Genauso vielfältig wie die Risiken, denen wir in der modernen Welt begegnen, sind auch die Unternehmen, die sich diesen gemeinsam mit uns stellen. Historisch gewachsen und bemerkenswert divers, können viele dieser Versicherer dank ihres Spezialwissens profitabel in ihren Nischen existieren. Unsere Branche zeichnet sich durch ökologische Vielfalt statt durch konzentrierte Märkte aus – ein Merkmal, das sowohl Stabilität als auch Innovation fördert.
Im deutschen Versicherungsmarkt begegnen wir einer beeindruckenden Anzahl und Vielfalt an Akteuren. Das Spektrum reicht von spezialisierten Nischenanbietern bis zu multinationalen Konzernen, die unterschiedlichste Segmente und Kundengruppen bedienen. Wir finden große Lebens- und Krankenversicherer mit ihren hohen Kapitalreserven, mittelgroße Sachversicherer und innovative InsurTech-Start-ups, die frische digitale Ansätze in die Branche bringen.
Mit knapp 500 Unternehmen im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gehört Deutschland zu den diversifiziertesten Versicherungsmärkten weltweit. Zum Vergleich: Italien kommt laut EIOPA-Statistik auf 84 Versicherungsunternehmen. Diese Vielfalt intensiviert den Wettbewerb und erweitert die Wahlmöglichkeiten für Kunden erheblich. Jede Unternehmensart trägt auf ihre eigene Weise zur Stabilität und Dynamik des Marktes bei – geprägt durch Regulierungen, Markterwartungen und die ständige Herausforderung, im globalen Wettbewerb zu bestehen.
Diese Vielfalt lässt sich entlang verschiedener Dimensionen betrachten. Im Folgenden geben wir Einblicke in die gängigsten Unterscheidungen, die die Struktur unserer Branche prägen.
Risiko-Reihenfolge: Rückversicherer/Syndikate& Names/Erstversicherer
Rückversicherer sind die Sicherheitsnetze unserer Branche – Versicherungen für Versicherungen. Sie übernehmen Risiken von anderen Versicherern, um diese vor zu großen Einzelbelastungen zu schützen und das System insgesamt stabiler zu machen. Erstversicherer können so ihr eigenes Risiko senken und müssen weniger fürchten, durch einzelne Großschäden in Schwierigkeiten zu geraten.
Hierbei stehen dem Erstversicherer verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: In der Proportionalen Rückversicherung kann der Erstversicherer entweder eine bestimmte Quote (also einen festen Prozentteil) an den Rückversicherer abgeben, oder der Erstversicherer legt eine Höchstsumme pro Risiko fest, die er selbst übernimmt, und für den Rest springt der Rückversicherer ein (Summen-Exzendenten-Rückversicherung). Proportional aufgeteilt werden hier die Prämien und damit folgend die Schäden zwischen Erstversicherer und Rückversicherer, man versichert gemeinsam.
In der nicht-proportionalen Rückversicherung wird die Leistung des Rückversicherers rein durch die Höhe der Schäden bestimmt, und können sich auf die Deckung von Einzelschäden, Kumulschäden oder Jahresüberschäden beziehen. Hier wird also nicht die vom Erstversicherer berechnete Prämie geteilt – der Erstversicherer und Rückversicherer schließen einen unabhängigen Versicherungsvertrag mit extra berechneter Prämie.
Rückversicherungen sind besonders wertvoll, wenn es durch Naturkatastrophen oder Kumulschäden (mehrere Schäden aus einem Ereignis) zu außergewöhnlichen Belastungen kommt, die für Erstversicherer finanziell oder zumindest in der Liquidität nicht tragbar wären. Die bekannteste und größte Rückversicherung, Munich Re, hat ihren hervorragenden Ruf durch ein historisches Ereignis gefestigt: Nach dem verheerenden Erdbeben in San Francisco 1906, einer der größten Naturkatastrophen der US-Geschichte, gerieten die betroffenen 137 Versicherer und 17 Rückversicherer nahezu in die Zahlungsunfähigkeit. Nur die Münchener Rückversicherungsgesellschaft blieb vollständig zahlungsfähig und erfüllte ihre Verpflichtungen.
Eine Besonderheit stellt der Versicherungsmarktplatz Lloyd's of London dar – das ehemalige Kaffeehaus aus unserer Historie. Ein Lloyd's-Syndikat wird von einem oder mehreren Mitgliedern gebildet – das können sowohl Versicherungsunternehmen als auch Privatpersonen (die sog. „Names“) sein. Sie schließen sich zusammen, um Kapital bereitzustellen und gemeinsam Versicherungsrisiken zu übernehmen – ein Prinzip, das den Geist der historischen Kaffeehaus-Ära weiterleben lässt.
Die meisten Syndikate zeichnen eine Vielzahl von Geschäftsbereichen, haben aber oft auch spezielle Fachgebiete. Formal werden Syndikate auf jährlicher Basis gegründet. In der Praxis arbeiten sie jedoch meist dauerhaft, wobei die Mitglieder das Recht, aber nicht die Pflicht haben, sich im Folgejahr wieder zu beteiligen. Diese kontinuierliche Kapitalunterlegung ermöglicht es den Syndikaten, nahezu wie dauerhafte Versicherungsunternehmen zu funktionieren. Jedes Syndikat bestimmt seine eigene Risikobereitschaft, entwickelt einen individuellen Geschäftsplan, organisiert seinen Rückversicherungsschutz und verwaltet seine Engagements und Ansprüche eigenständig.
Schließlich kommen wir zu dem, was die meisten aus Kundensicht kennen: den Erstversicherern. Sie stehen in direktem Kontakt mit Privatpersonen und Unternehmen und übernehmen deren Risiken – von standardisierten Tarifen bis hin zu individuellen Deckungskonzepten (definierter Umfang des versicherten Risikos). Die Gruppe der Erstversicherer ist äußerst vielfältig, weshalb wir sie im Folgenden noch genauer unterteilen werden.
Nach Kundengruppe: Industrie/Privatkunden/Gruppen
Aus unserem eigenen Leben kennen wir Versicherungen hauptsächlich als Privatkunden – doch der tatsächlich größere Markt ist, wie so oft im Wirtschaftsleben, das Gewerbegeschäft. Die gewerbliche Versicherung, auch Commercial Insurance genannt, ist als Zweig, wie schon in der Historie beschrieben, deutlich älter als das Privatkundengeschäft. Sie zeichnet die Geschichte nach, wie wir als Gesellschaft wirtschaftlichen Wohlstand aufgebaut haben.
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Wie wir reich wurden
Von Rainer Hank& Werner Plumpe
Die Versicherung von Unternehmen zielt darauf ab, den Geschäftsbetrieb vor existenzbedrohenden Risiken zu schützen. Sie deckt sowohl Schäden „nach innen“ – also eigene Verluste des Unternehmens – als auch Ansprüche von Dritten ab. Eine komplexe Produktionslinie oder eine Großbaustelle abzusichern, erfordert meist eine vollständig individuelle Risikoeinschätzung. Hier braucht es erfahrene Vermittler und spezialisierte Antragsprüfer, um Kunden eine angemessene Bepreisung für die Risikoübernahme anbieten zu können.
In diesem Segment sind Spezialwissen und Nischenexpertise oft entscheidende Wettbewerbsvorteile, was zu einer interessanten Fragmentierung des Marktes führt. Je standardisierter die Risiken werden, desto eher können auch standardisierte Tarife angeboten werden, und das Geschäft...