Zeit der Entscheidungen Novo-Books neo - Band 1
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Reni Guldberg
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Zeit der Entscheidungen Novo-Books neo - Band 1
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Novo Books
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9783961274680
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Novo-Books neo
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1
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CHF 2.20
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Erzählende Literatur
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German
Nach dem Tod seiner Ehefrau lernt Daniel in einer Trauergruppe Julia kennen, die das gleiche Schicksal getroffen hat. Sie verlieben sich. Es beginnt eine schicksalhafte, labile Reise, bei der es zu tiefen Rissen kommt. Wird die Beziehung zerbrechen oder gelingt es dem Paar die Risse zu schließen? Ein ergreifender Schicksalsroman.
Daniel saß am Esszimmertisch. Gegenüber hing ein Kalender mit Fotos von Aquarienfischen an der Wand. Dieser Monat zeigte einen Black Molly mit gegabelten Schwanz. Diese Fische hatte Daniel selbst schon gehalten. Sie waren pflegeleicht und sahen vor einer Wand von grünen Wasserpflanzen einfach toll aus. Daniel spürte einen enormen Bewegungsdrang, war aber nicht in der Lage, sich zu erheben. Eine rauchen wäre jetzt nicht schlecht, dachte er. Nicht das erste Mal, dass ihm dieser Gedanke durch den Kopf schoss. Er strich sich durch seine dunkelblonden Haare, atmete tief ein und aus. Dann stand er mit einem Ruck auf und ging in Sofies Zimmer. Dort stand der Schreibtisch aus Kiefernholz. Er wusste, dass hinter der linken Tür des Schreibtisches eine Stange Zigaretten lag. Und in der Schreibtischschublade darüber diverse Plastikfeuerzeuge. Sofies Vorrat. Er öffnete die Schreibtischtür, nahm die Stange Zigaretten heraus, riss das Papier ab und nahm sich eine Packung Zigaretten. Den Aschenbecher holte er sich vom Fensterbrett aus der Küche. Wieder im Esszimmer am Tisch sitzend, zögerte er kurz, öffnete dann die Packung, nahm eine Zigarette heraus und zündete sie mit dem mitgebrachten Feuerzeug an. Er nahm einen tiefen Zug. Es schmeckte einfach abscheulich. Doch er rauchte weiter. Von den vorherigen Rückfällen seines Raucherdaseins wusste er, dass dieser scheußliche Geschmack spätestens nach der dritten gerauchten Zigarette wieder verschwunden war. Also rauchte er, gleich, nachdem er die erste Zigarette aufgeraucht hatte, gleich zwei weitere hinterher. Nun gut, zwei Jahre Nichtrauchen waren somit für den Mülleimer. Aber er konnte nicht anders. Die Alternative wäre das Trinken von Hochprozentigem gewesen. Und damit wären vierzehn Jahre abstinentes Leben vor die Hunde gegangen. Eine weitaus schlimmere Sache als wieder der Nikotinsucht zu verfallen. Mit dem Trinken von Alkohol hätte er sein weiteres Leben aufs Spiel gesetzt. Er zollte sich selbst Hochachtung dafür, dass er nicht zum Alkohol gegriffen hatte, denn sein jetziges Leben war ihm egal. Das war momentan so. Es gab ja, hoffte er, eine bessere Zukunft. Jedenfalls war das mit dem Rauchen in Ordnung für ihn. Er saß jetzt zwar weiterhin hier am Esszimmertisch und starrte diesen bescheuerten Aquarienkalender an, aber er fühlte sich mit der Zigarette in der Hand einfach besser. Gestern war Sofies Beerdigung gewesen. Susanne, ihre langjährige Freundin, die auch Trauzeugin bei Sofies und Daniels Hochzeit gewesen war, war vor zwei Stunden nach Hause in den Schwarzwald gefahren. Und er war ab da allein gewesen. Und nun war er allein in diesem Riesenhaus und wusste nicht, was er tun sollte. Die Trauer war so erdrückend, wie er es sich in seinen schlimmsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Er hatte die schlimme Situation immer noch vor Augen. Sofie stöhnte plötzlich laut, stürzte mit einem schweren Fall zu Boden und zuckte, als hätte sie einen epileptischen Anfall. Daniel beugte sich zu ihr hinunter und nahm sie an den Schultern. Das Zucken hörte schlagartig auf, doch Sofie war nicht bei Bewusstsein. Ihre Pyjamahose hatte sie eingenässt. Merkwürdigerweise für Daniel das Zeichen, dass die Sache ernst war. Gehängte nässten sich ein. Er versuchte sie aufzurichten. Da öffnete sie die Augen. »Oh Gott, ich habe schreckliche Kopfschmerzen, ... ich bin ja ganz nass.