TEIL I: DIE GEBURT DES DENKENS AUS DEM STAUNEN
Kapitel 1: Das Erwachen aus dem mythischen Schlaf
„Der Anfang der Weisheit ist das Staunen." –(zugeschrieben Aristoteles, überliefert über Platon)“.
Es gibt einen Moment in der Geschichte der Menschheit, der alles verändert. Einen Moment, in dem der Mensch aufhört, die Welt einfach hinzunehmen, und anfängt zu fragen.
Dieser Moment ereignet sich nicht plötzlich. Er ist kein Blitz, der vom Himmel fährt. Eher ein Erwachen aus einem langen Traum – ein Prozess, der Jahrhunderte dauert und dessen Spuren wir bis heute in uns tragen.
Bevor die Philosophie geboren wurde, lebte der Mensch im Mythos.
Die Welt des Mythos
Stellen Sie sich vor: Sie leben im antiken Griechenland, sagen wir, im achten Jahrhundert vor Christus. Die Sonne geht auf, und Sie wissen, dass Helios seinen goldenen Wagen über den Himmel lenkt. Ein Gewitter bricht los, und Sie zittern vor Zeus, der seine Blitze schleudert. Das Meer tobt, weil Poseidon zornig ist. Eine Krankheit befällt Sie, weil Sie einen Gott erzürnt haben.
Die Welt ist voll von Göttern. Sie ist lebendig, beseelt, durchdrungen von Absichten und Willen. Nichts geschieht ohne Grund – aber dieser Grund ist nicht rational, sondern personal. Die Götter sind