: Immanuel Kant
: Jochen Frießem
: Ästhetik Die klassische Philosophie der sinnlichen Wahrnehmung
: Books on Demand
: 9783695786251
: Propädeutik zur Sinnlichkeit
: 1
: CHF 0.50
:
: Philosophie
: German
: 184
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Propädeutik zur Sinnlichkeit (Band I: Ästhetik) Der erste Band der"Propädeutik zur Sinnlichkeit" präsentiert die gesamte Wahrnehmungsphilosophie Immanuel Kants im Originalwortlaut - die wirkungsmächtigste Theorie in der Geschichte der Philosophie. Fundiert durch eine 14-jährige, intensive Kant-Lektüre sowie eine einfühlsame Sprachanpassung wird das Werk erstmals auch für interessierte Laien lesbar und verständlich. Ein umfassender Kommentar-Schlüssel klärt z.B. den geheimnisvollen, transzendentalen Schematismus in seiner subjektiven wie auch objektivierenden Funktion vollständig auf und macht den Wahrnehmungsvorgang als hochdynamischen Prozess begreifbar: von der physischen Außenwelt über die perzeptive bis hin zur semantischen Phase. Eine innovative grafische Übersicht visualisiert zudem sämtliche menschliche Vermögen und Vorgänge im Kantisch modellierten Wahrnehmungsprozess. Dies macht die klassische Sinnlichkeits- und Erkenntnislehre für moderne Debatten anschlussfähig und somit insgesamt auch falsifizierbar. Die jahrzehntelange Sichtung und Auswahl sowie der akribische Abgleich mit sämtlichen Quelltexten in allen Auflagen (KdrV, Prolegomena, KdU inkl. Erster Einleitung, Anthropologie) garantieren eine außergewöhnliche Originaltreue bei bestmöglicher Lesbarkeit und maximal-kompakter Vollständigkeit. Damit bietet dieser Band zugleich auch die Basis für das Studium und die Kritik moderner Wahrnehmungstheorien, welche im zeitgleich erschienenen Fortsetzungsband ("Das unentdeckte Land") fundiert dargestellt und postmodernistisch korrigiert werden.

Immanuel Kant (1724-1804) ist einer der wirkungsmächtigsten Wahrnehmungs- und Erkenntnistheoretiker in der Geschichte der Philosophie.

Aus: Kritik der reinen Vernunft

VORREDE […] (B XIV)


Der Metaphysik […] ist das Schicksal bisher noch nicht so günstig gewesen, dass sie den sicheren Gang einer Wissenschaft einzuschlagen vermocht hätte; ob sie gleich älter ist, als alle übrigen, und bleiben würde, wenn gleich die übrigen insgesamt in dem Schlunde einer alles vertilgenden Barbarei gänzlich verschlungen werden sollten. Denn in ihr gerät die Vernunft kontinuierlich ins Stocken, selbst wenn sie diejenigen Gesetze, welche die gemeinste Erfahrung bestätigt, (wie sie sich anmaßt) a priori einsehen will. In ihr muss man unzählige Male den Weg zurück tun, weil man findet, dass er dahin nicht führt, wo man hin will, und was die Einhelligkeit ihrer Anhänger in (B XV) Behauptungen betrifft, so ist sie noch so weit davon entfernt, dass sie vielmehr ein Kampfplatz ist, der ganz eigentlich dazu bestimmt zu sein scheint, seine Kräfte im Spielgefechte zu üben, auf dem noch niemals irgendein Fechter sich auch den kleinsten Platz hat erkämpfen und auf seinen Sieg einen dauerhaften Besitz gründen können. Es ist also kein Zweifel, dass ihr Verfahren bisher ein bloßes Herumtappen, und was das Schlimmste ist, unter bloßen Begriffen, gewesen sei.

Woran liegt es nun, dass hier noch kein sicherer Weg der Wissenschaft hat gefunden werden können? Ist er etwa unmöglich? Woher hat denn die Natur unsere Vernunft mit der rastlosen Bestrebung heimgesucht, ihm als einer ihrer wichtigsten Angelegenheiten nachzuspüren? Noch mehr, wie wenig haben wir Ursache, Vertrauen in unsere Vernunft zu setzen, wenn sie uns in einem der wichtigsten Stücke unserer Wissbegierde nicht bloß verlässt, sondern durch Vorspiegelungen hinhält und am Ende betrügt! Oder ist er bisher nur verfehlt; welche Anzeige können wir benutzen, um bei erneuertem Nachsuchen zu hoffen, dass wir glücklicher sein werden, als andere vor uns gewesen sind? […] (B XVI)

Bisher nahm man an, alle unsere [metaphysische] Erkenntnis müsse sich nach den Gegenständen richten; aber alle Versuche über sie a priori etwas durch Begriffe auszumachen, wodurch unsere [metaphysische] Erkenntnis erweitert würde, gingen unter dieser Voraussetzung zunichte. Man versuche es daher einmal, ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, dass wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnisvermögen richten, welches so schon besser mit der verlangten Möglichkeit einer Erkenntnis derselben a priori zusammenstimmt, die über Gegenstände, ehe sie uns gegeben werden, etwas festsetzen soll.1