: Heinrich Spoerl
: Die Feuerzangenbowle Eine Lausbüberei in der Kleinstadt
: Books on Demand
: 9783695756568
: Heinrich Spoerl - Gesammelte Werke
: 1
: CHF 7.00
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: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 188
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die mehrfach verfilmte Erzählung Heinrich Spoerls öffnet mit der Tabak und Wein geschwängerten Zusammenkunft gesetzter Herren, in deren Zentrum eine Feuerzangenbowle steht. Unter ihnen weilt der seinerzeit durch einen Privatlehrer unterrichtete, mittlerweile arrivierte und gefeierte Romancier und Dichter Hans Pfeiffer. Der durch den Weingenuss erzeugten beschwingten Atmosphäre entspringt eine ebenso gewagte wie wunderliche Idee: Pfeiffer soll die allgemeine Jugenderfahrung schlechthin nachholen - er soll im Mannesalter eine öffentliche Schule besuchen und dabei die Freuden, die Leiden und die kleinen Abenteuer eines Pennälers durchleben. Obwohl eine abendliche Snaps- bzw. Weinidee hält die Neugier auf die ihm fremde Welt einer Schule Pfeiffer auch am nächsten Morgen gefangen und er beginnt das der Feuerzangenbowle entsprungene Vorhaben umzusetzen. Nicht bloß sein Äußerliches und seine übrige Erscheinung passt er im hierfür erforderlichen Umfange an, sondern auch sein Wesen und seine Wahrnehmung unterliegen einer unbeabsichtigten Metamorphose, die auch vor seinem Herzen nicht Halt macht. Ziel seiner Verwandlung ist das Gymnasium der Kleinstadt Babenberg. So setzt Pfeiffer zu einer Reise in eine Vergangenheit an, die er zuvor niemals erlebt hat.

Heinrich Spoerl (1887-1955) war Doktor der Rechtswissenschaften und praktizierender Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Düsseldorf. Als Literat wurde er einem größeren Publikum erst in den 1930er Jahren mit einer Reihe ebenso humorvoller wie erfolgreicher Romane bekannt. Als Drehbücher für Kinofilme der Vor- und Kriegszeit fanden sie beim Publikum nicht weniger Anklang, z.B. für So ein Flegel (1934), Wenn wir alle Engel wären (1936), Der Maulkorb (1938), Die Scheidungsreise (1938), Der Gasmann (1941), Das andere Ich (1941) und Die Feuerzangenbowle (1944). Daneben schuf Spoerl zahlreiche Kurzgeschichten, heraus-gegeben in zwei Bänden (Man kann ruhig darüber sprechen und Ich vergaß zu sagen). Mit Die weiße Weste (1947) schrieb Spoerl zudem ein Theaterstück.

Dieser Roman ist ein Loblied auf die Schule,
aber es ist möglich, dass die Schule es nicht merkt.

Eine blutrote, dampfende Flüssigkeit. Männer hocken um sie herum. Der eine, der Älteste, hat in eiserner Zange einen dicken, kristallweißen Klumpen und hält ihn über das Gefäß.

Der zweite hat eine verstaubte Flasche in der Hand und gießt eine helle Flüssigkeit über den Klumpen.

Der Dritte setzt ihn in Brand. Eine gespenstische blaue Flamme züngelt hoch. Der weiße Klumpen knistert und fängt an zu schmelzen; dicke, zähe Tropfen lösen sich und fallen zischend in die rote Flut. Und ein leiser, betäubender Dunst zieht durch den Raum, steigt ins Gehirn.

Der vierte rückt die Gläser zurecht, der fünfte öffnet eine Kiste Brasilzigarren. Der sechste rührt das Gebräu.

Der siebente, der Jüngste, darf einschenken.

Geheimrat Froebel erhebt sich.

»Wir haben heute Nachmittag unsern lieben, guten Pavian begraben. — Bitte lachen Sie nicht, meine Herren. Der Pavian hieß eigentlich Schmitz und war unser alter Lateinlehrer. Er hat uns mit Cäsar und Horaz gefüttert, wir haben ihm dafür Maikäfer mit in die Klasse gebracht oder die Tafel mit Fett eingerieben — kennen Sie das nicht? Das ist herrlich: Eine Tafel, die es nicht tut, die sich in schwarzes Schweigen hüllt. — Jetzt hat er seine wohlverdiente Ruhe und keine bösen Buben mehr, die ihn quälen. Hoffentlich fehlt es ihm da oben nicht. Auf sein Wohl!«

Die schweren, dampfenden Gläser klacken aneinander. Der Ventilator surrt, die Kerzen flackern; Rauchwolken ziehen über den Tisch. — »Auf sein Wohl!«

Ȇbrigens, was das anbelangt; er war keiner von