Kapitel 1 – Ein bedeutender Sieg
Zu meiner Zeit wussten wir noch genau, wie der Wert eines Weibes gemessen werden musste. In erster Linie entschied ihre Schönheit darüber, ob es sich lohnte, für einWip zu kämpfen. Exotische Damen fielen auf und wurden daher von den Herren bevorzugt. Die Tochter eines portugiesischen, bretonischen oder schwedischen Fürsten war allemal eine hervorragende Partie hier in der Mitte desSacrum Romanum Imperium, des „Heiligen Römischen Reiches“. Mehren konnte eine Frau ihren Wert noch durch die Heirat mit einem mächtigen Mann. Ihr fragt euch sicher, warum ich euch dies erzähle? Das ist recht einfach, weil meine erste Erinnerung an jene Ereignisse von einemWip bestimmt sind.
Der damals größte und stärkste Schildknappe im Herzogtum hatte mit einer jungen Dame zu tun. Ja, mit dem, was ihr als 1,68 benennt, war ich fast genauso groß wie mein Ritter. Und ich war ebenso breit wie er. Sicherlich würden das dereinst die edlen Fräuleins schätzen. Das wusste ich schon in jenen Tagen und übte mich in derMinne. Aber dieses Weib, von dem ich euch jetzt erzähle, schien direkt aus der Hölle gekrochen zu sein, um die Männer um den Verstand zu bringen.
Es war die Prinzessin Coletta, Tochter des Herzogs von Teck, Konrad I., und ihm sein liebstes Kind. Ihre Mutter stammte von einem bretonischen Fürstenhof, was der Prinzessin mit den langen, schwarzen Haaren den außergewöhnlichen Reiz verlieh, den es benötigte, um den hohen Wert durch ihre edle Geburt passend hervorzuheben. Ja, die 19 Lenze zählende Coletta, die ihre Stellung sehr bewusst lebte, war eine echte Schönheit. Vielleicht sogar das schönste Weib, welches ich je erblicken durfte, und eine Furie, wie ich nie wieder eine erleben sollte. Vermutlich war dies einer der Gründe, warum sie immer noch nicht vermählt worden war.
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