Teil I – Die Währung des Tuns
Alles muss sich lohnen
Ab dem Moment, in dem wir zum ersten Mal eine Schule betreten, werden wir beurteilt. Von da an lernen wir, Nutzen und Ertrag gegen Aufwand und Kosten abzuwägen. Jeder, der einmal eine Prüfung geschrieben hat, kennt das nagende Gefühl kurz davor – die Frage:Wo lasse ich eine Lücke?
Nach der Schule, im Studium oder im Beruf geht es weiter. Nur heißen die Maßstäbe nun anders: Verkaufszahlen, Leistungskennziffern, Zielvereinbarungen. Und auch wir selbst beginnen zu bewerten. Strebe ich eine Beförderung an? Suche ich einen neuen Arbeitgeber? Wie viel verdiene ich pro Stunde? Lohnt es sich?
Das Denken in Bewertung und Ertrag prägt uns tief – es wird Teil unserer Bewältigungsmechanismen, seit jenem ersten Tag in der Schule.
Alles muss sich lohnen. Es muss sich messen, verbessern, rechtfertigen lassen. Es soll Anerkennung bringen – und am besten sichtbar Erfolg zeigen. Doch wo findet Kreativität in diesem System ihren Platz? Was geschieht mit ihr, wenn alles auf diese Schlagworte reduziert wird?
Vielleicht liegt das Ziel an einem anderen Ort. Finden wir es heraus.
Selbstoptimierung
„Perfect is the enemy of good” (Voltaire)
Wie ich schreibe, hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ich erinnere mich gut an meine ersten Versuche: In meinem Kopf drängten sich hunderte Ideen, ungefiltert und laut. Sie alle wollten hinaus – am besten sofort. Ohne roten Faden, ohne Ruhe ergoss sich die Kreativität über die Seiten, und das Ergebnis war, wie es sein musste: unausgegoren, überbordend, ohne Halt.
Heute schreibe ich anders. Ich bereite mich vor, fast wie auf ein kleines Ritual. Eine Tasse Kaffee, ein klarer Schreibtisch, ein Moment der Stille. Ich gönne mir das Privileg, kreativ sein zu dürfen – diesesDürfen ist der Unterschied. Es bedeutet, mir Zeit zuzugestehen. Ein Luxus, der mir selbst lange