: Markus Thalheimer, F. Joachim Meyer, Claus-Peter Kreutz, Raffi Bekeredjian
: Kodierleitfaden für die Intensivmedizin 2026 Praxisrelevante Erläuterungen der spezifisch intensivmedizinischen Kodierung
: medhochzwei Verlag
: 9783988002211
: Praxiswissen Abrechnung
: 19
: CHF 28.40
:
: Medizinische Fachberufe
: German
: 332
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Erneut liegt der erfolgreiche und praxisnahe Kodierleitfaden für die Kodierung der internistischen Intensivmedizin für das Jahr 2026 vor. Die Abbildung komplexer Fälle im DRG-System wird anhand von Definitionen, Hitlisten und Beispielen anschaulich durch das erfahrene Autoren-Team erklärt. Der Leitfaden stellt nicht nur für die Intensivmedizin wichtige Diagnosen und Prozeduren dar, sondern beschreibt auch ausführlich die Kodierung der Beatmung und der intensivmedizinischen Komplexbehandlung und deren Zusammenspiel. Das Thema Weaning wird wegen seiner Bedeutung und der erweiterten Definition der OPS-Ziffer umfassend dargestellt, inklusive des Zusatzentgeltes für Weaningstationen. Die Kodierrichtlinie 1001 zur Beatmung wurde 2020 überarbeitet, die Änderungen, aber auch die verbliebenen Fallstricke bei der Kodierung der Beatmung werden im vorliegenden Leitfaden ausführlich dargestellt. Für 2026 steht die Überarbeitung der TISS/SAPS-Erfassung im Vordergrund.

Daneben werden wiederkehrende intensivmedizinische Situationen wie die Kodierung der Sepsis gemäß der 2024 überarbeiteten, neuen Kodierrichtlinie 0103, von Gerinnungsstörungen oder Vergiftungen umfassend besprochen. Sämtliche Diagnosen, Prozeduren und Fallpauschalen werden für das DRG-System 2026 aktuell dargestellt. Aufgrund der gelegentlich weiterhin erforderlichen intensivmedizinischen Behandlung von COVID-19-Patienten wird deren Kodierung in einem eigenen Kapitel zusammengefasst.

Ergänz nd werden alle die Intensivmedizin betreffenden Entscheidungen des Bundesschlichtungsausschusses und Empfehlungen der SEG 4 des MD erläutert, sodass das Werk einen vollständigen Überblick über die Kodierung der komplexen Fälle auf einer Intensivstation bietet.



Dr. med. Markus Thalheimer, Jahrgang 1966, Facharzt für Innere Medizin mit langjähriger Berufserfahrung; langjährige Erfahrung in Medizincontrolling und Abrechnungsthemen, tätig im Geschäftsbereich Erlösmanagement am Universitätsklinikum Heidelberg; Stellv. Sprecher des Arbeitskreises DRG und Gesundheitsökonomie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO), Mitglied des Fachausschusses Medizin der DKG, des Bundesschlichtungsausschusses und weiterer Selbstverwaltungsgremien; Gerichtsgutachter zu DRG-Fragen. Autor zahlreicher1 DRG-Fachbücher.

2 Diagnosen


Nachfolgend sind die häufigsten Erkrankungen mit ihrer Kodierung aufgelistet. Durch ihre zunehmende Relevanz im Hinblick auf den Hauptdiagnose-Split innerhalb der Beatmungs-DRGs erklären die zitierten Leitlinien jeweils die Diagnosekriterien.

2.1 Infektionen


2.1.1 Allgemeine Bemerkungen


Bei Infektionen sollte immer versucht werden, Keim und Fokus genau zu kodieren, da in der Regel eine umso höhere Bewertung der DRG erfolgt, je genauer die Diagnosen angegeben werden.

Für einige wichtige und häufige Infektionen steht eine Ziffer zur Verfügung, die Ort und Ursache der Infektion zugleich beschreibt (z.B.B37.1 Candidose der Lunge). In aller Regel muss der Kodierende allerdings für die genaue Erfassung jeweils einen Kode für die Lokalisation (z.B. Pneumonie) und zusätzlich für den Keim eingeben („Kreuz-Ausrufezeichen-Systematik“). Diese Zusatz-Diagnosen B95.-! bis B98.-!, in denen man die meisten Bakterien und Viren findet, dienen der ergänzenden Verschlüsselung der Erreger. Kodes für resistente Keime befinden sich im Kapitel U. Seit 2017 lassen sich 3- und 4-MRGN endlich direkt kodieren, seit 2023 auch Pilzresistenzen.

