Wenn ich mit Mama und meiner Tante Frieda ans Meer fuhr, war das Kofferpacken immer das Schönste für mich. Bei jedem Stück, das ich einpackte, stellte ich mir vor, wie ich es am Strand benützen würde, und sah die schönen Momente schon vor mir. Für Mama war es eine große Freude, wenn sie mir mitteilen konnte: „Wir fahren ans Meer.“ Sie machte stets ein Geheimnis daraus, damit die Überraschung dann noch größer war. Auch sie fuhr gerne weg, doch hauptsächlich freute sie sich für mich, weil sie wusste, wie viel mir das Meer bedeutete.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass sie jedes Mal am Tag vorhersagte: „Was glaubst du, wo wir morgen um diese Zeit sind?“ Wir konnten es kaum erwarten, und am Abend packten wir die Koffer ins Auto. Dabei schimpfte ich jedes Jahr aufs Neue mit Mama, weil sie so viele Dinge mitnahm, die sie bestimmt nicht brauchte. Wärmflasche, ein weiches Kopfkissen, warme Kleidung – sogar den Wasserkocher! Sie wollte für alles gerüstet sein. Vor Aufregung konnte ich kaum schlafen und war meistens schon wach, als Mama am frühen Morgen den Kopf zur Tür hereinsteckte. Sie ließ es sich nicht nehmen, auch so früh ordentlich zu frühstücken. Während ich nur schnell losfahren wollte, bestand sie darauf, ihren Kaffee und ihr Frühstücksbrot in Ruhe zu genießen. Das führte oft zu Streit, weil ich sie immer wieder drängte.
Endlich angekommen bei Frieda in Bozen, konnte es losgehen, sobald mein Onkel unsere ganzen Taschen irgendwie verstaut hatte. Mama und ich saßen hinten, und sie strahlte mich zufrieden an. Während sie mit Frieda plauderte oder einfach nur aus dem Fenster schaute, hatte ich meist keine Lust zu reden, weil meine Gedanken bereits am Meer waren und sich meine Freude innerlich abspielte. Das ärgerte meine Tante, die von mir erwartete, dass ich meine Freude offen zeigte. Ich glaube, das war unser Problem. Durch die schmerzlichen Erfahrungen meiner Kindheit und all die Verletzungen war ich an den Punkt gelangt, meine Gefühle tief in mir zu verschließen. Eigentlich wünschte ich mir damals, nichts mehr zu fühlen; da das jedoch nicht möglich war, verbarg ich meine Gefühle, um mich zu schützen. Mama war wohl die Einzige, die das irgendwie verstand. Ich glaube, sie spürte meine Liebe mit dem Herzen, auch wenn sie sie oft nicht sehen konnte. Als wir endlich die Berge hinter uns ließen und in die Ebene eintauchten, spürte ich, wie sich die Enge in mir löste, und ich fühlte mich, als würde ich von einem zu engen Korsett befreit.
Als das Meer schließlich zum ersten Mal am Horizont auftauchte, schaute Mama immer voller Freude zu mir hinüber und sagte