2. Mondkristalle
Es war von künstlerischer Schönheit und wog langsam in der Luft.
Linien waren senkrecht und waagerecht sorgfältig miteinander verwoben. Nach diesem höchstkomplexen Ungetüm reichte Tinasha mit ihren blassen Fingern.
Genau wie sie es einst erblickt hatte, verflochten sich zwei Zauber miteinander und hoben sich gegenseitig auf.
Ihr Anblick erinnerte Tinasha an das Naturell zweier gegensätzlicher Kräfte, die sich abstießen und doch so anzogen.
Beide waren Liebe, und beide waren Hass.
Schutz und Verderben, Schaden und Unterstützung.
In ihnen konnte Tinasha beinahe unbändige Gefühle erkennen, und allein diese Erkenntnis rang ihr einen Seufzer ab. Der Gedanke daran, nun einen Teil davon manifestieren zu müssen, jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken.
„Ich schaffe das …“
Sie würde ihr Versprechen nicht brechen.
Vierhundert lange Jahre hatte sie überwunden und dieses Mal würde sie sich einmischen. Zumindest das war sie ihm schuldig.
Tinasha ließ ein paar Kristallkugeln auf ihrer Handfläche tanzen.
Dann begann sie mit der langen Rezitation, um magische Werkzeuge herzustellen.
※
Als Tinasha Oscar noch am selben Tag in dessen Arbeitszimmer besuchte, bemerkte er die dunklen Ringe unter ihren Augen und runzelte die Stirn. Auch als sie sich am Vortag für ihr Training getroffen hatten, stand ihr die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben.
„Schläfst du genug?“,