: Anna Liu
: Die Brennende Feder
: Books on Demand
: 9783695752591
: 1
: CHF 8.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 428
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ash Sunday führt das perfekte Leben - zumindest auf den ersten Blick. Doch etwas stimmt nicht: Mitschüler, die ihn nicht kennen. Bruchstücke von Erinnerungen, die nicht zusammenpassen. Träume von Orten, an denen er nie war. Gemeinsam mit seinen Geschwistern versucht Ash, das Rätsel seiner Vergangenheit zu lösen. Doch je näher er der Wahrheit kommt, desto mehr gerät seine Welt aus den Fugen. Was, wenn die Familie, die er liebt, auf einer Lüge beruht? Wenn seine Erinnerungen nicht seine eigenen sind? Ash muss sich entscheiden: Will er wissen, wer er war - oder wer er sein könnte? Die brennende Feder ist ein fesselnder Roman über Identität, Verlust und die Flammen, durch die wir gehen müssen, um uns selbst zu finden.

Anna Liu wurde in Ulm geboren und entdeckte schon früh ihre Leidenschaft für Bücher und Fantasiewelten. Bereits als Kind füllte sie ganze Notizbücher mit ihren Geschichten. Die Brennende Feder ist ihr Debütroman. Heute lebt Anna in Hamburg, wo sie als Ärztin arbeitet. Wenn sie nicht gerade schreibt, verbringt sie die Zeit am liebsten mit ihrem Partner, spaziert an der Alster oder reist, um neue Eindrücke und Inspirationen zu sammeln.

1
FREMDE FREUNDE


Das hohle Gurgeln hallte in seinen Ohren wider. Mit beiden Händen spritzte er sich das kalte Wasser ins Gesicht. Er richtete sich auf. Mit einem Schlag auf den Wasserhahn brachte er den Fluss zum Stillstand.

Auf das Waschbecken gestützt betrachtete er seine zitternden Finger, die sich an der Keramik festkrallten. Langsam hob er den Blick. Sein Spiegelbild starrte zurück.

Seine Augen glichen einem Wirbelsturm, ein blasses und ungestümes Grau. Die Haare, so hell, dass sie im Licht mal weiß, mal silbern glänzten, hingen ihm nass ins Gesicht. Sie bildeten einen starken Kontrast zu seiner dunklen Haut. Schnell senkte er seinen Blick wieder.

Ohne sich noch einmal umzudrehen, verließ er das Badezimmer und durchschritt zügig den Gang. Er betrat den Raum, in dem er heute Morgen aufgewacht war.

Morgendliches Licht schien durch ein hohes Fenster und erhellte das ausladende Zimmer. Trotzdem konnte er nur wenige Umrisse erkennen: einen großen Tisch vor dem Fenster, zwei Betten, hohe, breite Schränke und ein paar Sofas um einen kleinen Tisch. Wie von selbst setzten sich seine Beine in Bewegung. Der Boden war kühl und eben, seine Füße erinnerten sich nicht an das Holz. Erst auf dem weichen Teppich inmitten des Zimmers blieb er stehen. Die Fransen kitzelten ihn zwischen den Zehen.

»Ash, wir müssen un