: Bertha von Marenholtz-Bülow
: Matthias Brodbeck
: Theoretisches und praktisches Handbuch der Fröbelschen Erziehungslehre
: Books on Demand
: 9783695787586
: Frühe Schriften zur Fröbelpädagogik
: 1
: CHF 35.50
:
: Kindergarten- und Vorschulpädagogik
: German
: 572
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das"Theoreti che und praktische Handbuch" der Fröbelschen Erziehungslehre gehört zu den späten Hauptwerken von Bertha von Marenholtz-Bülow. Es entstand in den 1880er Jahren und fasst ihre jahrzehntelange Beschäftigung mit der Fröbelschen Pädagogik zusammen. Das Werk verfolgt das Ziel, die Erziehungsidee Fröbels systematisch darzustellen, die Spielgaben und Beschäftigungen methodisch zu erläutern und eine klare Anleitung für die Ausbildung von Kindergärtnerinnen zu geben. Es verbindet theoretische Grundlagen mit praktischen Hinweisen und wurde in mehreren Ländern rezipiert. Das Handbuch prägte die Ausbildung von Kindergärtnerinnen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein und gilt als Schlüsseltext für das Verständnis der frühen Kindergartenbewegung. Die vorliegende Ausgabe wurde modern aufbereitet. Beide Bücher, der theoretische und der praktische Teil, wurden in einem Band zusammengeführt. Orthografie und Typografie wurden behutsam modernisiert, der originale Wortlaut jedoch vollständig beibehalten. Die bildlichen Darstellungen (Tafeln) wurden aufwendig, teilweise unter Zuhilfenahme digitaler Rekonstruktionsverfahren, grundlegend überarbeitet und koloriert. Anders als in der historischen Ausgabe befinden sich die Tafeln nicht mehr im Anhang, sondern sind nutzerfreundlich in die entsprechenden Textpassagen integriert.

Bertha Maria Freifrau von Marenholtz-Bülow (1810-1893) entstammte einer niedersächsischen Adelsfamilie und wuchs in einem bildungsnahen Umfeld auf, das ihr früh Zugang zu Literatur, Musik und den geistigen Strömungen ihrer Zeit eröffnete. 1831 heiratete sie den Reichsfreiherrn Wilhelm von Marenholtz; im selben Jahr wurde ein Sohn geboren, der mit 22 Jahren an Tuberkulose starb. 1847 verließ sie ihren Mann. Über Bettina von Arnim und Adolph Diesterweg kam sie in Kontakt mit Fragen der Volksbildung und lernte 1849 in Bad Liebenstein Friedrich Fröbel kennen. Diese Begegnung wurde zum Ausgangspunkt ihres lebenslangen Engagements für die Verbreitung und institutionelle Verankerung der Fröbelschen Pädagogik. Marenholtz-Bülow wurde zu einer der wichtigsten Vermittlerinnen der Fröbelschen Erziehungsidee im 19. Jahrhundert. Sie verstand es, Fröbels komplexe Gedanken allgemein verständlich darzustellen und damit einem breiten bürgerlichen Publikum zugänglich zu machen. Zugleich war sie maßgeblich an der internationalen Verbreitung des Kindergartens beteiligt und unterstützte Gründungen in mehreren europäischen Ländern. Ihre Schriften dienten in verschiedenen Staaten als Grundlage der Kindergärtnerinnenausbildung. Eine besondere Rolle spielte sie im Kontext des preußischen Kindergartenverbotes von 1851. Durch publizistische Arbeit, internationale Vernetzung und praktische Gegenbeispiele trug sie wesentlich dazu bei, dass das Verbot 1860 aufgehoben wurde. Ihre öffentliche Wahrnehmung blieb ambivalent: Anerkennung für ihre Energie und Vermittlungsleistung stand in Spannung zu Kritik an ihrer starken eigenen Interpretation von Fröbels Lehre.

