: Norbert Remmers Overdick
: Gemeinschaft ohne Gegenwart Menschsein im Kontext der Zeit
: Books on Demand
: 9783695769155
: Unit
: 1
: CHF 13.00
:
: Gesellschaft
: German
: 200
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wir stehen am Anfang einer neuen Zeit, die noch keinen Namen hat und deren Tragweite viele im Moment nicht wahrhaben möchten. Um die Fragen zu verstehen, die sich daraus ergeben, braucht es zunächst eine nüchterne Zustandsbeschreibung. Die hier versammelten Essays liefern keine allumfassenden Antworten. Sie verstehen sich als Querschnitt jener Faktoren, die unsere Gegenwart prägen gesellschaftlich, politisch, technologisch und individuell. Ihr Ziel ist es nicht, Lösungen vorzugeben, sondern sichtbar zu machen, an welchem Punkt wir stehen. Dieses Buch bildet den Einstieg in das Projekt UNIT. Als lose angelegte Buchreihe verfolgt UNIT das Ziel, die Grenzen und Bruchlinien unserer Zeit zu beschreiben, die Bedingungen unseres Handelns offenzulegen und die Fragen sichtbar zu machen, die sich daraus ergeben.

Norbert Remmers Overdick lebt und arbeitet seit vielen Jahren auf Lanzarote. Er ist im Bau- und Immobilienbereich tätig und setzt sich in seinen Texten mit gesellschaftlichen Übergängen, Wahrnehmung, Freiheit, Kontrolle und den Bedingungen menschlichen Handelns in der Gegenwart auseinander. Seine Arbeit verbindet persönliche Erfahrung mit analytischer Beobachtung. Im Zentrum steht dabei weniger die Suche nach Antworten als die Beschreibung von Zuständen: wie Individuen, Gemeinschaften und Institutionen auf Beschleunigung, Migration, den Wandel der Arbeit und den Einfluss künstlicher Intelligenz reagieren. Die Grenzen der Wahrheit ist sein erster größerer Essayband.

TEIL II


Zeit


Zeitenbremse – Zwischen Freiheit und Kontrolle

Vorbemerkung

Beim Schreiben dieser Texte trat ein Punkt immer deutlicher hervor: der Faktor Zeit. Nicht als Randbedingung, sondern als Setzpunkt.

Mit ihm öffnete sich ein Fenster, durch das viele Zusammenhänge plötzlich präsenter, aktueller und greifbarer wurden.

Zeit erscheint uns meist als etwas Selbstverständliches.

Wir bemerken sie, wenn sie vergeht. Wir machen sie fest an Veränderungen – an Alter, an Verfall, an Fortschritt.

Ansonsten taucht sie vor allem als Stressfaktor auf: zu wenig Zeit, verlorene Zeit, Zeitdruck.

In diesem Verständnis bleibt Zeit passiv.

Etwas, das geschieht, während wir handeln.

Doch dieses Bild trägt nicht mehr.

Zeit ist heute aktiv – und sie war es immer.

Sie umgibt uns, strukturiert unsere Wahrnehmung, beeinflusst unsere Entscheidungen, begrenzt oder ermöglicht Entwicklung. Nicht als äußere Uhr, sondern als Rahmen dessen, was überhaupt erlebt, bedacht und verstanden werden kann. Ob Menschen sich als frei erleben oder als getrieben, ob sie reflektieren oder nur reagieren, ob sie sich selbst zeitlich und räumlich verorten können oder nicht – all das entscheidet sich nicht zuerst an den Inhalten, mit denen sie umgehen.

Es entscheidet sich an der Zeit,

die diesen Inhalten gegeben wird.

Zeit ist damit nicht neutral.

Sie war es nie. Sie ist ein aktiver Faktor unseres Lebens –

vielleicht der wichtigste überhaupt.

10. Die Aktivierung der Zeit


Zeit ist nicht nur etwas, das vergeht.

Sie wird aktiviert –

durch die Art, wie Menschen und Systeme mit ihr umgehen.

Zeit verteilt sich nicht von selbs