: Frank Kralemann
: Zyklen des Begehrens
: Books on Demand
: 9783695796489
: 1
: CHF 12.00
:
: Lyrik
: German
: 506
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wo endet das Ich, wo beginnt das Du? Dieser Gedichtband ist eine Reise in die Grenzgebiete der menschlichen Erfahrung. Mit einer ebenso präzisen wie sinnlichen Sprache erkundet der Autor die Zyklen des Lebens, der Liebe und des Begehrens. Von der ersten, zögernden Berührung bis zur vollständigen Hingabe, vom leisen Erwachen bis zum lauten Untergang, diese Verse sind Zeugnisse einer unermüdlichen Suche nach dem, was uns im Innersten zusammenhält und zugleich entzweit. Die Gedichte bewegen sich in einem Spannungsfeld aus roher Körperlichkeit und philosophischer Reflexion. Sie erzählen von der Lust, die mehr ist als nur ein Akt, von der Herrschaft im Verlangen und der Freiheit im Loslassen. Es sind Zyklen der Haut, des Geistes und der Seele, die hier zu Wort kommen, mal als zartes Gebet, mal als unerbittlicher Befehl. Eine Sammlung für alle, die keine Angst vor dem Feuer haben und wissen, dass jede Asche von einer Flamme erzählt.

Frank Kralemann ist ein Autor mit vielen Facetten. Er schreibt, was ihn gerade beschäftigt. Gedichte, Kinderbücher oder Sach und Ratgeber. Er ist Vater und Großvater. Er wohnt in der Nähe des Teutoburger Waldes. Wenn er Zeit hat, läuft er durch die schöne Natur.

DAS PHILOSOPHISCHE


ERSTER GESANG: Musik

1. Stille

Bevor die Musik beginnt:

Stille.

Nicht die Abwesenheit von Klang.

Eine andere Stille.

Eine Stille, die wartet.

Eine Stille, die schwanger ist

mit allem, was kommt.

In dieser Stille

ist alles möglich.

In dieser Stille

gibt es noch keine Fehler,

keine falschen Noten,

keine Enttäuschung.

In dieser Stille

bin ich rein.

In dieser Stille

bin ich ganz.

Dann der erste Ton.

Und alles beginnt.

Und alles ist nicht mehr möglich.

Und alles ist nur noch,

was es ist.

2. Klang

Der Klang trifft mich,

bevor ich ihn höre.

Er trifft den Körper,

bevor er den Kopf trifft.

Ich weiß nicht, was er bedeutet.

Musik bedeutet nichts.

Musik ist.

Die Saite schwingt.

Die Luft schwingt.

Mein Körper schwingt.

Wir sind eins,

für einen Moment,

Saite und Luft und ich.

Das ist es, was Sprache nicht kann.

Sprache teilt.

Musik verbindet.

Sprache sagt: das ist das, und jenes ist jenes.

Musik sagt: alles ist eins.

Ich verstehe nichts.

Ich verstehe alles.

Das ist Musik.

3. Singe