: Ralph Neubauer
: Der Schein betrügt Südtirolkrimi Band 4
: Athesia-Tappeiner Verlag
: 9788868392031
: 4
: CHF 8.80
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Todesfälle, die zunächst kein Verbrechen vermuten lassen, mysteriöse Begegnungen, ein schweigsamer Künstler, ein rätselhafter Verkehrsunfall, ein glasklarer Mord. Alles steht miteinander in Verbindung. Diese Zusammenhänge sind für die Ermittler schwer zu durchschauen, zumal auch ein Mord nahe der Königsallee in Düsseldorf damit zu tun hat. Es geht um den internationalen Kunsthandel und seine Auswüchse. Fälschungen, Betrug, schmutziges Geld, das in den legalen Wirtschaftskreislauf eingebracht wird. Fabio Fameo, Tommaso Caruso und Francesca Giardi sind im Pustertal unterwegs. Eine interessante Schlossherrin aus diesem Tal hilft. Dieser Krimi führt die Leser in die Städte Bruneck, Brixen und Meran.

Ralph Neubauer, 1960 in Düsseldorf geboren, lebt seit 1987 in Haan im Rheinland. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Vor seiner Pensionierung war er vier Jahre bei Amtsgerichten und 36 Jahre im Justizministerium in Düsseldorf in verschiedenen Positionen tätig. Seit 2010 schreibt er für den Athesia-Tappeiner Verlag die erfolgreiche Reihe Südtirolkrimi, mit der er sich an Geschichte, Tradition, Brauchtum, Lebens- und Denkweise in Südtirol herantastet.

Zwei


(Tag 1 – Montag – früher Abend)


Elisabeth wollte mit Fabio heute Abend ins Theater. Sie hatten Karten für »Der Tiger, das Kreuz und der Antichrist«, ein modernes Stück, das schon vor seiner Premiere für Aufregung gesorgt hatte. Im vorwiegend katholischen Südtirol waren Anspielungen auf christliche Riten und Gebräuche heikel.

Elisabeth hatte die Karten bestellt, bevor die Entrüstungswelle durch den Blätterwald gerauscht war. Jetzt war sie neugierig darauf, worüber sich die Südtiroler so aufregten. Das fand sie noch spannender, als das Stück selbst. Von dem hatte sie nur gelesen, dass es in Deutschland auf vielen Bühnen aufgeführt worden war – ohne dass es Proteste gegeben hatte.

Elisabeth und Fabio waren seit zwei Wochen von ihrer Hochzeitsreise zurück. Drei Wochen waren sie unterwegs gewesen. Länger hatte Elisabeth ihren Mitarbeiterinnen den Betrieb ihrer Apotheke nicht zumuten wollen. Es war eine herrliche Zeit gewesen. Ihre Hochzeitsreise hatten Elisabeth und Fabio ihren Freunden Anna und Tommaso nachgemacht. Die waren vor mehr als 25 Jahren mit einem kleinen Koffer in den Bus zum Gardasee gestiegen und hatten dort in einer einfachen Pension ihre Flitterwochen verbracht. Kurz entschlossen hatten Elisabeth und Fabio im Frühjahr zwei kleine Koffer in Fabios neu erworbenes, aber an Jahren altes Auto gepackt und waren mit der flotten, innen aber sehr engen Lancia Fulvia aufs Geratewohl losgefahren. Zunächst Richtung Gardasee.

Fabio hatte die Reise auch sehr gut gefallen. Aber nachdem sie zurück im Alltag waren, hatte es nicht lange gedauert und er war unruhig geworden. »Die Questura Bozen ist schon ziemlich klein«, hatte er zum Beispiel gesagt, als sie beim Abendbrot zusammensaßen. Elisabeth ahnte, was in Fabio vorging. Er hing in Gedanken immer noch den vermeintlich spannenderen Fällen nach, die er in Rom bearbeiten konnte, bevor man ihn nach Bozen versetzt hatte.

»Du kannst aber nicht sagen, dass du hier langweilige Fälle hattest«, hielt Elisabeth ihm entgegen. Fabio hatte seit dem Sommer des vergangenen Jahres drei dicke Mordfälle aufklären müssen. Schwierige Fälle, verzwickte Verstrickungen. Einmal war er dabei sogar in Lebensgefahr geraten.

»Und mir gefällt es, dass es hier übersichtlicher zugeht, als in den Großstädten dieser Welt.« Sie hatte ihn genau beobachtet, während sie sprach. Ihre Ehe war schnell, sehr schnell geschlossen worden. Im Frühsommer des vergangenen Jahres hatten sie sich kennen gelernt, im Herbst schon geheiratet. Sie zweifelte nicht daran, dass er der Richtige war. Aber würde er sich hier auf Dauer zu Hause fühlen?

Fabio wechselte das Thema. Und Elisabeth erkannte langsam, was es bedeuten konnte, mit einem Polizisten verheiratet zu sein, der seinen Beruf als Berufung verstand.

Elisabeth hatte daher beschlossen, ihm das Leben in Südtirol näher zu bringen. Das Kulturleben, die sehr gute Küche, die ihr Fabio erst in Ansätzen kennen gelernt hatte. Kurz: Sie wollte ihm die schönen Seiten des Lebens zeigen. Und deshalb hatte sie auch die Premierekarten bestellt.

Das Stück war eher langweilig, fand Elisabeth. Der Stückeschreiber war Ire und hatte in diesem Stück alles Mögliche aufgearbeitet. Vordergründig ging es um das irische Schicksal, die wechselvolle Geschichte voller Unterdrückung, Gewalt, aber auch erlebter Armut. Hintergründig hatte der Autor seine eigenen Probleme mit der väterlichen Autorität u