Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen.
— Thomas Mann
Der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee ist das erste, was Dr. Althaus an diesem Morgen wahrnimmt. Es ist ein vertrauter, fast tröstlicher Duft in der sonst so sterilen Umgebung der neurologischen Abteilung. Er folgt dem Aroma den langen, weißen Korridor entlang, vorbei an den Zimmern, in denen die Geschichten von verlorenen Erinnerungen und verwirrten Gedanken schlummern. Das Geräusch einer Kaffeemühle, ein rhythmisches, fast mechanisches Mahlen, führt ihn schließlich zur kleinen Gemeinschaftsküche am Ende des Ganges.
Dort steht er. Herr K., ein Mann in seinen späten Sechzigern, dessen Gedächtnis von den Narben eines schweren Schlaganfalls durchzogen ist. Er trägt einen blauen Bademantel über seinem gestreiften Pyjama, seine Füße stecken in abgetragenen Pantoffeln. Sein Blick ist leer, und doch bewegen sich seine Hände mit einer traumwandlerischen Sicherheit. Er öffnet den Schrank über der Spüle, greift nach der Packung mit den Kaffeebohnen, schüttet eine präzise Menge in die Mühle. Er weiß nicht, wie er hierhergekommen ist. Er weiß nicht, in welchem Stockwerk er wohnt. Er erkennt die Krankenschwester nicht, die ihm vor fünf Minuten noch seine Medikamente gegeben hat. Aber er weiß, wie man Kaffee kocht.
Dr. Althaus lehnt sich an den Türrahmen und beobachtet die Szene. Es ist ein Ritual, das er nun seit drei Wochen jeden Morgen mit einer Mischung aus Faszination und professioneller Neugier verfolgt. Herr K.s Hände, diese Werkzeuge eines Lebens, das sein Geist vergessen hat, führen ein Eigenleben. Sie spannen den Filter in die Maschine ein, füllen das Wasser in den Tank, drücken den Knopf. Jeder Handgriff sitzt. Es ist eine Choreografie, die in den tiefsten Schichte