Die Verpackung der Seele
Der neue Bürgermeister von Schilda hatte es sich zur großen Aufgabe gesetzt, etwas gegen den angeschlagenen Ruf seiner Stadt zu unternehmen und die Bürger auf Vordermann zu bringen. Eines Tages glaubt er, den Schlüssel zum Erfolg gefunden zu haben. Bei der nächsten Versammlung des Stadtrates rief er darum dazu auf, endlich auf Export zu setzen. »Wir müssen wie andere Städte und Länder auch unsere natürlichen Ressourcen wälzen, um durch den gezielten Verkauf unserer Güter Geld in die Stadtkasse zu bekommen.«
»Ja aber, was haben wir denn an Dingen, die wir verkaufen könnten?«, fragte der Stadtrat Zick. Es entzündete sich eine längere Diskussion, was man denn in Schilda für einen Export anbieten könne. Aber man kam trotz eifriger Überlegungen zu keinem Ergebnis, was es denn in Schilda so Besonderes gäbe, dass man es sogar ins Ausland verkaufen könne. »Ich habe immer geglaubt, wir Schildaer wären steinreich« meinte die Stadträtin Emilia Geiß, erntete aber nur ein müdes Lächeln der anderen. »Steinreich bedeutet nicht«, rief ihr Zick zu, »reich an Steinen. Da haben wir allerdings keinen Mangel. Nur zweifele ich, ob uns jemand Steine abkauft.« – »Und wie wär’s mit Moos?«, fragte der Stadtrat Ziegler, »ich habe sogar gehört, dass man Moos zu Geld sagt. Und Moos haben wir am Rand von Schilda im Überfluss.« Auch dieser Gedanke wurde sehr schnell verworfen, denn es erschien den meisten sehr unwahrscheinlich, dass sich mit Moos, Moos machen ließe.
»Ich glaube, wir kommen auf keinen grünen Zweig«, meinte Frau Geiß resignierend. »Halt, das ist es«, rief der Bürgermeister. »Grüner Zweig ... habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass wir in Schilda sehr viele Zwetschgenbäume haben, auf denen wunderbare Früchte reifen.« – »S