Schock
Beate
Ist Ihnen schon einmal eine wirklich schlimme Nachricht überbracht worden? Dann kennen Sie das: Die völlige Ablehnung dieser Nachricht, das Nicht-Wahrhaben-Wollen. »Das kann nicht sein, das darf nicht sein, nicht mir darf das passieren, ich bin in einem ganz schlechten Albtraum!«
Dieser Schock, der einem in die Glieder fährt, der nichts mehr sein lässt, wie es war. Das Leben steht still. Alle Geräusche sind ausgestellt, alle Farben verlieren ihre Intensität, alles, was vorher wichtig war, verschwindet in die Bedeutungslosigkeit. Der Schmerz ist erst gar nicht richtig zu spüren. Aber man weiß, wenn ich ihn spüre, werde ich ihn nicht aushalten.
Ich funktioniere nur noch, ich kann nichts mehr fühlen, nicht mehr denken und bin nicht fähig zu handeln. Am liebsten möchte ich bewusstlos werden, einen Schalter zum Ausstellen finden oder mich in Narkose versetzen lassen.
Schock lähmt, er nimmt mir die Fähigkeit zu denken, er schneidet mich von meinen Gefühlen ab, er lässt mich die Realität verkennen.
Scho-Hi-An – plötzlich ohne Plan
Sabine
Scho-Hi-An, zugegeben: Klingt ein wenig nach einer asiatischen Sportart; soll aber als Abkürzung für die Worte Schockstarre, Hilflosigkeit und Angst stehen.
Um die nämlich soll es hier gehen im ersten Kapitel unseres Buches, und die meistens dann eintreten, wenn wir urplötzlich eine medizinische Diagnose bekommen, die alles andere erst einmal nach hinten rücken lässt.
Wir leben unser Leben. Es ist in sehr vielen Fällen lebenswert. Wir werden in die Welt gesetzt und wenn es mehr als gut, fast optimal läuft, dann werden wir von unseren Eltern mit bedingungsloser, ungeschuldeter Liebe und Geborgenheit versorgt und in einem sicheren Familienbund großgezogen. Dann brechen wir irgendwann in unser eigenes Leben auf und versuchen uns zu finden und uns mit dem Rüstzeug, dass uns zur Verfügung steht, durch unser Leben zu wurschteln. Manchmal wurscht