Was ist das für ein grauer, trostloser Ort, an dem ich gelandet bin? Alles hier wirkt… falsch. Wo sind die anderen? Und wie bin ich hierhergekommen? Ich schaue mich um, und mein Herz zieht sich zusammen. Die Luft ist schwer, dick wie Nebel, aber ohne Feuchtigkeit – eher wie Staub, der sich auf alles gelegt hat, sogar auf meine Gedanken. Der gesamte Ort scheint jeglicher Farbe beraubt zu sein. Alles wirkt abgestorben. Der Himmel über mir ist bleiern, ohne Sonne, ohne Bewegung, ein einziges endloses Grau. Die Bäume sind kahl, ihre Äste ragen wie verkrüppelte Finger in den Himmel, als würden sie um Erlösung flehen. Die Grashalme unter meinen Füßen sind trocken, brüchig, kaum mehr als Schatten ihrer selbst, sie knistern bei jeder Bewegung, als würde ich über Knochen gehen. Es fühlt sich an, als hätte die Welt selbst aufgehört zu atmen. Keine Magie, kein Leben, nur Leere.
Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Ich versuche mich zu erinnern, wie ich hierhergekommen bin. Gaia… ja, Gaia hat noch davon gesprochen, dass eines von uns Juwelen kein wirkliches Juwel sei. Ihre Worte hallen jetzt mit bedrohlicher Klarheit in meinem Kopf nach. Damals klang es kryptisch, wie eine Warnung aus einem Traum – jetzt ist es eine Last auf meiner Brust. Mein Herz hämmert gegen meine Rippen, als wolle es entkommen. Aber warum? Und warum wurde ich hierhergebracht?
Während ich mich umsehe, fällt mir ein Gebäude in der Ferne auf. Es ist ein altes Holzhaus, das aussieht, als stamme es direkt aus einem Horrorfilm. Es steht allein inmitten der leeren Weite, sein Dach schief, seine Fassade verwittert und zerfallen. Das Holz ist vom Wetter gezeichnet, fahl und aufgerissen, als würde das Haus selbst stöhnen. Fenster, schwarz wie tote Augen, blicken leer in die Landschaft. Der Wind weht durch gebrochene Scheiben, und irgendwo knarrt etwas, obwohl alles still ist. Die düsteren Türmchen ragen wie gruselige Finger in den grauen Himmel.
Meine Lippen verziehen sich zu einem bitteren Lächeln. Ein Klischee. Ein verdammtes Horrorfilm-Klischee. Großartig.
Ich bleibe stehen, mein Blick fixiert auf das unheimliche Haus. Es scheint zu atmen, als würde es mich beobachten, mich einladen. Ein Schauer jagt mir erneut über den Rücken, diesmal tiefer, fast bis ins Mark. Es ist, als ob der Boden selbst mich nicht tragen will, als ob ich ein Eindringling wäre. Der Wind wird kälter, flüstert in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Meine Gedanken rasen.
"Warum ausgerechnet ich? Wieso bin ich hier? Und was, wenn mir jetzt ein gruseliges Hinterwäldler-Seniorenpaar die Tür öffnet?"
Kalter Schweiß bricht auf meiner Stirn aus. Aber dann schüttle ich den Kopf. Reiß dich zusammen! Du musst klopfen. Mit zitternden Schritten nähere ich mich dem Haus. Die knarrenden Holzstufen der Veranda ächzen unter meinen Füßen, und jeder Laut scheint von der Stille verschluckt zu werden. Es ist, als würde der Ort selbst Geräusche einsaugen und in der Dunkelheit ersticken. Über mir knarrt ein morscher Holzbalken, als wollte er zusammenbrechen. Der Schaukelstuhl am Eingang schwingt sanft im Wind, daneben eine verrostete Schrotflinte.
Ich halte den Atem an.
„Bitte, Hekate, lass es kein Seniorenpaar sein.“
Ich zögere kurz, bevor ich die Klingel drücke. Das metallische"Ding-Dong" hallt durch das Haus. Es klingt, als würde der Klang in einem endlosen Flur aus Leere widerhallen. Schritte. Langsame, schleppend