: Sabine Wöger
: Trauer und Logotherapie Ein Trauerprozess, logotherapeutisch begleitet und kommentiert, für Trauernde und Begleitende
: Books on Demand
: 9783695164417
: 1
: CHF 11.50
:
: Medizinische Fachberufe
: German
: 302
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dieses Buch richtet sich an Menschen in Trauer ebenso wie an jene, die Trauernde einfühlsam, individuell und authentisch begleiten möchten. Es lädt die Leser*innen ein, logotherapeutisch kommentierten Gesprächen zu folgen und Einblick in die innere Erfahrungswelt einer Hinterbliebenen zu gewinnen. Die Autorin begleitete ihre Klientin Lisa über einen Zeitraum von etwa einem Jahr, nachdem deren Ehemann im Alter von 53 Jahren an einer Krebserkrankung verstorben war. Im Mittelpunkt steht ein Menschenbild, das den Einzelnen nicht als Fall, sondern als fühlendes und sinnsuchendes Wesen versteht. Trauer wird nicht als Problem begriffen, sondern als natürliche Reaktion auf einen existenziellen Verlust. Weder der Sinn des Lebens noch jener des Todes muss zwingend gefunden werden; auch Zweifel, Zorn und Groll, selbst gegenüber Gott, dürfen ihren Ausdruck finden. Der Umgang mit dem Schicksal, Fragen nach dem, was jenseits menschlicher Gewissheit liegen könnte, sowie die Suche nach sinnstiftenden Wegen der Lebensgestaltung in einer veränderten Identität prägen die Gespräche. Ergänzt werden die dialogischen Passagen durch eine Innenschau, in der die Autorin nach jedem Kapitel ihre fachlichen Überlegungen sowie persönliche Resonanzen reflektiert und den Leser*innen vertiefende Einblicke in den therapeutischen Prozess ermöglicht.

DDDr.in Sabine Wöger, MMMSc, MEd, ist Gesundheitswissenschafterin und Psychotherapeutin mit einer logotherapeutischen und tiefenpsychologischen Ausrichtung. Palliative Care bildet einen Schwerpunkt ihres beruflichen Wirkens. www.sabinewoeger.at

DIE ERSTE BEGEGNUNG


Bemerkst du die Betrübnis
hinter meinem Lächeln?
Nimmst du wahr, was mich im Kern bewegt?
Wenn nicht, besänftige deinen aufgewühlten Geist.

Die Trauer

ACHTSAM BEGINNEN


Es ist 14:12 Uhr.Liegt womöglich ein Missverständnis vor? Vielleicht wurde der 14-Uhr-Termin per E-Mail storniert, geht es mir durch den Sinn. Ich gehe in den Vorgarten, um nach meiner Klientin Ausschau zu halten. Ein sportlicher Kleinwagen biegt mit überhöhter Geschwindigkeit in die Gasse ein, in der mein Ehemann Wolfgang und ich wohnen. Ich winke meiner Klientin zu, sie bremst abrupt und parkt den Pkw entlang dem Gartenzaun.

Ah, da sind Sie ja. Herzlich willkommen!“

„Hallo!“

Zwischen dem Außenspiegel des Autos und der Gartenmauer hat gerade mal ein Kugelschreiber Platz.

„Mutig!“, kommentiere ich das Einparkmanöver.

„Richtig parken will gelernt sein“, kommt es schlagartig zurück.

Lachend reichen wir einander die Hände zum Gruß. Lisa tritt dynamischen Schrittes ein.

„Ich freue mich, Sie kennenzulernen.“

„Gleichfalls. Tut mir leid, ich bin zu spät dran. Meine Freundin hat mich zum Mittagsbrunch eingeladen, ein klassischer Fall von Verzettelung. Danach habe ich auch noch im Stau gestanden.“

„Seien Sie wegen der wenigen Minuten Verspätung unbesorgt. Hauptsache, Sie sind gut angekommen. Falls es Sie beruhigt, ich empfange nach unserem Gespräch heute niemanden mehr.“

„Perfekt. Ich habe vergessen, Ariane zum Geburtstag zu gratulieren