Die rote Bank
I: Feuer über Bochum
Wir schreiben den 4.November 1944.
Maria Sommer, die kleine, fast schon schmächtige Person, sitzt wartend in der Wohnküche ihres Hauses. Den Stuhl hat sie vom Tisch näher an den großen Küchenherd gerückt, in dem lustig Buchenscheite unter den Flammen knistern. Und obwohl die Dunkelheit längst angebrochen ist, dringt aus der Werkstatt immer noch das Kreischen der Kreissäge bis zu ihr herein und sie weiß, ihr Hermann ist noch bei der Arbeit.
Ja, Hermann ist ein fleißiger Mann, denkt sie. Ist es nun vierzehn Jahre her, oder war es bereits vor vierundzwanzig Jahren, als er sich selbständig machte?
So schnell vergeht die Zeit.
Damals trat er dem Bauverein „Akazienweg“ bei. Er war ja Schreiner, das hatte er auf der Zeche gelernt. Und als Schreiner gab es in einem Bauverein eine Menge zu tun. Eine ganze Siedlung wollten sie bauen. Für jedes Mitglied ein eigenes Häuschen, das war der Traum. Jeder, der nur halbwegs etwas dazu beitragen konnte war gerne gesehen. Architekten, Maurer Schlosser Dachdecker und Schreiner. So bauten sie auch ihm sein eigenes Haus. Von dem darüber hinaus verdienten Geld konnte er sich dann von der Zeche dieses Grundstück an der Stiepeler Straße kaufen, auf dem nun seine Werkstatt steht