: Edward Ondrej von Schlesinger
: Die Wappengenossenschaft Gozdawa und deren Abwand-lungen mit lateinisch-kyrillischen und kyrillisch-lateinischen Konvertierungstabelle der Geschlechternamen
: Books on Demand
: 9783695139361
: Schriftenreihe für angewandte Sozialgeschichte StudIaS - Heraldik
: 1
: CHF 22.20
:
: Gesellschaft
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die StudIaS Reihen richten sich an eine breit gefächerte Gruppe von Lesern: Angefangen bei Personen, die mehr über einen entsprechenden Namen der Szlachta erfahren möchten, über versierte Genealogen und Heraldiker, welche forschungsbedingt in Gebiete vorstoßen, in denen sie nicht bewandert sind bis zu Fachleuten wie Politologen spezialisiert auf Demokratie- und Migrationsforschung, Akkulturations-, Inkulturations- und Assimilierungsprozesse, Historiker, die sich mit Umformungen im östlichen Europa beschäftigen, bis zu langfristigen gesellschaftlichen Wandel analysierenden Soziologen. Dementsprechend beinhaltet es neben hoch spezialisierten Elementen der Genealogie und Heraldik auch grundlegende Einführung in die Gesamtproblematik historischer, gesellschaftlicher und juristischer Ebene der Adelsrepublik Polen-Litauen. Gozdawa ist eine der ältesten und mit 528 Geschlechtern einer der größten Wappengenossenschaften, die in der Adelsrepublik Litauen-Polen, sehr einflussreiche Familien angehörten. Sie brachte mehrere bedeutende Persönlichkeiten hervor, die auch zu großer Anzahl in den beiden Kammern des Reichstags vertreten waren. Einmalig ist die Erstellung einer verbindlichen Transliterierungstabelle der Namen der jeweils zugehörigen Geschlechtern aus dem Lateinischen ins Kyrillische und rückwärts aus dem Kyrillischen in das lateinische Alphabet.

In der Serie Wappengenossenschaften der Schriftenreihe für angewandte Sozialgeschichte StudIaS werden nacheinander die Wappen der Szlachta der Res Publica vorgestellt, eines in Europa einmaligen Heraldiksystem der Adelsrepublik Polen-Litauen seit dem XIV. Jahrhundert, der größten und ältesten Demokratie in Europa, welche sich nach 1385 entwickelt hat. Sie entstand früher und umfasste mit 5-10% der Bürger einen größeren Bevölkerungsteil als in England. Es handelt sich um ein in Europa einmaliges Heraldiksystem welches bis heute gültig ist. Einmalig ist die Erstellung einer verbindlichen Transliterierungstabelle der Namen der jeweils zugehörigen Geschlechter aus dem Lateinischen ins Kyrillische und rückwärts aus dem Kyrillischen in das lateinische Alphabet. Durch die unterschiedlichen nationalen Transscribierungsnormen werden solche Tabellen nicht nur bei der Pflege der Familientradition schmerzhaft vermisst. Bei der Mobilität erfahren sie im Behördenverkehr wachsender Bedeutung. Somit handelt es sich nicht nur um eine Geschichtsvorstellung, sondern auch eine praktische Handlungsanweisung bei Erbschaft, Passaustellung, Heiraten und vielem anderem mehr. In der allgemeinen Serie mit deutsch- und fremdsprachigen Titeln der Schriftenreihe für angewandte Sozialgeschichte StudIaS werden nacheinander unterschiedliche Themen aus dem Bereich der Historischen Grundwissenschaften, der Humangeographie und Sozialwissenschaften vorgestellt. Im Forschungsmittelpunkt des Projektes Eliten der Serenissima Res Publica Coronae Regni Poloniae Magnique Ducatus Lithuaniae 1385 - 1569 - 1795 und in deren Gebieten bis 1918, widmet sich das Projekt der Adelsrepublik Polen-Litauen, der größten und ältesten Demokratie in Europa, welche sich nach 1385 entwickelt hat. Sie entstand früher und umfasste mit 5-10% der Bürger einen größeren Bevölkerungsteil als die im Westen angesehene Wiege der Demokratie Englands. Als multisprachlicher, -kultureller und -religiöser Vielvölkerstaat mit einem Zweikammerparlament und parlamentarischen Vertretungen bis auf die Kreisebene und einer Gewaltenteilung handelt sich bei der Res Publica um ein einmaliges Vorbild der heutigen Europäischen Union mit ihren diversen Problemen. Jeder Band umfasst eine grundlegende Einführung in die Gesamtproblematik in historischer, gesellschaftlicher und juristischer Ebene.

