HINTER DEN TOREN DER TÖTUNGSSTATION – REALITÄT DER HUNDE IN RUMÄNIEN
Alexandria, Rumänien. 27. Juni 2025.
Noch bevor in Deutschland die ersten Pendler den Tag beginnen, klingeln die Wecker. Es ist 6:30 Uhr – in Rumänien bereits eine Stunde später. Vor der Tötungsstation von Alexandria wartet ein 39-jähriger Rumäne. Er ist Tierschützer, sein Ziel klar: Gemeinsam mit einem deutschen Team so viele Hunde wie möglich vor dem sicheren Tod bewahren.
„Wir haben ein Gemeinschaftsprojekt gestartet – unser Mutprojekt“, sagt Eva W. vom VereinHund im Glück. Doch hinter diesem nüchternen Begriff verbirgt sich eine brutale Realität. Im sogenannten „Public Shelter“ werden Straßenhunde nach kurzer Frist getötet – selbst Tiere, die einst ein Zuhause hatten.
Warum „Mutprojekt“? Eva erklärt: „Unser Team besteht aus Menschen, die sich schon länger kennen – auch über gegenseitige Patenschaften. So können wir die Rettungen überhaupt finanzieren. Wir nennen es Mutprojekt, weil wir nie wissen, was uns erwartet: Viele Hunde sind krank, die Tierarztkosten können unüberschaubar werden.“
Um 6:31 Uhr deutscher Zeit betritt der rumänische Fahrer die Station. Nur wenige Menschen haben überhaupt Zutritt. Er darf hinein, weil er den dortigen Tierarzt – von allen nur „Vet“ genannt – seit Jahren kennt. Ohne dessen Einverständnis wäre keine Rettung möglich.
„Good morning, I am at PS, waiting for vet.“
Das Tor ist noch verschlossen. Dahinter kauern apathische Hunde, ausgehungert, verstört – und ohne Hoffnung.
„Die Rettung war für uns kaum auszuhalten. Nachricht um Nachricht kam vom Fahrer: welche Hunde heute sterben sollten“, erinnert sich Eva.
Als der Tierarzt schließlich erscheint, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Fahrer holt Hunde aus den Zwingern, lädt sie in den Transporter und schickt Fotos an das deutsche Team. Per Daumen-Emoji fällt die Entscheidung: Wer darf mit, wer bleibt zurück? Nur zwanzig Tiere finden Platz.
„Wir mussten in Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Als das Bild eines schwarzen Rüden kam, der noch am selben Tag getötet werden sollte, war klar – er musste unbedingt mit!“
Der Fahrer schreibt:
„He will be put to sleep today. Is from January.“
Der Hund saß seit Monaten dort. Sein Schicksal schien besiegelt – bis das Team spontan entschied.
„Wir reagierten atemlos. Erst, wenn die Hunde sicher in ihren Boxen sitzen und dieser Ort hinter ihnen liegt, können wir durchatmen“, sagt Eva.
Doch die Auswahl bleibt gnadenlos. Der „Vet“ drängt zur Eile.
„Unser Fahrer schickte uns Bilder von zwei weiteren Hunden, die noch am selben Tag sterben sollten – wir mussten sie einfach retten. In solchen Momenten fühlt man sich, als würde man Gott spielen. Es ist kaum auszuhalten.“
Der Druck steigt.
„In 30 min I need to finish. The vet will go“, schreibt der Fahrer.
Nach einer halben Stunde sind erst elf Hunde verladen. Eine Nachricht folgt der anderen:
„They will be put to sleep.“
„The brown one is new, can’t go.“
Zuvor hatte das Team in einem Facebook-Post die gefährdeten Hunde gesehen und erste Entscheidungen getroffen: wer eine Patenschaft erhält, wer eine Chance bekommt. Doch in Alexandr