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»Es ist geschehen, meine Damen und Herren! Die Läufer sind auf der Strecke! Wie nicht anders zu erwarten, schieben sich einige der weniger bekannten Kenianer an die Spitze und ermöglichen ihren favorisierten Landsleuten, sich vorerst im Windschatten zu schonen. Offensichtlich haben wir heute eine ganze Reihe von Hasen in der Spitzengruppe, die das Tempo für die kenianischen Favoriten Roger Koskai und Samuel Endraba machen sollen. Für die Zuschauer unter Ihnen, denen die Gepflogenheiten des Laufsports nicht geläufig sind, möchten wir, Justyna Hunter, und ich, Scott McNeal, Ihnen erklären, was Hasen sind und was ihre Aufgabe in diesem Rennen sein wird.«
Steve Jacobson wandte sich vom Fernseher zu seinen Kollegen im Büro um. Ursprünglich war dieses Zimmer ein Besprechungsraum. Die Tatsache, dass hier ein Fernseher und eine Kaffeemaschine standen und das Zimmer mit seiner Südwestlage und der breiten Fensterfront zu den hellsten des gesamten Gebäudes zählte, führte die Schritte des Teams wie von selbst immer wieder hierher. Ein Büro im eigentlichen Sinne wurde es aber erst, als ihr Jüngster, Mike Lynch, hier seinen Schreibtisch aufbauen musste. Der Platz in der Bostoner NSA-Außenstelle war – im Gegensatz zur Zentrale in Fort Meade – knapp bemessen. Ein Umstand, der von ihrem Vorgesetzten Bart Lucas immer als Vorteil dargestellt wurde. Wenn man beim morgendlichen Dienstantritt die meisten Kollegen beim Vor- und Nachnamen kennt, so seine Argumentation, dann gibt das gerade in ihrem Beruf eine sehr wichtige Form von Sicherheit. In einem Betonklotz mit mehreren Tausend Mitarbeitern hingegen ist die Sicherheit ein sehr relativer Begriff. Es kommt immer darauf an, den Überblick zu behalten! Mit diesem Leitsatz war Bart Lucas immer gut gefahren. Zumindest hier in Boston.
Steve, dem die Akne in jungen Jahren stark zugesetzt zu haben schien, schaute seinen älteren Kollegen über eine rahmenlose Brille fragend an. Die Fernbedienung hielt er dabei wie einen unverzichtbaren Gegenstand fest in der rechten Hand