II. Vom Paradies
Gott, so die biblische Schöpfungslegende, schuf die Welt und setzte in die Mitte hinein einen Garten: den Garten Eden, das Paradies. Darin war es so, wie Gott es sich gedacht und wie er alles Seiende gemeint hatte, gleichsam die vollendete Schönheit Gottes. Aber noch fehlte ihm eines: der Mensch. Ihn nun schuf Gott aus Lehm, so die Legende, und hauchte ihm seinen Atem ein als seinen Lebensatem, insofern hatte der Mensch von Anbeginn Göttliches an sich und in sich. Aber der Mensch, Adam, überhob sich, nahm und aß Früchte von einem verbotenen Baum. Darum musste er das Paradies verlassen und wohnte fortan in Mühe, Arbeit und Schmerz „jenseits von Eden“. (Gen. 2,4 ff.)
Dieses biblische Paradies – legendarisch also. Der Gottesgarten, das Innere Gottes gleichsam – anscheinend ein Phantom. Also gibt es „in Wirklichkeit“ gar kein Paradies? Ist das Paradies nur ein ewig währender Traum vieler Menschenseelen? Der heile Ort ohne bedrückende Notwendigkeiten – nur ein „frommer Wunsch“?
II.1. Lebenswille
Das Leben ist ein Weg von ungefragter Geburt zu ungewolltem Tod. Es ist bildlich gesprochen ein Tanz auf einem Seil, das am Lebensanfang aufgehängt und an seinem Ende festgebunden ist, darunter aber öffnet sich ein schroffer Abgrund, und auch darin lauert: der Tod. Das Leben ist also ein Seilgang, mit dem Tod von zwei Seiten her drohend: vom Ende her, und aus dem Abgrund heraus. So ist die Angst immerzu allgegenwärtig, vorzeitig zu stürzen oder am Ende sich ins Nichts aufzulösen. Es ist die Angst, verloren zugehen. Diese Angst ist immer da, einmal leise, dann laut, jetzt scheint sie geschwunden, gleich brüllt die wieder auf. Die Angst ist unberechenbar, und sie erscheint unüberwindlich.
Obwohl der M