Kapitel 1 – Call of Duty
Die Verluste der letzten Operation beliefen sich auf rund sechzig Prozent von vier Korps, mehrere Hunderttausend Tote und Verwundete. Da die Transportkapazitäten nicht ausreichten, war das Hauptquartier der Westfrontarmee über lange Zeit ein Leichenlager geblieben. Noch jetzt hing dort ein schwacher Hauch von Verwesung in der Luft.
„Strike Package Eighty-Six – das Unabhängige Mobile Angriffsbataillon.“ Trotz des Frühlings lag eine eigentümliche Kälte in der Luft, als Generalmajor Richard Altner, Kommandeur der 177. Panzerdivision und Befehlshaber des Einsatzkontingents für die ehemalige Republik San Magnolia, diesen Namen aussprach. „Eine unabhängige, hochmobile Einsatztruppe für gezielte Schläge gegen die Legion. Ausgestattet mit Reginleif-Einheiten – de facto eine Fremdenlegion, bestehend aus den Eighty-Six. Und nun … setzen sie sich in Bewegung. Gemeinsam mit ihrer Königin.“
Er wandte den Blick vom Gästequartier, in dem die Offizierin aus der alten Republik untergebracht war, und sah über den aufsteigenden Dampf seines Ersatzkaffees hinweg seinen Gesprächspartner an.
„Glauben Sie, das geht gut?“
„Zumindest was die Kampfkraft betrifft, habe ich keine Bedenken.“ Generalstabschef Willem Ehrenfried der Westfrontarmee antwortete mit gewohnt kühler Gelassenheit. In den fein geschnittenen, fast makellosen Zügen eines Sprosses des Kaiseradels lag ein Hauch von schneidender, kalter Ironie.
„Die geretteten Eighty-Six sind größtenteils das, was sie selbstNummerierte nennen – Veteranen, die jahrelang in Sektor 86 überlebt haben, wo die jährliche Überlebensrate unter 0,1 Prozent liegt. Selbst im Vergleich zu unseren regulär ausgebildeten Soldaten kann man sie ohne Übertreibung Elite nennen. Aus rein militärischer Sicht wäre es Wahnsinn, auf sie zu verzichten.“
Auch wenn es nur Ersatzkaffee war, wurde er für die Generäle von einem Adjutanten sorgfältig gebrüht und in weiße Porzellantassen eingeschenkt – wenigstens ein Hauch von Eleganz. Der Duft war leicht blumig und süß, offenbar mit etwas zugesetztem Aroma, und Willem genoss ihn ruhig, ehe er weitersprach: „Dank ihnen haben sich auch die Reginleif als wirklich brauchbar erwiesen. Allein i