Das Mädchen im Park
Immer, wenn ich diesen Weg durch den Park gehe, muss ich daran denken, wem ich hier beinahe täglich auf dem Schulweg begegnet bin und welche Kinder mich, als ich älter wurde, stürmisch überholt haben. In jungen Jahren verschwendete ich noch keinen Gedanken daran, was in den Köpfen derjenigen vorging, die langsam gingen oder eben später schneller, schwermütig, vielleicht oder fröhlich und beschwingt.
Der Park war eine Anlage im englischen Stil.
Die Wege schlängelten sich in sanften Bögen, als hätten sie sich von selbst ihren Platz zwischen Wiesen und Baumgruppen gesucht. Kein gerader Verlauf, kein Ziel, das sich sofort offenbarte, man wurde geführt, ohne es zu merken. Zu beiden Seiten wogte das Gras in leichten Hügeln, und an manchen Stellen öffnete sich der Blick auf kleine Teiche, in denen das Wasser träge glitzerte. Die Spiegelung der Wolken ließ die Oberfläche wie ein zweites Himmelszelt erscheinen. Als Kind gruselte es mich manches Mal. Wer versteckte sich da im hohen Gras?
Wenn mich solche Fragen beschäftigten, begann ich zu trödeln, verträumte die Zeit und musste mich am Ende umso mehr beeilen, zur Schule zu kommen.
In meiner Fantasie war der Park dann ein Reich voller Geheimnisse. Das Rascheln im Gras wurde zu Schritten, leisen, lauernden, die mir folgten, sobald ich den Kopf abwandte. Vielleicht war es ein Fuchs, dachte ich zuerst, oder ein entlaufener Hund. Doch dann begann mein Kopf, eigene Geschichten zu spinnen.
Ich stellte mir vor, dass dort zwischen den Halmen kleine Gestalten lebten, halb Mensch, halb Tier, mit moosbewachsenen Hüten und Augen, die im Schatten grün schimmerten. Sie flüsterten miteinander, kaum hörbar, und beobachteten jeden, der ihren Weg kreu