Da das Gesetz sich auf die Eigenschaften des Materials, womit das Kind sich beschäftigt, bezieht, so lernt es die Unterschiede oder Gegensätze derselben sehr bald kennen. Es nimmt z. B. sehr schnell wahr, was klein, was groß ist, was in der Form rund oder was eckig ist, was der Lage oder Richtung nach oben liegt und was unten usw., wenn man es nur darauf aufmerksam macht und ihm die Anleitung gibt, diese verschiedenen Unterschiede oder Gegensätze durch etwas, was dazwischen liegt zu verknüpfen, wie z. B. bei der Richtung oben und unten durch die Seitenrichtungen rechts und links. Desgleichen lernt es leicht, die ihm bezeichnete Mitte mit verschiedenen Punkten des Umfangs zu verbinden. Durch eine regelrechte Verknüpfung verschiedener Teile zu einem Ganzen gewinnt es dann stets regelmäßige oder sogenannte geometrische Figuren und lernt sehr bald durch die vielen sich ergebenden Kombinationen, Erfindungen zu machen, oder nach eigenem Gutdünken zu gestalten.

Auf diese Weise macht das Kind allerlei Erfahrungen hinsichtlich der stofflichen Dinge, die seine Geisteskräfte zugleich mit der Hand in Tätigkeit setzen.

Wodurch unterscheidet sich diese Art spielender Beschäftigung von der üblichen Art und Weise des kindlichen Spiels?

Sie unterscheidet sich dadurch, dass der kindliche Tätigkeitstrieb zu späterem bewussten Schaffen vorgebildet und darauf hingeführt wird. Gegenwärtig, wo in der Kindheit alles dem Zufall überlassen bleibt, kann solche planmäßige Entwicklung der kindlichen Kräfte nicht erreicht werden.

Womit soll nach Fröbel also die Menschenerziehung begonnen werden?

Mit Tun oder Taten, (schaffender Tätigkeit), wie dies der Anfang aller Menschenbildung und Kultur gewesen ist.

In welcher Weise beginnt die erste Erziehung gegenwärtig?

Hauptsächlich mit Worten in der Form von Geboten und Verboten, für welche das Kind zumeist noch kein Verständnis haben kann.

Welches ist nach Fröbel das höchste Ziel aller Menschenbildung?

Gotteinigung oder Religion für den Menschen „als Kind Gottes."

Ist das Kind schon in den ersten Lebensjahren und selbst schon im ersten Lebensjahre als Kind Gottes zu erziehen?

Das ist unbedingt nicht nur möglich, sondern ganz notwendig, um später zu wahrer Religiosität im christlichen Sinne erzogen werden zu können.

Wo sind die Anweisungen Fröbels in dieser Beziehung zu finden?

In seinem Mutterbuche: „Die Mutter- und Koselieder."

Wodurch will Fröbel das Kind zuerst auf Gott hinweisen?

Durch Eindrücke, wie sie allein in diesem Alter die kindliche Seelenentwicklung zu fördern vermögen, da das Kind Worte noch nicht verstehen kann.

In welcher Weise kann dies geschehen?

Wenn z. B. die Mutter ihre Andacht und ihr Gebet an der Wiege verrichtet, erhält das Kind den Eindruck, dass sie sich mit jemand der dem Kinde nicht wahrnehmbar ist, unterredet, wodurch die Voraussetzung allmählich in seine Vorstellung tritt, dass ein Wesen vorhanden ist, mit dem man verkehrt, ohne es zu sehen.

Ebenfalls durch die Gebärde der Andacht: das Falten der Hände des Kindes, dem das Nachsprechen der Gebetsworte späterhin folgt.

Die Erregung des Andachtsgefühls durch Musik, z. B. das Singen geistlicher Lieder durch die Mutter (Choral). Um die Andachtsgefühle, die dem Kinde eingeboren sind, zu wecken, dient ebenfalls alles, was die Sammlung der kindlichen Seele herbeiführt, das will sagen: seine Aufmerksamkeit auf einen Punkt lenkt. Denn ohne Sammlung ist keine Andacht