Spring über den Schatten - Buch 2 - Warum?
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Ulla Garden
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Spring über den Schatten - Buch 2 - Warum?
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Chiara-Verlag
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9783961274642
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1
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CHF 5.30
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Erzählende Literatur
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German
Endlich scheint Leni auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Sie verlobt sich mit Adrian, den ihre Kinder ohne Probleme als neuen Papa akzeptieren. Die Hochzeit wird geplant und zu ihrer großen Freude haben sie auch ein neues Zuhause gefunden, in dem sie alle vier genügend Platz haben. Einer glücklichen Zukunft scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Aber das Schicksal schlägt erneut zu und die Schatten der Vergangenheit lassen sie nicht los. Verzweifelt fragt sich Leni: 'Warum?'
Es war ein tränenreicher Abschied, und kaum war Adrian abgereist, fühlte Leni sich furchtbar einsam. Die bevorstehenden zwei Wochen kamen ihr vor wie eine Ewigkeit. Sie ging zunächst mit den Kindern auf den Spielplatz und spielte dann bis zum Abendessen Memory mit ihnen. Aber nachdem die Kinder im Bett waren, hatte sie Sehnsucht und rief Adrian an, der zunächst zu seinen Eltern nach Heidelberg gefahren war. 'Hallo Spatzi, na, ist die Rasselbande im Bett?', begrüßte er sie liebevoll. 'Ja, das sind sie, und jetzt fühle ich mich wirklich einsam ohne dich', gab sie zu. 'Hey Süße, du fehlst mir auch. Aber da müssen wir nun mal durch.' 'Ja, ich weiß', seufzte sie. 'Sieh's doch mal so, du bist jetzt zwei Wochen frei und kannst tun und lassen, was du willst', versuchte er, sie aufzuheitern. 'Ja, okay, dann melde ich mich jetzt gleich bei einer Dating-App an', neckte sie ihn. 'Untersteh dich!', kam sofort ein massiver Protest. 'Ach so, da muss ich wohl was missverstanden haben', meinte Leni lachend. 'Du wolltest dir doch was nähen, hast du gesagt. Jetzt hast du Zeit und ich bin dir nicht im Weg.' 'Hm, ja, stimmt, aber im Moment kann ich mich zu nichts aufraffen.' Sie plauderten noch einige Minuten miteinander, bis Adrians Vater nach ihm rief. 'Du, Leni, ich muss jetzt mal Schluss machen. Ich ruf' dich später vom Hotel aus noch einmal an. Pops fährt mit mir nach Frankfurt und bleibt bei mir im Hotel bis morgen früh. Da können wir uns in aller Ruhe unterhalten. Bis später, ich liebe dich, mein kleiner Spatz.' 'Ja, ich dich auch. Bis später.' Nach dem Telefonat fühlte Leni sich etwas besser und suchte tatsächlich das Schnittmuster für den Rock, den sie sich nähen wollte, heraus. Sie schnitt die Teile für ihre Größe aus dem Papierschnitt aus, setzte sie mit Klebestreifen zusammen und hielt sie sich an. Zum Zuschneiden des Stoffs fühlte sie sich aber doch zu müde. Das wollte sie lieber mit klarem Kopf in Angriff nehmen. Sie überlegte, ihre Mutter um Hilfe zu fragen, damit sie den Stoff nicht versaute. Die Idee gefiel ihr, und sie rief spontan bei ihrer Mutter an. 'Ma puce, was gibt's? Ist etwas passiert?' 'Nein, nein, ich dachte nur, also, ähm, Adrian ist doch heute für zwei Wochen weggefahren und ich wollte fragen, ob ich morgen zu dir kommen kann. Ich möchte mir einen Rock nähen und wollte fragen, ob du mir beim Zuschneiden helfen kannst.' 