2 ZUERST EIN PAAR GRUNDTECHNIKEN
2.1 SEI UNBEQUEM
Benommen liege ich auf dem Boden, der Atem rasselt, mein Blick flackert unter halbgeschlossenen Lidern. Ich rolle mit den Augen.„Ernsthaft? Auch das noch?“
Der letzte Kick – etwas zu hoch ausgeführt – hat mich die Balance gekostet. Mein Standbein rutschte auf dem schweißnassen Hallenboden ab, und der Boden begrüßte mich erbarmungslos. Ich blicke kurz zum Prüfungskomitee – mein Meister unter ihnen – und signalisiere mit einem Nicken: „Alles gut. Ich bin noch im Spiel. Ich kann weiterkämpfen!“
Ich bin mitten im dritten Kampf meiner Schwarzgurtprüfung – und langsam stoße ich an meine Grenzen. Der Atem geht schwer, meine Lunge brennt. Schweiß läuft mir in die Augen und nimmt mir die Sicht. Ich bin durstig, erschöpft, und mein Körper fühlt sich einfach nur leer an.
Doch der größte Teil der Prüfung liegt bereits hinter mir. Noch bevor der Freikampf begann, mussten wir einen zweistündigen Lehrgang absolvieren. Danach folgten die Formen, der Stock-und Messerkampf, die Selbstverteidigungsprüfung und der Ein-Schritt-Kampf. Den Höhepunkt bildete der Bruchtest: ein Schlag mit der Innenhandkante, der den Ziegel zertrümmerte. Dabei habe ich mir einen kleinen Schnitt am Handgelenk zugezogen – spürbar und unangenehm, aber nichts Ernstes!
Aber meine gesamtkörperliche Verfassung ist nicht gut. Ich bin nach all diesen Aufgaben körperlich am Ende und ich habe Schmerzen. Meine Muskulatur fängt schon langsam an zu streiken und meine Knie werden immer weicher. Aber ich will definitiv die nächste Stufe erreichen! Ich kann jetzt nicht aufhören! Ich stehe auf und nehme meine Kampfposition ein, der Ringrichter gibt das Signal… weiter geht’s!
Irgendwie ist es doch jedem klar, dass Kampfsport-Training anstrengend, fordernd und unangenehm sein kann. Manch einer versteht sogar, dass Training, egal welcher Art, unangenehm sein MUSS, da wir ohne die Qual der Anstrengung nie an den Punkt kommen würden, an dem unsere Muskulatur expandiert, größer wird - stärker wird! Trotzdem, wann immer ich im Training stehe – ob als Lehrer oder Trainierender – stelle ich fest, dass der Großteil der Leute oft nur bequem vor sich hintrainiert, anstatt wirklich an seine Grenzen zu gehen. Wann immer ich im Fitness-Studio bin, stelle ich dasselbe fest. Der Großteil der „Trainierenden“ scheint das Training mit einem gemütlichen Flanieren auf der Königsstraße, einer Shoppingmeile in der Stuttgarter Inne