: Axel Becker-Zöllner
: Der rote Schal
: Books on Demand
: 9783695740093
: 1
: CHF 6.20
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 168
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Dunkelheit, die sich über Martins Leben gelegt hat, ist von der Art, wie sie ausbleibt, wenn Hoffnung langsam im Schatten verdampft. Jede neue Wendung der Ermittlungen fühlt sich an wie der nächste nagende Zahn des Unglücks: immer werden alte Zeugenaussagen aus den Archiven gezerrt, jedes flüchtige Detail wird zum schweren Verdacht im Licht der Gegenwart. Der rote Schal , ein Relikt eines längst vergessenen Mädchens , bildet den stummen Mittelpunkt eines Kriminalfalls, der sich unaufhörlich in die Irre windet und nichts als Leere hinterlässt. Die Polizei, getrieben von Routine und Zweifel, verstrickt sich immer tiefer in Spuren, die ins Nichts führen; jede Hoffnung zerbricht an der Monotonie des Ungewissen. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass manche Geschichten keine Versöhnung kennen, sondern im Graubereich zwischen Schuld und Zufall verharren.

Geboren 1954 in Hannover, in der ländlichen Idylle eines niedersächsischen Dorfes der 60iger Jahre groß geworden. Nach dem Studium zum Sozialpädagogen und Lehrer als Bildungsreferent und Betreiber dreier Bildungshäuser über 30 Jahre tätig. Technikaffin, auch wenn sie öfter mal nicht funktioniert. Er hat mit Ahnenforschung angefangen und seine Familiengeschichte seit dem 17. Jahrhundert in Romanform niedergeschrieben. Er lässt sich nicht auf einen Stil festlegen: Humor, Tatsachen, Fantasie oder Krimi. Immer überraschend.

Das Mädchen im Park


Immer, wenn ich diesen Weg durch den Park gehe, muss ich daran denken, wem ich hier beinahe täglich auf dem Schulweg begegnet bin und welche Kinder mich, als ich älter wurde, stürmisch überholt haben. In jungen Jahren verschwendete ich noch keinen Gedanken daran, was in den Köpfen derjenigen vorging, die langsam gingen oder eben später schneller, schwermütig, vielleicht oder fröhlich und beschwingt.

Der Park war eine Anlage im englischen Stil.

Die Wege schlängelten sich in sanften Bögen, als hätten sie sich von selbst ihren Platz zwischen Wiesen und Baumgruppen gesucht. Kein gerader Verlauf, kein Ziel, das sich sofort offenbarte, man wurde geführt, ohne es zu merken. Zu beiden Seiten wogte das Gras in leichten Hügeln, und an manchen Stellen öffnete sich der Blick auf kleine Teiche, in denen das Wasser träge glitzerte. Die Spiegelung der Wolken ließ die Oberfläche wie ein zweites Himmelszelt erscheinen. Als Kind gruselte es mich manches Mal. Wer versteckte sich da im hohen Gras?

Wenn mich solche Fragen beschäftigten, begann ich zu trödeln, verträumte die Zeit und musste mich am Ende umso mehr beeilen, zur Schule zu kommen.

In meiner Fantasie war der Park dann ein Reich voller Geheimnisse. Das Rascheln im Gras wurde zu Schritten, leisen, lauernden, die mir folgten, sobald ich den Kopf abwandte. Vielleicht war es ein Fuchs, dachte ich zuerst, oder ein entlaufener Hund. Doch dann begann mein Kopf, eigene Geschichten zu spinnen.

Ich stellte mir vor, dass dort zwischen den Halmen kleine Gestalten lebten, halb Mensch, halb Tier, mit moosbewachsenen Hüten und Augen, die im Schatten grün schimmerten. Sie flüsterten miteinander, kaum hörbar, und beobachteten jeden, der ihren Weg kreu