: Margarita Kousseva
: Ein Jahr Urlaub Tahiti
: Books on Demand
: 9783695702251
: Ein Jahr Urlaub
: 1
: CHF 7.00
:
: Australien, Neuseeland, Ozeanien
: German
: 256
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das ist mein zweites Reisebuch der Buchreihe, die über"ein Jahr Urlaub" erzählt. Ich möchte euch gern gedanklich auf die Inseln Französisch-Polynesiens mitnehmen, die ihr mit mir per Flugzeug, Auto, Fähre, Geländewagen, Kanu, Elektroroller, Gleitschirm oder zu Fuß entdeckt. Wir ziehen gemeinsam über Küstenstraßen, durch dichte Regenwälder und über Bergpfade, vorbei an Wasserfällen, Lagunen und blühenden Gärten, unter der gleißenden Sonne oder im tropischen Regen, bei Tageslicht oder unter den Sternen der südlichen Hemisphäre in der Nacht. Ihr spürt die warme, feuchte Brise auf der Haut, riecht den süßen Duft der Tiare-Blüten und der Mangobäume, fühlt den weichen Sand unter den Füßen und das sanfte Schwanken des Kanus auf der türkisfarbenen Lagune. Ihr haltet Ausschau nach bunten Vögeln und scheuen Geckos, werdet vom Sprung eines Pottwals überrascht, lauscht dem Blätter-Rascheln in den Baumkronen der Mapenkastanien - und seid fasziniert von der unberührten, wilden Schönheit der Inseln, die sich vor euch erstrecken. Auf den Straßen und in den Dörfern begegnet ihr den Menschen, deren Lächeln so warm ist wie die Sonne über den Inseln. Ihr seht Tänzerinnen und Tänzer, deren Körper im Rhythmus der Trommeln Geschichten von Göttern, Liebe und der Inselwelt erzählen. Ihr spürt den Respekt, den die Menschen vor der Natur und ihren Ahnen haben, seht, die Tiare-Blume in den Haaren der Frauen, die die Schönheit und Verbundenheit mit der Inselwelt symbolisiert. In kleinen Werkstätten und Lagunenfarmen glitzern die berühmten Tahiti-Perlen, dunkel wie die Tiefen des Pazifiks, mit geheimnisvollen grünen, grauen und schwarzen Schimmern. Und dann sind da noch die alten Legenden der Tahitianer. Wenn die Inselwinde durch die Palmen rauschen oder die Lagune glitzert, könnt ihr fast die Stimmen der Ahnen hören, die diese Geschichten flüstern, als wollten sie uns daran erinnern, dass jede Blume, jeder Vogel und jede Welle Teil einer uralten, lebendigen Welt ist.

Ich wurde 1969 in Sofia, Bulgarien geboren. Mit 22 Jahren kam ich nach Zürich, wo ich Informatik an der ETH Zürich studierte. In Zürich habe ich meinen Mann russischer Abstammung kennengelernt, wir haben drei Kinder. Über 30 Jahre lang war ich als IT-Architektin und IT-Projektleiterin in Großbanken sowie in der öffentlichen Bundes-verwaltung in der Schweiz tätig. Ich liebe meinen Beruf, jedoch brauche ich immer wieder einen Ausgleich zu der IT-Welt. Nach einer langen beruflichen Laufbahn habe ich meine Familie überzeugt, eine einjährige Auszeit zu nehmen, um die Welt zu erkunden.

Prolog


„Was ist ein Sabbatical?“

Die Frage des freundlichen jungen Mannes am Schalter vor der amerikanischen Botschaft in Bern trifft uns unvorbereitet. Es ist früh am Morgen und wir sind zu unserem bereits vor zwei Monaten reservierten Termin erschienen – alle vier, denn wir planen, länger als drei Monate in den USA zu bleiben. Selbst mit unseren Schweizer Pässen reicht das nicht aus. Ich habe zweieinhalb Monate auf Hawaii eingeplant, wo die Kinder ein internationales College besuchen werden. Nachher ist die Zeit knapp, den Kontinent von der West- zur Ostküste nach New York zu durchqueren, wie ich gern hätte. Da die USA unser letztes Reiseziel sind, wo wir erst in einem Jahr sein werden, ist mein Plan nicht einmal besonders gut durchdacht. Also habe ich vorsichtshalber ein Touristenvisum für mehr als drei Monate beantragt.

Wir reihen uns in die Schlange vor der Botschaft ein, die sich zwischen den Absperrungen hindurchzieht. Von den zahlreichen Informationsschildern vor dem Eingang erfahren wir, dass man nicht mit einem Laptop reinkommen kann. Mein Mann läuft die halbe Stunde zurück zum Bahnhof Bern, um seinen Computer in einem der Schließautomaten zu deponieren. Die Anweisung stand zwar in der E-Mail, aber da ich meinen Laptop nicht mitnehmen wollte, hatte ich sie übersehen und vergessen, dass Akim eigentlich auf dem Weg zur Arbeit war. Es beginnt zu regnen und wir warten fast eine Stunde unter einem Dachvorsprung auf der gegenüberliegenden Straßenseite. schließlich kommt er, außer Atem, zurück. Endlich dürfen wir mit dem jeweiligen dicken Teil der Warteschlange durch den hinter einer Betonmauer versteckten Eingang ins Gebäude.

Drinnen folgen die üblichen Prozeduren: Sicherheitskontrolle, Überprüfung der Formulare, Bestätigung der Vorregistrierung und nach fast einem Kilometer Fußmarsch erreichen wir endlich den letzten Schalter. Meine Formulare und die der Kinder werden schnell überflogen und akzeptiert. Doch bei Akim prüft der Beamte genauer, verschwindet kurz und kommt mit einem Zettel handgeschriebene Liste zusätzlicher Dokumente zurück, die er noch vorlegen muss.

Akim hatte erklärt, dass er keinen russischen Pass mehr besitzt, was auch stimmt. Nach jahrelangem Hin und Her, in das sogar familiäre Kontakte zur russischen Polizei verwickelt waren, konnte er keinen neuen Pass mehr beantragen, nachdem der alte abgelaufen war. Der Grund? Er konnte nicht nachweisen, wo er 1991 lebte, als die UdSSR zusammenbrach und er gerade erst 21 Jahre alt war.

Wie auch immer, nachdem Russland den schrecklichen Krieg gegen die Ukraine begonnen hatte, erscheint es wie ein Vorteil, keinen russischen Pass zu haben, aber die Tatsache, dass er in Russland geboren wurde, blieb im Formular erhalten. Der Beamte fragte auch, ob er früher die russische Staatsbürgerschaft besessen hatte, was er nicht verneinen konnte. Ebenso wie die Tatsache, dass er in der Wissenschaft in Bereichen wie Chemie und Physik gearbeitet hatte. Nun soll er eine Liste seiner wissenschaftlichen Publikationen und eine Zusammenfass