'Hm, ja schon, aber wir haben nichts fürs Mittagessen eingekauft', gab Stéphanie zu bedenken. 'Kein Problem, Maman, ich esse mit den Kindern zu Hause und bring dann was zum Kaffee mit. Wäre das ok?' 'Ja klar, es freut uns, wenn ihr kommt.' Die beiden Frauen verabschiedeten sich und Leni ging zu Bett. Sie versuchte zu lesen, aber es fiel ihr schwer, sich zu konzentrieren. Deshalb war sie froh, als Adrian anrief. 'Na Spatzi, wie viele Dates hast du schon vereinbart?', fragte er scherzhaft. 'Bis jetzt erst eins', antwortete sie gelassen. 'Wie jetzt?' Im Ernst?', fragte er verunsichert. 'Ja klar', erwiderte Leni lachend und ergänzte nach einer kleinen Kunstpause: 'Ich fahre morgen Nachmittag zu meiner Mutter.' Sie konnte hören, wie er erleichtert aufatmete. 'Sie hilft mir, den Rock zuzuschneiden, den ich mir nähen will. Ich bin etwas aus der Übung und habe Angst, dass ich den schönen Stoff versaue, der war nämlich nicht billig.' 'Na, da bin ich aber auf das Ergebnis gespannt. Ich hoffe, du ziehst ihn dann auch mal an. Meistens seh' ich dich ja nur in Hosen.' 'Ja, ganz bestimmt, es wird ein luftiger Sommerrock. Wenn es heiß ist, dann trag' ich gerne mal einen Rock, allerdings nicht bei der Arbeit. Ich kann ja kaum im Rock auf der Baustelle herumturnen.' Sie redeten noch einige Minuten miteinander, bis Adrian meinte, dass er jetzt aber versuchen wolle, ein paar Stunden zu schlafen, da er morgens um vier wieder aufstehen müsste. Leni konnte nicht schlafen und dachte über sich und Adrian nach. Und unweigerlich gingen auch die Gedanken zurück zu Johannes. Eigentlich gegen ihren Willen drängte sich ihr der Vergleich zwischen den beiden Männern auf. Sie hatte Johannes abgöttisch geliebt, das war keine Frage. Aber die Liebe zu Adrian fühlte sich so vertraut und richtig an. Es war nicht diese Vernarrtheit wie bei Johannes, sondern es war eine Liebe, die allmählich gewachsen war. Äußerlich wie auch charakterlich waren die beiden Männer grundverschieden. Johannes, blond, kräftig gebaut und sehr introvertiert. Adrian dagegen dunkelhaarig, schlank und offen für alles. Sie dachte daran, dass sie mit Adrian ohne große Scheu über alles reden konnte und er mit nichts hinter dem Berg hielt.Johannes war oft so wortkarg gewesen, dass sie es manchmal kaum ausgehalten hatte. Auch beim Sex waren die beiden Männer komplett verschieden. Während Johannes beim Liebesspiel in der Regel stumm geblieben war, sprach Adrian mit ihr, während er sie streichelte, und fragte manchmal, ob es ihr gefiele, was er machte. Dann fiel ihr auch ein, dass Johannes sie, abgesehen von der Fahrt in die Flitterwochen, immer nur im Bett geliebt hatte. Er hatte sie dorthin dirigiert oder sie oft einfach auf den Arm genommen und zum Bett getragen. Sie musste lächeln, als sie daran dachte, wie er im Laufe ihrer Schwangerschaft gestöhnt hatte, dass sie immer schwerer geworden war. Dann sprangen ihre Gedanken wieder zu Adrian, der sie nahm, wo sie gerade waren. Sie liebten sich in der ganzen Wohnung, wenn die Kinder nicht da waren oder schliefen. Leni seufzte und wünschte sich, dass es einfach Wusch machen würde und Adrian wieder da wäre. Sie hatte schon in der ersten Nacht große Sehnsucht nach ihm. Am Sonntagnachmittag rief Adrian nochmals an, um ihr zu sagen, dass er gut in Eritrea angekommen war. Dann hörte Leni zwei lange Wochen nichts mehr von ihm. Erst als e