2. Atmung – ein ganzheitlicher Blick auf Anatomie und Physiologie
Christina Stark
„Atem ist Leben.“
Dieser oft zitierte Ausspruch von Dr. J. L. Schmitt beschreibt nicht nur die Tatsache, dass unser Körper schon nach wenigen Minuten ohne Atmung an lebenswichtigen Funktionen des Körpers Schaden nimmt, vielmehr verdeutlicht er den beeindruckend ganzheitlichen Ansatz, mit dem der Atemdoktor die Bedeutung der Atmung für Körper, Geist und Seele erfasste.
Die primäre Funktion der Atmung ist der Gasaustausch. Dieser umfasst die Aufnahme von O2 über die Lungen ins Blut und in jede einzelne Zelle, um dort die sogenannte Zellatmung zu ermöglichen, sowie die Abgabe des CO2, welches im Rahmen der (über)lebenswichtigen Energiegewinnung als Abbauprodukt anfällt. Für die äußere Atmung ist ein komplexes Zusammenspiel von Lunge und Atempumpe erforderlich. Die Atempumpe wird gebildet aus dem Zwerchfell, der Atemhilfsmuskulatur, aus allen knöchernen Anteilen des Rumpfes, sowie den beteiligten Strukturen des zentralen und peripheren Nervensystems (vgl.2.1).
Der Organismus passt die Atmung fortlaufend an die Gegebenheiten und Erfordernisse des atmenden Wesens an. Mit großer Variabilität reagiert die Atmung auf interne und externe Reize und vermag so den Körper leistungsfähig und in Balance zu halten. Das Atemzentrum empfängt vielfältige Informationen aus der Lunge, dem Blut, der Muskulatur, den Gelenken, aber auch aus wichtigen Arealen des Zentralen Nervensystems. Es verarbeitet diese Signale und reagiert entsprechend mit einer Steigerung oder einer Reduzierung der Atemtätigkeit. Als wären die Mechanismen der Atemregulation nicht schon komplex genug, besitzt der Mensch die besondere Fähigkeit, diese Vitalfunktion willkürlich zu beeinflussen und kann sich damit „die dem Menschen zu Gebote stehenden Mächte der Atmung“