Achtung: Die Kodes aus B95.- bis B98.- und aus U80.- bis U85 können meist kombiniert werden! Es finden sich weder bei den Schlüsseln unter B noch unter U entsprechende Exklusiva. Dies ist erlösrelevant, da beide Kodegruppen CCL-relevant sind. Siehe Kodier-Empfehlung Nr. 310 und 337 der SEG-4. Sollte ein resistenter Keim also unter U80–85 nicht so genau kodierbar sein wie unter B95–98, werden beide Kodes erfasst und mit der Infektion verknüpft. Ausnahmen sind die Infektionskodes, bei denen laut ICD-10 die Kodes B95-98 mittels Exklusivum ausgeschlossen sind (z.B. bei den Kodes aus A49, die seit 2025 an 5. Stelle die Keime benennen).

In den Kapiteln A und B des ICD-10 sind die Infektionskrankheiten nach Erregern zusammengefasst. Außerdem sind unter den Kapiteln der einzelnen Organsysteme Manifestationskodes gelistet (z.B. die Pneumonien unter Krankheiten des Atmungssystems).

Um den Rahmen dieses intensivmedizinisch orientierten Leitfadens nicht zu sprengen, werden hier nur wichtige Tipps und Kodes zur Verschlüsselung von Infektionen angegeben. Für detaillierte Informationen verweisen wir auf andere Werke.

Die gängigen Prozedurenkodes im Rahmen der Infektdiagnostik befinden sich im Kapitel 3 Prozeduren.

2.1.2 Kodierung von Keimbesiedlung ohne Infektion


Durch eine Entscheidung des Bundesschlichtungsausschusses im Sommer 2022 können die Zusatzkodes unter B95!, B96! und B98! auch mit nicht infektiologischen Kodes verknüpft werden, um eine Aufwand verursachende Besiedlung chronischer Wunden (z.B. von Dekubitalulzera) zu verschlüsseln (siehe DKR D012v). Details siehe weiter unten in diesem Kapitel. Hier gab es aufgrund sehr formalistischer Sichtweise des MD eine Kodierlücke: zwar konnten Infektionen der Haut und offener Wunden mit einem Zusatzkode aus B95! folgende verknüpft werden. Dies wurde vom MD jedoch für Nicht-Infektionskodes abgelehnt, da in der Überschrift des Kapitels auf Infektionen verwiesen wird. Dies verhinderte auch eine alternative Kodierung mit Z22 (Keimträgerschaft).

Um die massenhafte Kodierung physiologischer Keimbesiedlungen ohne Aufwand einzudämmen, hat der SAB eine Risikoadjustierung gefordert, z.B. durch Anwendung eines Risikoscores wie dem W.A.R.-Score, sowie einen entsprechenden Aufwand der Behandlung und ein Antibiogramm:

„Im Falle einer chronischen offenen Wunde ohne klare Zeichen einer Infektion kann eine nachgewiesene pathologische Besiedlung (nachgewiesen durch ein anerkanntes Scoring-Instrument zum Infektionsrisiko) mit Bakterien über die Kombination eines geeigneten Kodes für die Wunde (z.B. L89.- Dekubitalgeschwür und Druckzone) und der Kodes B95.-!, B96.-!, B98.-! kodiert werden, falls eine diesbezüglich resistenzgerechte Arzneimitteltherapie erfolgt. In diesem Fall ist der Terminus ‚als Ursache von Krankheiten‘ zu den Kodes B95.-!, B96.-! und B98.-! sowohl als primärursächliche Kausalität als auch im Sinne einer sekundär aggravierenden bzw. krankheitsunterhaltenden Ursache zu werten.“

W.A.R. Score

Der W.A.R. Score („wound-at-risk“) stellt eine Anleitung zur Definition des Infektionsrisikos von Wunden und der Notwendigkeit einer antimikrobiellen Behandlung dar und ist einfach zu dokumentieren:

Nach dem W.A.R. Score werden mit Blick auf den Hintergrund des Patienten Risikopunkte aus drei verschiedenen Kategorien vergeben, welche anschließend addiert werden:

1 Risikopunkt

  • Vorbelastungen wie immunsuppressive Erkrankungen oder hämatologische Systemerkrankungen<