Die Reise zurück in die Welt der Menschen war merkwürdig still. Die Juwelen bewegten sich durch einen goldenen Lichtstrahl, der sie vom Olymp direkt nach Göttingen brachte. Der Strahl war kein bloßes Licht, sondern eine lebendige Passage, ein schwebender Korridor aus flüssiger Helligkeit, der pulsierte wie ein atmendes Herz. Goldene Partikel lösten sich aus seinen Wänden, tanzten lautlos um die Körper der Juwelen und hinterließen bei jeder Bewegung feine Spuren aus Wärme und Erinnerung. Es fühlte sich an, als würden Raum und Zeit selbst auseinandergezogen, als wäre jeder Schritt zugleich ein Abschied und ein Ankommen. Der Olymp verblasste hinter ihnen nicht abrupt, sondern löste sich Schicht für Schicht auf, Marmorsäulen zerfielen zu Lichtstaub, Götterstimmen wurden zu einem fernen Echo, bis nur noch Stille blieb.
Der Strahl zog sich wie ein endloser Sonnenaufgang, mal eng und drückend, mal weit und schwerelos, und mit jeder Sekunde veränderte sich die Luft. Der Duft von Ozon, Feuer und göttlichem Stein wich langsam dem Geruch von Regen, Erde und kaltem Asphalt. Bilder flackerten an den Rändern des Lichts auf, Fragmente vergangener Schlachten, flüchtige Visionen kommender Wege, Gesichter, die sie kannten, und solche, die sie noch nie gesehen hatten. Die Schwerkraft war ein ferner Gedanke, ihre Körper fühlten sich zugleich schwer und vollkommen frei an.
Je näher sie der Menschenwelt kamen, desto weicher wurde das Licht. Das Gold dunkelte ab, nahm wärmere, gedämpfte Töne an, als passe sie sich der Welt an, die es berühren sollte. Der Strahl begann zu flackern, nicht instabil, sondern behutsam, wie ein Wesen, das weiß, dass seine Aufgabe sich dem Ende neigt. Dann, fast unmerklich, öffnete sich der Korridor, und die Geräusche der Welt kehrten zurück: das entfernte Rauschen von Verkehr, ein Windstoß, das Knacken von Ästen. Mit einem letzten, sanften Aufleuchten entließ der Lichtstrahl die Juwelen, und Göttingen lag vor ihnen – unscheinbar, vertraut, verletzlich. Der Strahl zog sich zurück wie eine schließende Wunde im Himmel, und was blieb, war die Stille nach dem Übergang.
Als sie ankamen, wurde die Stadt von einem sanften Nebel bedeckt, der sich wie ein Schutzschild über die alten Straßen legte.
Ciaran blieb einen Moment stehen und atmete tief ein.
„Es hat sich nichts verändert.“, murmelte er, während er die vertrauten Gebäude betrachtete. „Und doch fühlt es sich völlig anders an.“
Irina, die neben ihm ging, schlang ihre Arme um sich selbst, als ob sie die Erinnerungen an diesen Ort spüren könnte.
„Es ist seltsam.“ sprach sie leise. „Ich habe das Gefühl, ich hätte diese Stadt seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Aber gleichzeitig… fühlt es sich an, als wäre ich nie fort gewesen.“
Die anderen Juwelen folgten ihnen in stillem Einvernehmen. Lilo war die Erste, die die Stille durchbrach.
„Also, was jetzt?“, fragte sie und zog ihren Mantel enger um sich. „Gehen wir direkt zu euren Eltern? Oder schauen wir uns erst um?“
Ciaran zögerte, doch dann nickte er entschlossen. „Wir gehen direkt zu ihnen. Es gibt keine Zeit zu verl