Da das Gesetz sich auf die Eigenschaften des Materials, womit das Kind sich beschäftigt, bezieht, so lernt es die Unterschiede oder Gegensätze derselben sehr bald kennen. Es nimmt z. B. sehr schnell wahr, was klein, was groß ist, was in der Form rund oder was eckig ist, was der Lage oder Richtung nach oben liegt und was unten usw., wenn man es nur darauf aufmerksam macht und ihm die Anleitung gibt, diese verschiedenen Unterschiede oder Gegensätze durch etwas, was dazwischen liegt zu verknüpfen, wie z. B. bei der Richtung oben und unten durch die Seitenrichtungen rechts und links. Desgleichen lernt es leicht, die ihm bezeichnete Mitte mit verschiedenen Punkten des Umfangs zu verbinden. Durch eine regelrechte Verknüpfung verschiedener Teile zu einem Ganzen gewinnt es dann stets regelmäßige oder sogenannte geometrische Figuren und lernt sehr bald durch die vielen sich ergebenden Kombinationen, Erfindungen zu machen, oder nach eigenem Gutdünken zu gestalten.
Auf diese Weise macht das Kind allerlei Erfahrungen hinsichtlich der stofflichen Dinge, die seine Geisteskräfte zugleich mit der Hand in Tätigkeit setzen.
Wodurch unterscheidet sich diese Art spielender Beschäftigung von der üblichen Art und Weise des kindlichen Spiels?
Sie unterscheidet sich dadurch, dass der kindliche Tätigkeitstrieb zu späterem bewussten Schaffen vorgebildet und darauf hingeführt wird. Gegenwärtig, wo in der Kindheit alles dem Zufall überlassen bleibt, kann solche planmäßige Entwicklung der kindlichen Kräfte nicht erreicht werden.
Womit soll nach Fröbel also die Menschenerziehung begonnen werden?
Mit Tun oder Taten, (schaffender Tätigkeit), wie dies der Anfang aller Menschenbildung und Kultur gewesen ist.
In welcher Weise beginnt die erste Erziehung gegenwärtig?
Hauptsächlich mit Worten in der Form von Geboten und Verboten, für welche das Kind zumeist noch kein Verständnis haben kann.
Welches ist nach Fröbel das höchste Ziel aller Menschenbildung?
Gotteinigung oder Religion für den Menschen „als Kind Gottes."
Ist das Kind schon in den ersten Lebensjahren und selbst schon im ersten Lebensjahre als Kind Gottes zu erziehen?
Das ist unbedingt nicht nur möglich, sondern ganz notwendig, um später zu wahrer Religiosität im christlichen Sinne erzogen werden zu können.
Wo sind die Anweisungen Fröbels in dieser Beziehung zu finden?
In seinem Mutterbuche: „Die Mutter- und Koselieder."
Wodurch will Fröbel das Kind zuerst auf Gott hinweisen?
Durch Eindrücke, wie sie allein in diesem Alter die kindliche Seelenentwicklung zu fördern vermögen, da das Kind Worte noch nicht verstehen kann.
In welcher Weise kann dies geschehen?
Wenn z. B. die Mutter ihre Andacht und ihr Gebet an der Wiege verrichtet, erhält das Kind den Eindruck, dass sie sich mit jemand der dem Kinde nicht wahrnehmbar ist, unterredet, wodurch die Voraussetzung allmählich in seine Vorstellung tritt, dass ein Wesen vorhanden ist, mit dem man verkehrt, ohne es zu sehen.
Ebenfalls durch die Gebärde der Andacht: das Falten der Hände des Kindes, dem das Nachsprechen der Gebetsworte späterhin folgt.
Die Erregung des Andachtsgefühls durch Musik, z. B. das Singen geistlicher Lieder durch die Mutter (Choral). Um die Andachtsgefühle, die dem Kinde eingeboren sind, zu wecken, dient ebenfalls alles, was die Sammlung der kindlichen Seele herbeiführt, das will sagen: seine Aufmerksamkeit auf einen Punkt lenkt. Denn ohne Sammlung ist keine Andacht