Prolog
Um sie herum herrschte Chaos. Vor Kurzem hatte sie noch nichtsahnend in ihrem Bett gelegen. Nun rannte Rose barfuß in die Nacht hinein. Vorbei an brennenden Häusern, schreienden Menschen – und das immer noch im Nachtgewand. Dieses war für eine Flucht nicht unbedingt geeignet. Es verfing sich viel zu oft in ihren voraneilenden Beinen und lief ständig Gefahr in Brand zu geraten.
Ohne stehen zu bleiben, griff sie sich den rüschenbesetzten Saum und riss ihn mit einer kräftigen Bewegung ab. Jetzt bedeckte der dünne Stoff zwar kaum noch ihre kalten Knie, doch immerhin riskierte sie nicht bei jedem Schritt hinzufallen.
Sie steigerte ihre Geschwindigkeit, schrak jedoch zur Seite, als neben ihr eines der in Flammen stehenden Gebäude in sich zusammenstürzte. Mit einem Aufschrei wich sie vor der Welle aus heißer Asche zurück. Dabei stolperte sie über einen Stein und landete im nächsten Moment auf dem rußgeschwärzten Boden.Schneller, Rose! Sonst kriegen sie dich, befahl sie sich selbst. Sie wusste zwar noch nicht genau, vor wem sie floh, aber das war ihr in diesem Moment egal. Sie hatte dringlichere Sorgen.
Beim hastigen Aufstehen bemerkte sie zuerst nichts. Doch als sie weitereilte, verspürte sie am Rand ihres Bewusstseins einen ziehenden Schmerz.Verdammt! Ich habe mir den Knöchel verstaucht. Aber ich darf jetzt nicht langsamer werden!
Den Schmerz ignorierend, warf sie einen flüchtigen Blick über ihre Schulter. Hinter ihr war die nächtliche Schwärze von zuckenden Schatten und Lichtern erfüllt. Schreie hallten durch die Nacht und sie musste hilflos mit ansehen, wie ihr Heimatdorf zu Asche zerfiel.Nicht ablenken lassen!
Sie wandte ihr Gesicht wieder nach vorne, zum Ausgang des Dorfes. Neben ihr rannten schemenhafte Gestalten durch den beißenden Rauch. Die ängstlichen Gesichter wurden durch den rötlichen Schein der Feuersb