« »Komm, ich helfe dir ins Bett. Leg dich hin. Ich rufe einen Krankenwagen.« Sofie schaute ihn an. »Ja, aber zieh mir erst einen anderen Schlafanzug an.« Er stützte sie und führte sie aus dem Bad zu ihrem Bett. Sie legte sich hin und er rief die Notrufnummer an, die in der Küche auf dem Zettel stand, der an ein Brett geheftet war. Es meldete sich eine Frauenstimme. Natürlich auf Dänisch, denn sie waren in Dänemark im Urlaub. Da er kein Dänisch konnte, blieb nichts anderes, als auf Deutsch zu antworten, sein Englisch war zu schlecht und er hoffte, dass er verstanden wurde. Glücklicherweise verstand sein Gegenüber seine Muttersprache. Er schilderte die Sachlage und die Frauenstimme sagte, sie würde einen Krankenwagen schicken. Als er das Gespräch beendete, stand Susanne neben ihm. »Was ist los?« Susanne war Sofies Freundin. Sie war in diesem Jahr zusammen mit Sofie und Daniel in Urlaub gefahren. Daniel sagte ihr, was geschehen war und bat sie, an die Straße zu gehen, um den Krankenwagen in Empfang zu nehmen, damit dieser sicher den Weg zu ihnen finden würde. Sie befanden sich nämlich in einer etwas abgelegenen Feriensiedlung. Sicher war sicher. Das tat sie, sah aber vorher noch kurz nach Sofie. Daniel ging zu seiner Frau und half ihr in einen frischen Schlafanzug. Obwohl das Umziehen durch das Aufrichten ihr erhebliche Schmerzen bereitete, wollte sie das unbedingt. Kurz darauf kamen die Sanitäter des Rettungswagens, untersuchten Sofie kurz, hoben sie auf die Trage und trugen sie zum Wagen. Daniel fuhr im Wagen mit, Susanne kam mit dem Pkw hinterher. Der Rettungswagen fuhr nach Rudköping, der größten Stadt der Insel Langeland, auf der sie ihren Urlaub verbrachten. Die Klinik, die sie betraten, war klein, war eher was für eine Notfallversorgung. Der Arzt, der mit ihnen sprach, war ein netter Mann. Er versuchte, sie so gut es ging, zu beruhigen. Er veranlasste die nötigen Untersuchungen und das Warten begann. Sofie und Daniel waren zum zigsten Mal zum Urlaub auf der dänischen Insel. Vor einigen Jahren waren sie mit Verwandten von Sophie das erste Mal dort gewesen, Landschaft und Leute hatten ihnen so gut gefallen, dass sie danach immer dorthin fuhren. Susanne war schon einmal mit gewesen und schloss sich diesmal wieder an. Sie waren jetzt erst den zweiten Tag auf der Insel und waren guter Dinge gewesen. Sie freuten sich sehr auf den lang ersehnten Urlaub und nun diese Nacht ... und dieser Schock. Das Ereignis kündigte sich durch nichts an. Als sie abends zu Bett gingen, war alles noch in Ordnung. Nachts weckte Sofie Daniel und sagte, dass sie wahnsinnige Kopfschmerzen habe. Sie waren in die Küche der Ferienwohnung gegangen. Sie setzten sich an den Küchentisch, Daniel brachte seiner Frau ein Glas Wasser und fragte, ob sie eine Schmerztablette haben wolle. »Das bringt nichts. Die Schmerzen sind so schlimm, Tabletten werden da nicht helfen. Ich glaube, ich sterbe.« »So schnell stirbt man nicht«, antwortete Daniel, obwohl er merkte, wie ihm die Angst die Kehle zuschnüren wollte. »Hilf mir ins Bad«, hatte Sophie gesagt. »Ich muss zur Toilette«. Dort war sie zusammengebrochen. Als der Arzt auf sie zukam, sahen sie seinem Gesicht schon an, dass er keine guten Nachrichten brachte. War nach d