1. Thematischer Überblick


1.1. Von polnischen Ritterfamilien zu adligen Szlachtageschlechtern.


Die alten polnischen Stammwappen bildeten in ihrer unverändert gebliebenen Form ein Kennzeichen der Zusammengehörigkeit der oft über das ganze Reich zerstreut lebenden Zweige eines Geschlechts und ein Unterscheidungszeichen von anderen, ein anderes Wappen führendengleichnamigen Geschlechtern. Beim alten polnischen Adel (bis zur Entstehung der Res Publica) und dadurch auch der Szlachta der Adelsrepublik liegt die Entstehung der Wappen meist im tiefen Dunkel. Der Stifter wählte das Motiv des Wappens, sei es aus dem religiösen oder ritterlichen Leben, aus dem ritterlichen Frauendienst, oder er wählte sonst ein Zeichen, das ihm die Erinnerung an ein ihn betreffendes, öffentliches oder in seinem privaten Leben bedeutungsvolles Ereignis bewahren sollte. Eine Deutung hat sich durch kein Schriftstück, meist nur durch eine oft sagenhafte Deutung in der Familie erhalten.

Im alten Polen bildeten sich keine Heroldsfiguren in den Wappen aus; diese haben sich also in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten und waren auch keinen heraldischen Regeln unterworfen. Das Wappenbild im farbig ungeteilten Schildfeld und der Helmschmuck bildete das Wappenbild. Helmdecken und Schildhalter gehörten nicht zu diesem und waren nur eine vom Ausland angenommene, zuerst ganz bedeutungslose Nebensache und entwickelten sich erst langsam gegen Ende der Adelsrepublik.

Die Kenntnisse über die ursprünglichen polnischen Ritterwappen bis zu den Adelswappen der „Res Publica“ erweiterten sich nur allmählich.

Als erste Chronister Polens sindGallus Anonymus,Wincenty Kadłubek vermutlich des Wappens Łabęź oder Lis,Janko z Czarnkowa des Wappens Nałęcz undMarcin Bielski des Wappens Prawdzic zu nennen.

Jan Długosz des Wappens Wieniawa, auch Johannes Longinus, Joannes Dlugossius genannt, * 1415 in Nowa Brzeźnica bei Radomsko, + 19. V. 1480 in Krakau, erster heraldische Schriftsteller der entstehenden Rzeczpospolita, führte in seinem Traktat" Insignia seu Clenodia regni Poloniae" (geschrieben 1466 - 70) über 103 Wappen auf, von denen etwa 50 beschrieben waren.

Martin von Cromer h. Kromer (PL-Marcin Kromer h. Kromer), * 1512 in Biecz, Provinz Kleinpolen, † 23. III. 1589 in Heilsberg, Ostpreußen), erwähnte 115 Wappen.

Bartosz Paprocki h. Jastrzębiec, (auch Bartholomäus Paprocky oder Bartholomew Paprocki, CZ-Bartoloměj Paprocký z Hlahol a Paprocké Vůle; PL-Bartłomiej Paprocki h. Jastrzębiec), * 1540/1543 bei Sierpc, Masowien, † 27. XII. 1614 in Lemberg, Ukraine, gab in seinen Hauptwerken von 1578 und 1584 insgesamt 2.481 Geschlechter in 126 Wappengenossenschaften und 28 + 48 Individualwappen, also insgesamt 202 Wappen an.

Szymon (Simon) Okolski h. Rawicz, (andere Namensform Simon de Camenacia), * 1580 in Kamieniec Podolski, Ukraine, + 10. VI. 1653 in Lemberg, Ukraine, erhöhte die Zahl bekannter Wappen auf 290,

Albert Wijuk Kojałowicz h. Kościesza Abwandlung, (LAT-Koialovicius-Wijuk Albertus, LIT-Albertas Vijūkas Kojalavičius, PL-Wojciech Wijuk Kojałowicz h. Kościesza Abwandlung), * 1609 Perkunashaus in Kaunas oder Romainiai, Litauen, + 6. X. 1677 in Warschau, schrieb über die litauischen Wappen sowie

Jan Chryzostom Pasek h. Doliwa, der in seinem Tagebuch ein anschauliches Bild über das Sarmatentum der Szlachta in der Adelsrepublik wiedergibt.

Aus diesen Schriftstellern schöpfteKaspar Niesiecki, bürgerlicher Herkunft (nach anderen Angaben des Wappens Poraj), * 31. XII. 1682 in Großpolen, + 9. VII. 1744 in Krasnystaw, Provinz Kleinpolen, für sein 4-bändiges Werk und beschrieb etwa 500 Wappen. Ob er Zugang zu der Handschrift vonWalerian Nekanda Trepka h. Topór über die Versuche von Adelsanmasungen im XVII. Jhdt. hatte, ist nicht eindeutig klar.

Nach diesem arbeiteten über Familien und Wappen der AdelsrepublikDunczewski,Kuropatnicki,Krasicki,Leszczyc,Piotr Małachowski h. Nałęcz undWielądko h. Nałęcz.

Aufbauend auf diesen Werken erstellteBobrowicz h. Gryf seine 10-bändige Neuausgabe des Werkes von Niesiecki mit kritisierenden, berichtigenden und vervollständigenden Zusätzen und führte 577 Wappen an.

Der HistorikerJoachim Lelewel von Löwenspru