bald fertig zu werden, um auch in solchen Büchern zu lesen. Sie selbst tat dieses vielleicht nur deshalb, um ihre Gedanken von den schweren Leiden, die sie zu erdulden hatte, abzulenken; ihren Kindern aber mochte sie es darum gestattet haben, damit sie nicht auf andere Dinge verfielen, wodurch sie hätten zugrunde gehen können. Meinen Vater indes verdroß diese Beschäftigung sehr; deshalb mußten wir achthaben, daß er nichts davon wahrnahm. Ich ließ mir die Lesung dergleichen Bücher allmählich zur Gewohnheit werden; so war denn der geringe Fehler, den ich an meiner Mutter bemerkte, Ursache, daß ich in meinen guten Begierden zu erkalten und auch im übrigen nachlässig zu werden begann. Es schien mir nicht unrecht zu sein, ohne Wissen meines Vaters viele Stunden des Tages und der Nacht in dieser eitlen Beschäftigung zuzubringen; ja so sehr war ich in diese Neigung verstrickt, daß ich mich unzufrieden zeigte, wenn ich nicht immer wieder ein neues Buch hatte.

2. Nunmehr fing ich auch an, schön gekleidet zu erscheinen und durch ein wohlgepflegtes Äußere mich der Gefallsucht hinzugeben. Zu diesem Zwecke pflegte ich mit besonderer Sorgfalt Hände und Haupthaar und bediente mich wohlriechender sowie aller möglichen eitlen Dinge, die ich mir verschaffen konnte; diese waren nicht wenige, da ich sehr putzsüchtig war. Doch hatte ich keine böse Absicht dabei; denn ich hätte nie gewollt, daß irg