: Hannah Sophie Schmitt, Fabiane Keim, Feyra S. Moon, Janina Nilges, Nathalie Bosch, Umbra Daemonis, M
: Fane M. Ormhart
: Verlorene Briefe I. Anthologie des Schreibtreffs der Buchwissenschaft Mainz
: Books on Demand
: 9783695722082
: Anthologien des Schreibtreffs der Buchwissenschaft
: 1
: CHF 2.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 252
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was geschieht mit verloren gegangenen Briefen? Manche bringen einen in Schwierigkeiten, andere enthüllen die Geheimnisse der Vergangenheit. Wieder andere tragen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in sich. Phantastisch und lebensnah erzählen die Mitglieder des Schreibtreffs der Buchwissenschaft Mainz in zwölf Kurzgeschichten von Nachrichten, die jene verschlungene Wege offenbaren. Mit den Einnahmen des Buches wird Mission Erde e.V. unterstützt.

Hannah Sophie Schmitt hat für ihren Bachelor Populäre Kulturen, Kommunikationswissenschaft und Medienforschung sowie Buchwissenschaft in Zürich und Mainz studiert. Aktuell macht sie ihren Master in Empirischer Kulturwissenschaft und Deutscher Literatur: Theorie -- Analyse -- Vermittlung sowie in Kinder- und Jugendliteratur in Zürich und Frankfurt. Sie liebt Literatur, seit sie denken kann, und bespricht seit über einem halben Jahrzehnt Bücher auf ihrem Literaturblog www.buchfreaks.net.

Feyra S. Moon

Marmeladenhexen

Im Tal der Blüten- und Mondhexen

Ihre Fingerkuppen strichenüber das vergilbte Papier und das magische Siegel, dass den Umschlag verschlossen hielt – wie immer, wenn sie das alte Grimor ihrer Ahnin öffnete. Zyklen vergingen und kamen und in diesem Brief lag ein Schlüssel der Magie, der der Gemeinschaft des Hexenzirkels zu Gute kommen sollte. Einzig der Hirschkönig konnte das magische Siegel lösen und eine Blütenhexe bestimmen, der diese Ehre zu Teil werden sollte. Als Adalias Ahnin lag es alleine an ihr den Brief zu öffnen und sie sehnte den Tag herbei an dem sie es dürfte. Bis dahin würde sie jedes Rezept, das sie zwischen den alten Einträgen fand, kochen und die Marmeladenhexerei studieren. – Das Schicksal hatte es gut mit ihr gemeint, hatte sie doch das Glück, in die Fußstapfen eines alten Hexenkreises hineingeboren worden zu sein, in dem die Sterne die Wege der Obstschwestern bestimmten.

Der schwere Duft der frischen Früchte und das Summen der Bienen erreichte sie selbst in dem kleinen Laden ihrer Ahnin: Adalias Herbstgeschwader. Die Empfindungen ihrer Sinne ließ die Magie auf ihren Armen funkeln, gleichsam dem Morgentau auf den Wiesen. Sanft umschlangen die silbernen Ranken auf ihrer Haut ihren Arm und glitzerten im Schein der Morgensonne, die durch die großen bodentiefen Fenster drang – dass es fast an goldenen Staub erinnert hätte. Als wisse ihre Hexenkraft, dass was immer unter dem Siegel lag, für sie bestimmt war, um daran zu wachsen.

Die Fäden der Magie wirbelten