ERWACHEN AM RIO NAPO
NINA KETT
Es ist laut. Um mich herum ein Surren, Gurren und Gurgeln. Ein Schlitz lässt tiefste Dunkelheit herein, dann erblicke ich Reste von Glut, die den Boden ein wenig erhellen. Wo bin ich? Von unten steigt warme Feuchtigkeit auf. Ich versuche, den Kopf zu heben. Schwarze Baumsilhouetten vor einem tiefblauen Sternenhimmel.
Kann ich mich bewegen?
Der Kopf sackt nach unten, eine säuerlich stinkende Pfütze rast mir entgegen. Im letzten Moment kann ich mich fangen. Ein paar Reflexe sind also noch vorhanden.
Ich setze mich hin und starre auf meine Hände. Sehe nur dunkle Umrisse im matten Licht des fast erloschenen Feuers. Vorsichtig fahre ich die Linien auf meiner rechten Hand mit dem Zeigefinger der Linken nach. Irgendwie schön, wie eine Landkarte zerfurcht, die Welt darauf gemalt. In der Mitte eine tiefe Einkerbung, der Rio Napo, Ecuador. Wie passend. Hier bin ich doch! Irgendwo im Nichts. Mit Sarita, mit Anke, die mich überhaupt erst hierhin gebracht hat.
Leer. Ich fühle mich so leer und leicht. Langsam hebe ich erneut den Kopf. Am Horizont wird es schon etwas klarer, ein schmaler Streifen hellblau in der Ferne, die Sterne blasser. Das Kreuz des Südens ist noch gut zu erkennen.
Irgendwo brüllt ein Tier. Das Summen und Zwitschern geht unbeirrt weiter.
In meiner Erinnerung war es vorhin noch tiefste Nacht, funkelnder Sternenhimmel, unterschiedlichste Tierstimmen durcheinander. Sarita hat behauptet, wir würden den heiligen Jaguar hören. Ich glaube, es war eher das Kreischen von Paco, dem durchgeknallten Kapuzineraffen in dem kleinen Dorf, neben dem sich die Arco Iris Sacred Retreat Lodge befindet. Oder ein Pekari, eins von diesen seltsamen Dschungelschweinen. Das Feuer brannte hoch, Qualm stieg auf.
Jetzt ahne ich hinter mir das große Langhaus, vor dem wir die Zeremonie durchgeführt haben, ein stummer Schatten in meinem Rücken.
Wo sind die