: Heinrich Stüter
: Die rote Bank eine Familiensage von Krieg, Not und Wiederaufbau in Bochum
: Books on Demand
: 9783695771011
: 1
: CHF 6.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 204
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In den letzten Wochen des Krieges hatten britische- und amerikanische Bomber viele große Städte nahezu in Schutt und Asche gelegt. Auch Bochum - und Wohnhaus und Werkstatt des Schreinermeisters Hermann Sommer blieben davon nicht verschont. Obdachlosigkeit und Nahrungsmangel beherrschten das Leben. Und obwohl jedem, der noch über eine halbwegs bewohnbare Unterkunft verfügte, ausgebombte Personen oder Familien zugewiesen wurden, gab es noch so viele, die in Ruinen ihr Leben fristeten. Und dann kam der Hungerwinter 45/46. Ohne ausreichendes Heizmaterial starben viele, die schon durch Hunger geschwächt waren. Neben der Versorgung mit Nahrungsmitteln bekam nun die Beschaffung von Wohnraum Priorität. Nachdem er seine Werkstatt wieder notdürftig aufgebaut hatte, begann auch der Schreinermeister mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses. 6 kleine Wohnungen: Wohnküche, Schlafzimmer, Kinderzimmer und Bad - kein Luxus. Wichhtig war, dass die Menschen wieder ein Dach über dem Kopf bekamen. Doch die Zeiten ändern sich schnell - nicht nur bezüglich des Wohnungsbaus. Auch in der Familie des Schreinermeisters zeichnen sich schon bald bahnbrechende Veränderungen ab....

Die rote Bank


I: Feuer über Bochum


Wir schreiben den 4.November 1944.

Maria Sommer, die kleine, fast schon schmächtige Person, sitzt wartend in der Wohnküche ihres Hauses. Den Stuhl hat sie vom Tisch näher an den großen Küchenherd gerückt, in dem lustig Buchenscheite unter den Flammen knistern. Und obwohl die Dunkelheit längst angebrochen ist, dringt aus der Werkstatt immer noch das Kreischen der Kreissäge bis zu ihr herein und sie weiß, ihr Hermann ist noch bei der Arbeit.

Ja, Hermann ist ein fleißiger Mann, denkt sie. Ist es nun vierzehn Jahre her, oder war es bereits vor vierundzwanzig Jahren, als er sich selbständig machte?

So schnell vergeht die Zeit.

Damals trat er dem Bauverein „Akazienweg“ bei. Er war ja Schreiner, das hatte er auf der Zeche gelernt. Und als Schreiner gab es in einem Bauverein eine Menge zu tun. Eine ganze Siedlung wollten sie bauen. Für jedes Mitglied ein eigenes Häuschen, das war der Traum. Jeder, der nur halbwegs etwas dazu beitragen konnte war gerne gesehen. Architekten, Maurer Schlosser Dachdecker und Schreiner. So bauten sie auch ihm sein eigenes Haus. Von dem darüber hinaus verdienten Geld konnte er sich dann von der Zeche dieses Grundstück an der Stiepeler Straße kaufen, auf dem nun seine Werkstatt steht