: Heinrich Spoerl
: Das andere Ich
: Books on Demand
: 9783695756889
: Heinrich Spoerl - Gesammelte Werke
: 1
: CHF 7.00
:
: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 264
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die junge und hübsche Magdalena Menzel, frisch in die Großstadt gezogen, steht ohne Wohnung und vor allem ohne Arbeitsstelle und Einkommen dar. Doch sie hat Glück und findet nicht nur ein Zimmer bei einer teilnahmsvollen Witwe, sondern unbeabsichtigter Weise gleich zwei Anstellungen: als Magda in der Tagschicht der Technischen Zeichnung bei den Wuellner Werken und als Lena in der Nachtschicht der Produktion eben jener Wuellner Werke. Ihr Arbeitgeber weiß von der Personalunion ihrer Angestellten Magda und Lena freilich nichts. Aus dieser Konstellation entwickelt sich ein Doppelleben, welches Magdalena nicht bloß beruflich an den Rand der Erschöpfung bringt, sondern auch ihr Liebesleben schizophren nach Magda und Lena trennt. Denn Ingenieur Martin, gleichfalls bei den Wuellner Werken angestellt, interessiert sich herzlich für die bieder aber anständig auftretende Lena, kann sich aber auch dem frivolen und ungezwungenen Verhalten Magdas nicht verschließen. Wie auch in seinen übrigen Werken beschreibt Spoerl mit vorurteilsfreier Empathie, reichlich Humor und freundlicher Ironie die unbeabsichtigten, jedoch schwerwiegenden Folgen einer an sich lediglich geringfügig von der Norm abweichenden Handlung.

Heinrich Spoerl (1887-1955) war Doktor der Rechtswissenschaften und praktizierender Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Düsseldorf. Als Literat wurde er einem größeren Publikum erst in den 1930er Jahren mit einer Reihe ebenso humorvoller wie erfolgreicher Romane bekannt. Als Drehbücher für Kinofilme der Vor- und Kriegszeit fanden sie beim Publikum nicht weniger Anklang, z.B. für So ein Flegel (1934), Wenn wir alle Engel wären (1936), Der Maulkorb (1938), Die Scheidungsreise (1938), Der Gasmann (1941), Das andere Ich (1941) und Die Feuerzangenbowle (1944). Daneben schuf Spoerl zahlreiche Kurzgeschichten, heraus-gegeben in zwei Bänden (Man kann ruhig darüber sprechen und Ich vergaß zu sagen). Mit Die weiße Weste (1947) schrieb Spoerl zudem ein Theaterstück.

Zimmer des Produktionsleiters


Es ist ein glatter kubischer Raum, beinahe ausgefüllt durch den in der Mitte stehenden riesenhaften Schreibtisch, auf dessen weiter Fläche nichts anderes zu sehen ist als ein Telefon und ein großes Brett mit mehreren Dutzend Klingelknöpfen.

Hinter dem Schreibtisch sitzt der Produktionsleiter. Gewaltig, mit breitwattierten Schultern und kantig monumentalem Kopf, thront er wie die Kolossalstatue eines amerikanischen Industrie- fürsten als Silhouette gegen die breite Fensterverglasung.

Die Diva (immer noch von hinten gesehen) segelt mit großen Bewegungen auf ihn zu und spricht halblaut mit explo- dierenden Konsonanten:

Der Produktionsleiter kennt diese Szenen, er lächelt nachsichtig und macht eine verbindliche Bewe- gung zu einem der Sessel:

Die Diva (von der Kamera eingeholt) jetzt ganz dicht vor seinem Schreibtisch stehend, mit

Ich bin empört!

Bitte.

verhalten bebender Stimme:

Der Produktionsleiter ist von unerschütterlicher Konzilianz:

Er wiegt beschwichtigend den mächtigen Kopf. (Die Kamera ist noch näher auf ihn zugefahren und zeigt) die eiserne Ruhe seines Gesichts, während man

Der Produktionsleiter hat ein

Haben Sie nicht verstanden? Ich habe Ihnen mitgeteilt, dass ich empört bin.

Liebe gnädige Frau, wie lange sind Sie beim Film? Dann werden Sie wissen, bei uns ist man immer ein bisschen empört, jeder gegen jeden - aber -

die Stimme der Diva hört, die sich pausenlos wie ein Wasserfall über ihn ergießt:

Also, erstens bin ich nicht jeder, und zweitens können Sie das mit mir nicht machen, und drittens bin ich sprachlos, ich habe einfach keine Worte, seit vier Monaten warte ich auf einen Film für mich, und jetzt sind fünf Monate herum, und er ist immer noch nicht da, seit sechs Monaten immer noch kein Film (mit steigendem Pathos) mit der Rolle, die mir künstlerisch zusteht! - (Kühl und geschäfts- mäßig) Und wie ich es auch schriftlich im Vertrag habe.

zartes Taschentüchlein aus seiner äußeren Brusttasche genommen, tupft sich vornehm lässig die Stirn und benutzt die Atempause der Diva:

(Die Kamera schwenkt und zeig